Wenn Hitchcock Deutscher wäre, hieße er vermutlich Horst Eckert. In einer moderneren Variante natürlich: Eckert spielt mit unseren Nerven und dies mit den Mitteln des 21. Jahrhunderts. Da ist zum Beispiel Die Zwillingsfalle, die ihm den ersten Glauser-Preis des 2. Jahrtausends eingebracht hat. Man nehme ein Drittel Pech - einen parkinsonkranken Eliteschützen, zweieiige Zwillingsschwestern, einen Verrückten auf der Flucht, einen kleinen Polizeikrieg. Man füge ein weiteres Drittel Gewalt hinzu - eine unerklärliche Vergewaltigung, einen im Feuer des Gefechts von einem Kollegen niedergestreckten Polizisten (siehe weiter oben, Rubrik "Pech") und ein letztes Drittel Geschlechterkrieg: alles gut schütteln, und Sie erhalten einen der besten deutschen Kriminalromane der letzten Zeit. Wahrscheinlich weil er seine Stimmungen und Figuren sehr nuanciert zu zeichnen versteht: der Verrückte ist nicht ohne Grund verrückt, der korrupte Polizist ist trotz allem ein anständiger Kerl, eine Frau kommt nie allein, und der Krimi hört auf schwarz zu sein und wird grau, wie alle Katzen in der Nacht.
Eckert wurde 1959 in der Oberpfalz geboren und hat sein Politikstudium in Berlin absolviert; heute lebt er in Düsseldorf. Da er von seiner Feder, und sei sie noch so brillant, nicht leben kann, arbeit er als Fernsehjournalist. Vielleicht ermöglicht es der ihm 2001 verliehene Glauser-Preis, sich ganz dem Schreiben zu widmen, was sicherlich zum Nachteil des Fernsehens, dafür aber zum Besten des Kriminalromans und seiner Leser wäre.
Olivier Mannoni







