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Gemeinsamer europäischer Referenzrahmen für Sprachen:
Lernen, lehren, beurteilen
Kapitel 5   Die Kompetenzen der Sprachverwendenden/Lernenden

5.2.3.1 Diskurskompetenz

Die Diskurskompetenz besteht in der Fähigkeit der Sprachverwendenden/Lernenden, eine Satzsequenz so zu arrangieren, dass kohärente sprachliche Textpassagen entstehen. Sie schließt Wissen um die folgenden Aspekte ein sowie die Fähigkeit, die Abfolge von Sätzen zu kontrollieren in Hinblick auf:

  • Thema/Fokus;

  • bekannt/neu;

  • 'natürliche' Reihenfolge: z. B.: zeitlich: Er fiel hin und ich schlug ihn, aber:Ich schlug ihn und er fiel hin.

  • Ursache/Wirkung (umkehrbar): Die Preise steigen - die Leute wollen höhere Löhne.

  • die Fähigkeit, Diskurs zu strukturieren und zu steuern in Hinblick auf:

    • thematische Organisation;
    • Kohärenz und Kohäsion;
    • logische Anordnung;
    • Stil und Register;
    • rhetorische Effektivität;
    • das Kooperationsprinzip nach Grice: "Mache deinen Gesprächsbeitrag jeweils so, wie es von dem akzeptierten Zweck oder der akzeptierten Richtung des Gesprächs, an dem du teilnimmst, gerade verlangt wird, indem du die folgenden Maximen beachtest:
      • Maxime der Qualität (versuche, deinen Beitrag so zu machen, dass er wahr ist );
      • Maxime der Quantität (gib so viele Informationen wie nötig, aber nicht mehr);
      • Maxime der Relevanz (sage nichts Irrelevantes);
      • Maxime der Art und Weise (drücke dich kurz und gut strukturiert aus und vermeide Unklarheit und Mehrdeutigkeit)".
Von diesen Kriterien für ein direktes und effizientes Kommunizieren sollte man nur aus besondeen Gründen abweichen, nicht jedoch weil man unfähig ist, sie zu beachten.

  • Textgestaltung: Kenntnis der Gestaltungskonventionen der Sprachgemeinschaft z. B. im Hinblick darauf,
    • wie Informationen bei der Realisierung der verschiedenen Makrofunktionen (Beschrei-bung, Erzählung, Erläuterung usw.) strukturiert werden;
    • wie Geschichten, Anekdoten, Witze usw. erzählt werden;
    • wie ein Argumentationsstrang aufgebaut wird (juristisch, bei Debatten usw.);
    • wie ein geschriebener Text (Aufsätze, offizielle Briefe usw.) hinsichtlich seiner äußeren Form, weiterführender Hinweise und der Reihenfolge gestaltet wird.
Ein guter Teil der muttersprachlichen Erziehung ist der Ausbildung diskursiver Fertigkeiten junger Menschen gewidmet. Im Fremdsprachenlernen fangen die Lernenden wahrscheinlich mit kurzen Redebeiträgen an, die gewöhnlich nur Satzlänge haben. Auf höheren Stufen der Sprachbeherrschung wird die Entwicklung der Diskurskompetenz, deren Komponenten in diesem Abschnitt angeführt werden, immer wichtiger.

Skalen stehen für folgende Aspekte der Diskurskompetenz zur Verfügung:

Flexibilität in Bezug auf die Umstände der Kommunikationssituation
Sprecherwechsel (turntaking), (wird auch unter Interaktionsstrategien angeführt)
Themenentwicklung;
Kohärenz und Kohäsion.
 
Flexibilität
C2 Zeigt viel Flexibilität, indem er/sie Gedanken mit verschiedenen sprachlichen Mitteln umformuliert, um etwas hervorzuheben, zu differenzieren oder um Mehrdeutigkeit zu beseitigen.
C1 wie B2+
B2 Kann Inhalt und Form seiner Aussagen der Situation und dem Kommunikationspartner anpassen und sich dabei so förmlich ausdrücken, wie es unter den jeweiligen Umständen angemessen ist.
Kann sich den in der Konversation üblichen Wechseln der Gesprächsrichtung, des Stils oder des Tons anpassen.
Kann die Formulierungen für das, was er/sie sagen möchte, variieren.
B1 Kann seine Ausdrucksweise auch weniger routinemäßigen, sogar schwierigeren Situationen anpassen.
Kann ein breites Spektrum einfacher sprachlicher Mittel flexibel einsetzen, um viel von dem, was er/sie sagen möchte, auszudrücken.
A2 Kann einfache, gut memorierte Wendungen durch den Austausch einzelner Wörter den jeweiligen Umständen anpassen.
Kann die einzelnen Elemente von gelernten Wendungen neu kombinieren und so deren Anwendungsmöglichkeiten erweitern.
A1 keine Deskriptoren vorhanden

