
Ein Stadtviertel, eine besondere Stimmung, Verbrechen - als Einzeltat oder in Serie - , Zeugen, die nichts gesehen haben, eine nach außen abgekapselte, verdorbene Gesellschaft. So ist die Atmosphäre von Doris Gerckes Romanen.In Kinderkorn wird in einem verrufenen Arbeiterviertel ein kleines Mädchen nach dem anderen umgebracht. In Der Tod in der Stadt vergeht sich ein Mörder nach einem sorgfältig ausgeklügelten Plan an jungen Frauen. Ist da Maigret im Spiel? Vielleicht, abgesehen davon, dass der Held von Doris Gerckes Krimis weder Pfeife raucht noch Koteletten trägt. In den meisten ihrer Romane ist der Kommissar eine Frau, eine ehemalige, ihres Berufs überdrüssig gewordene Polizistin, die trotzdem von Zeit zu Zeit den Dienst wiederaufnimmt, eine Art Super-Sherlock Holmes.
Wie viele der Autoren dieser Ausstellung ist Doris Gercke auf verschlungenen Pfaden zu einem "Ehrenglauser" gelangt, den sie im Jahr 2000 für ihr Gesamtwerk erhalten hat. Nichts deutete bei der 1937 geborenen Enkelin des Dichters Alexander Blok auf eine Karriere als Krimiautorin hin: bis zu ihrem 45. Lebensjahr führte sie ein Leben als Hausfrau und Mutter, nahm dann ihr Jurastudium wieder auf und begann mit dem Schreiben ihrer ersten Kriminalgeschichten. Mit sichtbarem Erfolg: seitdem hat sie - Hörspiele nicht eingerechnet - fast ein Dutzend veröffentlicht, und ihre Heldin Bella Block ist bereits zweimal auf dem Bildschirm erschienen.
Olivier Mannoni







