Juretzka, Jörg

Manche Autoren haben ein ebenso kompliziertes und leidgeprüftes Leben wie die Helden, die sie mühselig für ihre Romane schaffen. In der Wochenzeitung Die Welt findet so der Kritiker Andreas Kaiser Gefallen daran, die Wesensmerkmale von Inspektor Kristof Kryszinski mit denen seines Schöpfers Jörg Juretzka zu vergleichen: beide haben eine von intensivem Drogenkonsum geprägte Vergangenheit, auf die sowohl die Figur als auch der Autor klarsichtig und nüchtern zurückblicken, und bei beiden handelt es sich um Menschen, die sich, so Kaiser, "ständig an der Schwelle einer Geldmisere bewegen" (Juretzka verdient sich seinen Lebensunterhalt mit Tischlerarbeiten auf der Baustelle). Kaiser schreibt ebenfalls, er sei "der amerikanischste unter den deutschen Krimiautoren." Juretzka, bereits Verfasser zweier Kriminalromane, ist auch der zweite Komplize im Abenteuer des mit Roger Fiedler verfassten e-mail-Romans Enzi@n. Ansonsten befindet sich Juretzka offensichtlich in der Rolle des deprimierten mittellosen Schriftstellers: die enthusiastische Kritik seiner ersten Bücher erlaubt es ihm noch lange nicht, Hammer und Nägel wegzulegen und sich Feder und Papier zuzuwenden. Andererseits ermöglicht es ihm diese prekäre Situation, vor der Presse unanfechtbare Geständnisse abzulegen: "Ich lese weder Bücher deutscher Krimiautoren noch solche von Frauen", bekräftigt er gegenüber Die Welt - Aussagen, die ihm zweifelsohne eine verheißungsvolle Zukunft als verrufener, das heißt in Anbetracht der herrschenden Zustände erfolgreicher Autor versprechen.
Olivier Mannoni