Liste  
Sprecherwechsel
C2 wie C1
C1 Kann aus einem geläufigen Repertoire von Diskursmitteln eine geeignete Wendung auswählen und der eigenen Äußerung voranstellen, um das Wort zu ergreifen oder um Zeit zu gewinnen und das Wort zu behalten, während er/sie überlegt.
B2 Kann in Gesprächen auf angemessene Weise das Wort ergreifen und dazu verschiedene geeignete sprachliche Mittel verwenden.
Kann Gespräche auf natürliche Art beginnen, in Gang halten und beenden und angemessen zwischen Sprecher- und Hörerrolle wechseln.
Kann ein Gespräch beginnen, im Gespräch die Sprecherrolle übernehmen, wenn es angemessen ist, und das Gespräch, wenn er/sie möchte, beenden, auch wenn das vielleicht nicht immer elegant gelingt.
Kann Versatzstücke wie 'Das ist eine schwierige Frage' verwenden, um Zeit zum Formulieren zu gewinnen und das Rederecht zu behalten.
B1 Kann in ein Gespräch über ein vertrautes Thema eingreifen und dabei eine angemessene Wendung benutzen, um zu Wort zu kommen.
Kann ein einfaches, direktes Gespräch über vertraute oder persönlich interessierende Themen beginnen, in Gang halten und beenden.
A2 Kann einfache Mittel anwenden, um ein kurzes Gespräch zu beginnen, in Gang zu halten und zu beenden. Kann im direkten Kontakt ein einfaches, begrenztes Gespräch beginnen, in Gang halten und beenden.
Kann jemanden ansprechen.
A1 keine Deskriptoren vorhanden

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Themenentwicklung
C2 wie C1
C1 Kann etwas ausführlich beschreiben oder berichten und dabei Themenpunkte miteinander verbinden, einzelne Aspekte besonders ausführen und mit einer geeigneten Schlussfolgerung abschließen.
B2 Kann etwas klar beschreiben oder erzählen und dabei wichtige Aspekte ausführen und mit relevanten Details und Beispielen stützen.
B1 Kann recht flüssig unkomplizierte Geschichten oder Beschreibungen wiedergeben, indem er/sie die einzelnen Punkte linear aneinander reiht.
A2 Kann eine Geschichte erzählen oder etwas beschreiben, indem er/sie die einzelnen Punkte in Form einer einfachen Aufzählung aneinander reiht.
 
A1 keine Deskriptoren vorhanden

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Kohärenz und Kohäsion
C2 Kann einen gut gegliederten und zusammenhängenden Text erstellen und dabei eine Vielfalt an Mitteln für die Gliederung und Verknüpfung angemessen einsetzen.
C1 Kann klar, sehr fließend und gut strukturiert sprechen und zeigt, dass er/sie die Mittel der Gliederung sowie der inhaltlichen und sprachlichen Verknüpfung beherrscht.
B2 Kann verschiedene Verknüpfungswörter sinnvoll verwenden, um inhaltliche Beziehungen deutlich zu machen.
Kann eine begrenzte Anzahl von Verknüpfungsmitteln verwenden, um seine/ihre Äußerungen zu einem klaren zusammenhängenden Text zu verbinden; längere Beiträge sind möglicherweise etwas sprunghaft.
B1 Kann eine Reihe kurzer und einfacher Einzelelemente zu einer linearen, zusammenhängenden Äußerung verbinden.
A2 Kann die häufigsten Konnektoren benutzen, um einfache Sätze miteinander zu verbinden, um eine Geschichte zu erzählen oder etwas in Form einer einfachen Aufzählung zu beschreiben.
Kann Wortgruppen durch einfache Konnektoren wie 'und', 'aber' und 'weil' verknüpfen.
A1 Kann Wörter oder Wortgruppen durch sehr einfache Konnektoren wie 'und' oder 'dann' verbinden.

Liste

 
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