
Sie wurde in Shanghai geboren, wuchs in Nanking auf und ließ sich 14 Jahre später in einem der schicken Bonner Vororte, in Bad Godesberg, nieder. Anschließend führte sie ein ruhiges Leben als Literatur- und Kunstgeschichtsstudentin und heiratete mit vierundzwanzig Jahren. Es mußten einunddreißig Jahre vergehen bis Ingrid Noll mit dem Schreiben begannt. Seit dem Erscheinen ihres ersten Romans, Der Hahn ist tot (1991) und dem umwerfenden Erfolg ihres zweiten Romans, Die Häupter meiner Lieben (1993) hat sie sich keine Pause mehr gegönnt, schrieb acht Krimis, einen Versroman, ein Drehbuch, und all das mit Ruhe und Gelassenheit. Wie sie es in einem Interview anschaulich ausdrückt, bestehe ihr einziges Verbrechen darin, einem Polizisten, der ihr für ein fehlendes Fahrradlicht einen Strafzettel geben wollte, davongefahren zu sein. Außerdem hat sie einen siebzigjährigen Ehemann und eine hundertjährige Mutter - bekanntlich ideale Bedingungen, um gute Krimis zu schreiben.
Die Presse jedenfalls lobt ihre Bücher, bezeichnet sie als "Spezialistin der Neurosen im Format einer Patricia Highsmith", als eine Schriftstellerin, die besessen sei von den "obsessiven Motiven und Mechanismen der alltäglichen Dramen", als eine Autorin, die "Weisheit, Menschenkenntnis und gelebte Erfahrung" in sich vereine. All diese Eigenschaften stellt sie in den Dienst von Kriminalromanen, deren Hauptpersonen meistens Frauen sind: eine ledige Fünfzigerin, die den Studenten eines Universitätsprofessors, den sie verführen möchte, den Kampf ansagt (Der Hahn ist tot), eine eifersüchtige Frau, die einer auf der Windschutzscheibe ihres Autos abgelegten roten Rose nachforscht, (Röslein rot), eine Apothekerin, die eine Rivalin aus dem Fenster stürzt (Die Apothekerin). Nette, blutige Frauengeschichten, aus der Feder einer sanften Großmutter. Teuflisch, oder?







