Ritzel, Ulrich

Ulrich RitzelDas Nachrichtenmagazin Der Stern beschreibt Ulrich Ritzel ohne Umwege: "Ulrich Ritzel ist bestimmt kein glücklicher Mensch. Das lässt sich von seinen Lippen ablesen. Dieser bittere Zug findet sich häufig bei Menschen, die zu viel gelitten haben. Oder bei solchen, die regelmäßig mit der Justiz zu tun haben." Das gerade ist bei Ulrich Ritzel der Fall, nur, dass er niemals verurteilt wurde, dafür aber jahrelang Gerichtsreporter war. Dabei hat sich der 1940 in Pforzheim geborene Autor sicherlich die Grundlagen für seine praktischen Kenntnisse des Verbrechens geschaffen - was die Theorie anbelangt, so konnte er sich auf ein ausführliches Jurastudium stützen.

Das Verbrechen steht jedoch nicht im Zentrum seiner Bücher: das vorrangige Thema Ritzels ist der Mensch, seine kleinen Kompromisse, seine Vergangenheit, seine Gemeinheiten. Der Schatten des Schwans (1999) ist die Geschichte eines ehemaligen Naziarztes, der sich inzwischen in der Pharmaindustrie einen großen Namen gemacht hat. In Schwemmholz (2000) nimmt er sich die Bauindustrie und ihre politischen Skandale vor (was dem Roman übrigens eine pikante internationale Note gibt). In Die schwarzen Ränder der Glut geht Ritzel auf den Terrorismus und die glänzenden politischen und wirtschaftlichen Karrieren ehemaliger Sympathisanten der Roten Armee Fraktion ein. Bei so ernsten Themen fragt man sich tatsächlich, wie ein Autor von Kriminalromanen, so aufregend sie auch sein mögen, die Lippen eines glücklichen Mannes haben sollte.

Olivier Mannoni