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Gemeinsamer europäischer Referenzrahmen für Sprachen:
Lernen, lehren, beurteilen
Kapitel 5   Die Kompetenzen der Sprachverwendenden/Lernenden

5.2.3.2 Funktionale Kompetenz

Diese Komponente betrifft die Verwendung gesprochenen Diskurses und geschriebener Texte bei der Kommunikation mit bestimmten funktionalen Zwecken (vgl. Abschnitt 4.2). Bei der konversationellen Kompetenz geht es nicht um das Wissen, welche bestimmten Funktionen (Mikrofunktionen) mit welchen sprachlichen Formen ausgedrückt werden. Gesprächsbeteiligte nehmen an einer Interaktion teil, in der jede Initiative zu einer Entgegnung führt und die Interaktion in einer Abfolge einzelner Schritte von der Eröffnung bis zum Abschluss ihrem Ziel entsprechend voran bringt. Kompetente Sprecher verstehen diesen Prozess und verfügen über Fertigkeiten, ihn auszuführen. Eine Makrofunktion ist durch ihre interaktionale Struktur charakterisiert. Komplexere Situationen können durchaus eine interne Struktur haben, die Abfolgen von Makrofunktionen umfasst, die in vielen Fällen gemäß den formellen oder informellen Mustern sozialer Interaktion (Schemata) angeordnet sind.

  1. Mikrofunktionen sind Kategorien für die funktionale Verwendung einzelner (gewöhnlich kurzer) Äußerungen, die normalerweise Redebeiträge (turns) in einer Interaktion sind. Mikrofunktionen werden im Threshold Level 1990, Kapitel 5, relativ detailliert (aber nicht erschöpfend) kategorisiert:

    1. Sachinformationen mitteilen und erfragen
      • identifizieren
      • berichten
      • berichtigen
      • fragen
      • antworten

    2. Einstellungen zum Ausdruck bringen und erfragen in Bezug auf:
      • Fakten (Zustimmung/Ablehnung)
      • Wissen (Wissen/Unwissen, Erinnern/Vergessen,Wahrscheinlichkeit/Sicherheit)
      • Modalität (Verpflichtung, Notwendigkeit, Fähigkeit, Erlaubnis)
      • Willensbekundungen (Wünsche, Verlangen, Absichten, Präferenzen)
      • Gefühle (Freude/Missfallen, Vorlieben/Abneigungen, Zufriedenheit, Interesse, Überraschung, Hoffnung, Enttäuschung, Angst, Sorge, Dankbarkeit)
      • Moralisches Verhalten (Entschuldigungen, Billigungen, Bedauern, Mitgefühl)

    3. Überreden, Überzeugen
      Vorschläge, Bitte, Warnung, Rat, Ermutigung, um Hilfe bitten, Einladungen, Angebote

    4. Soziale Routinen
      Aufmerksamkeit erregen, jemanden anreden und (be)grüßen, jemanden vorstellen, einen Trinkspruch ausbringen, sich verabschieden

    5. Diskursstrukturierung
      (28 Mikrofunktionen, Eröffnen, Sprecherwechsel, Abschließen usw., usw.)

    6. Reparaturen, Selbstkorrektur
      (16 Mikrofunktionen)

  2. Makrofunktionen sind Kategorien für die funktionale Verwendung gesprochener Rede oder geschriebener Texte, die aus einer (manchmal längeren) Reihe von Sätzen bestehen, z. B.
    • Beschreibung
    • Erzählung
    • Kommentar
    • Erläuterung
    • Auslegung
    • Erklärung
    • Demonstration
    • Anweisung
    • Argumentation
    • Überredung, usw.

  3. Interaktionsschemata

Funktionale Kompetenz umfasst die Kenntnis der Schemata (soziale Interaktionsmuster), die der Kommunikation zugrunde liegen, wie etwa Muster des verbalen Austauschs, sowie die Fähigkeit, diese anzuwenden. Die in Abschnitt 4.4.3 dargestellten interaktiven Kommunikationsaktivitäten involvieren strukturierte Folgen von wechselseitigen Handlungen der Beteiligten. Im einfachsten Fall bilden sie Paare wie:

Frage: Antwort
Aussage: Zustimmung/Ablehnung
Bitte/Angebot/Entschuldigung: Annahme/Ablehnung
Gruß/Trinkspruch: Reaktion

Üblich sind Abfolgen dreier Äußerungen in denen der erste Sprecher die Antwort des Gesprächspartners quittiert oder auf sie reagiert. Zweier- und Dreierfolgen von Äußerungen sind normalerweise in längere Transaktionen und Interaktionen eingebettet. In komplexeren zielgerichteten kooperativen Transaktionen zum Beispiel ist Sprache zum Erreichen folgender Ziele unverzichtbar:

  • eine Arbeitsgruppe bilden und Beziehungen zwischen den Teilnehmenden etablieren;

  • einen gemeinsamen Kenntnisstand in Bezug auf die relevanten Mermale der aktuellen Situation herstellen und zu einer gemeinsamen Interpretation gelangen;

  • feststellen, was geändert werden könnte und sollte;

  • Übereinstimmung über die Ziele erzielen und über die Handlungen, die zum Erreichen dieser Ziele notwendig sind;

  • sich über die Rollenverteilung während des Ausführens der Handlungen einigen;

  • die nötigen praktischen Handlungen durchführen, indem z. B.
    • aufkommende Probleme identifiziert und behandelt werden;
    • Beiträge koordiniert und sequenziert werden;
    • ... die Teilnehmenden einander ermutigen;
    • das Erreichen von Teilzielen festgestellt wird;

  • den endgültigen Abschluss der Aufgabe feststellen;

  • die Transaktion bewerten;

  • die Transaktion vollenden und beenden.

 
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