Hammesfahr, Petra

Petra Hammesfahr "Es gibt Augenblicke, in denen man einigermaßen zufrieden ist und meint, vom Schicksal verwöhnt zu sein. Für mich war das an einem Sonntagnachmittag, gegen Ende des Monats Mai", schreibt Petra Hammesfahr in ihrem Roman Die Mutter. In Wirklichkeit aber wird sie schon seit einer ganzen Weile vom Schicksal verwöhnt: zwischen 1991 und 2001 veröffentlicht sie gut zwanzig Kriminalromane, schreibt zwei Folgen einer Fernsehserie und ein Filmdrehbuch, erhält den Rheinischen Literaturpreis für einen ihrer Romane und im Jahr 2000 den FrauenKrimiPreis der Stadt Wiesbaden. Petra Hammesfahr, Jahrgang 1951, lebt heute von ihrer Feder in Kerpen bei Köln; ihr beharrliches Arbeiten, ein sorgfältig ausgeklügelter Look- Infrarotlicht-Blick und ein Lächeln, das Humphrey Bogart erblassen ließe -, haben es ihr ermöglicht, sich innerhalb der recht geschlossenen deutschen Krimiszene rasch einen Namen zu machen.

Ein nicht gerade erfreuliches Privatleben - mit dreizehn war sie bereits in der Lehre, mit siebzehn von einem Alkoholiker schwanger - hat ihr manches Mal das Material für ihre süsß-sauren Familienkrimis geliefert, in denen sich sanfte Kindheit und Horror der Erwachsenenwelt verbinden: rätselhafte Puppen verbreiten im Haus eines jungen Pärchens ihren Schrecken; ein ungefährlicher geistig Behinderter wird verdächtigt - warum nur? - kleine Mädchen umzubringen (Lukkas Erbe, Der Puppengräber), Jugendliche verschwinden spurlos (Die Mutter) und hübsche Mädchen machen sich daran, Unbekannte mit Messerstichen zu durchbohren (Die Sünderin). Eine seltsame Welt voller Geheimnisse und Spannung.

Olivier Mannoni