Für Kinder und Jugendliche

Krimis und Detektivgeschichten erfreuen sich bei Kindern und Jugendlichen großer Beliebtheit. Daran hat sich seit dem Erscheinen von "Emil und die Detektive" (1928), des ersten deutschen Krimis für Kinder, auch heute nichts geändert. Das große, in seiner literarischen Qualität sehr unterschiedliche Angebot bewegt sich zwischen gewaltfreien, sehr einfach konstruierten Krimis für die Erstleser (ab 6 Jahren) und schonungslosen, „hart an der Realität“ erzählten Krimis für die Leser ab 12 Jahren, die einen sozialkritischen Ansatz wagen. Die Täter sind meistens Erwachsene, jugendliche Verbrecher bleiben selten, Jugendkriminalität taucht als gesellschaftliches Problem erst in den letzten zwanzig Jahren verstärkt als Thema auf. Spannung und Unterhaltung zählen zu den zentralen Elementen dieser kinderliterarischen Gattung, die für jeden Geschmack etwas bereit hält: Detektivserien, Ratekrimis, Tierkrimis oder seit einigen Jahren auch interaktive Krimis, bei denen der Leser den Fortgang der Geschichte selbst bestimmt.

Die Unterscheidung zwischen einem „Kriminalroman“, der die Geschichte eines Verbrechens beschreibt, und einer „Detektivgeschichte“, in der es vorrangig um die Geschichte der Aufklärung geht, ist nicht immer eindeutig. Die Begriffe werden häufig synonym verwandt. Die Grenzen sind – wie in der Erwachsenenliteratur – fließend, im Mittelpunkt stehen in der Regel drei Faktoren: das Verbrechen, der Detektiv (oder eine Gruppe) und die Verdächtigen. Detektivgeschichten treten in der Kinder – und Jugendliteratur von Anfang an vermehrt auf. Die jungen Detektive blicken auf große Vorbilder (z.B. Agatha Christie, Sherlock Holmes) zurück, und verfügen über ähnlich positive Eigenschaften: sie sind ehrlich, charakterfest und kämpfen für die Gerechtigkeit.


Die jungen Amateurdetektive gründen gerne Clubs, denen sie klangvolle Namen geben, wie z.B. "Die Spürnasen", und vereinen darin Mitglieder mit unterschiedlichen Charaktereigenschaften und Fähigkeiten zu einem cleveren, furchtlosen Team, sie repräsentieren ein gesellschaftlich repräsentatives Abbild der Erwachsenenwelt. Dabei stürzen sie sich ebenso begeistert und engagiert auf die meist gewaltfreien Verbrechen in der näheren Umgebung, als auch Fälle internationaler Kriminalität, die moderne Kommunikationstechnik macht es möglich. Angeführt werden diese Gruppen von einer selbst ernannten Autorität, einem „Chef“ oder „Präsidenten“. Sie ermitteln vorzugsweise ohne die Mithilfe Erwachsener, die oft erst im letzten Moment helfend eingreifen. Daneben gibt es aber auch viele Kinderkrimis, in denen erwachsene Ermittler von Kindern tatkräftig und clever unterstützt werden. Eine weitere Gruppe bilden Krimis, in denen sich Kinder- und Erwachsenenwelt gegenüber stehen.

Die Kriminalgeschichten unterliegen immer auch der Gefahr, die Welt des Verbrechens auf ein kindertaugliches, zumutbares Niveau zu reduzieren und dabei komplexe Zusammenhänge zu vereinfachen.. Die heile und eigenständige Kinderwelt wird einer korrupten, nicht verständlichen Erwachsenenwelt gegenübergestellt. Nach Motiven wird hierbei nur gesucht, um zu überführen, nicht aber um gesellschaftliche Ursachen zu hinterfragen. Gut und Böse werden oft allzu zu scharf gegeneinander abgesetzt und der erzählte Hintergrund zu eng gefaßt. Diesen Sprung schaffen erst die Krimis für die älteren Leser ab 12 Jahren.

Auswahl zeitgenössischer Autoren:

Birgit Tellmann, Bonn