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STEUERRECHT FÜR BEGINNER

Vom neuen Album „Blast Action Heroes“ der Beginner, das im September 2003 erschien, erwarteten sich viele die Rettung des deutschen Hip Hops, eines derzeit eher vor sich hin siechenden Genres. Doch auch an den zwei Hamburger Rappern und ihrem DJ ist die Wirtschaftskrise nicht spurlos vorüber gegangen. Christoph Koch hat mit ihnen über Deutschland, die Krise und Steuernachzahlungen gesprochen.

von links nach rechts: Mad, Denyo, Eizi (Foto: Denyo)

Auf eurem Album „Flashnizm“ hieß es 1996 „Ich hab’ schon früh gewusst, ich will kein Deutscher sein“. Wie sieht es heute mit eurem Deutschsein aus – habt ihr euch damit arrangiert?
Denyo: Wir haben immer noch Probleme mit dem Deutschsein: Die Spießigkeit, das Ordnungsbewusste, der fehlende Soul und das faschistoide Gedankengut, damit wollen wir nichts zu tun haben.
Mad: Diese komische Auffassung von Spaß, die in Deutschland herrscht.
Eizi: Wir sehen uns nicht als Deutsche, auch wenn wir das auf dem Pass sind, sondern als Hamburger. Es gibt in Hamburg auch viel Deutschland, aber in den Vierteln, in denen wir uns bewegen, ist Deutschland nicht da. Das ist wunderschön dort.

Wie genau äußert sich die Abwesenheit von Deutschland?
Eizi: Im Schanzenviertel, in St. Pauli, Eimsbüttel und Altona gibt es viele Leute, die wissen, dass es nicht um die Statussymbole geht, die dir im Fernsehen gezeigt werden. Die wissen, dass es nicht darum geht, sich ab der 10. Klasse total reinzuhängen, um später einen geilen Studienplatz zu kriegen. Da ist einfach mehr Offenheit, mehr Lockerheit.

Tut es Deutschland mal ganz gut, dass es im Moment ein bisschen schlechter läuft?
Eizi: Musikalisch auf jeden Fall. Gerade der deutschsprachige Hiphop war so Schrott, da kam in der letzten Zeit so viel aufgebläht raus, das musste sich irgendwann selbst zerstören, damit man es wieder neu aufbauen kann.

Und in der Welt außerhalb des Hip Hop?
Eizi: Da kann man das nicht sagen, glaube ich. Dazu sind die Unterschiede zu groß zwischen den Leuten, denen es wirklich dreckig geht und schon immer ging und ein paar Leuten in Designerklamotten, denen es nach wie vor total gut geht.

Was ist momentan das größte Problem in Deutschland?
Denyo: Der fehlende Gemeinschaftssinn. Die Regierenden denken nur noch an sich und ihren eigenen Vorteil und nicht mehr an das Wohlergehen der Gemeinschaft. Aber das ist kein allein deutsches Problem, da muss man sich nur den Bush-Clan anschauen .

Wie könnte sich das bessern?
Eizi: Nur indem es wirklich einmal richtig knallt. Als Bush den Irak bombardiert hat, haben die Menschen auf dem ganzen Planeten plötzlich darüber nachgedacht und hatten Angst beim Einschlafen. Daran merkt man, dass ein einziges Ereignis alle dazu bringen kann, kurz innezuhalten und moralisch zu werden und wieder Gemeinsinn zu entwickeln. Aber als Bush den Irak nach einer Woche besiegt hatte, waren die Gedanken halt auch leider wieder weg. Deswegen muss scheinbar etwas noch Drastischeres passieren, bevor sich wirklich etwas ändert.

Manchmal hat man ja den Eindruck, dass in Deutschland nur noch über ein Thema gesprochen wird: Geld. Wofür gebt ihr euer Geld aus?
Denyo: Ich wollte immer ein Studio haben und den Traum habe ich mir erfüllt, als wir irgendwann Kohle bekamen für unsere Musik. Ansonsten gebe ich gerne Geld für Klamotten und Schuhe aus. Und gutes Essen und Milchkaffee.
Mad: Ich gebe mein Geld für Platten aus, das ist mein Input, mein Grundstoff, mein Rohmaterial. Ansonsten noch für meine Eigentumswohnung und die Steuerrückzahlungen.
Eizi: Ich stecke viel Geld in mein Label Eimsbush. Aber es ist echt nicht mehr besonders viel Kohle da.

Wie kommt das? Euer letztes Album „Bambule“ hat sich sensationell verkauft.
Mad: So smart wir uns auch sonst geben – was diesen Steuerkram angeht, hatten wir echt keinen Plan. Wir haben uns dann an Leute gewandt, von denen wir dachten, die hätten ihn, aber das war dann letztlich auch nicht so. Und plötzlich musst du deine Steuererklärung für die letzten drei Jahre abgeben und fällst hinten über, so viel Kohle wollen die auf einmal von dir haben.

Aber doch nur Geld, das ihr vorher auch irgendwann mal verdient habt, oder? (Plötzlich reden alle drei aufgebracht durcheinander)
Eizi: Klar, aber wenn du das am Anfang nicht weißt und dir fröhlich Platten und Sampler kaufst und nicht mal ’ne Quittung aufbewahrst, dann stehst du irgendwann nach ein paar Jahren echt dumm da.
Mad: Als Angestellter ist das was anderes. Da kriegst du deine 2000 Euro im Monat, und das ist deins. Aber wenn du als Selbstständiger 100000 Euro überwiesen bekommst, denkst du erst mal nicht dran, dass davon eigentlich nur 33 000 dir gehören, der Rest ist Mehrwert- und Einkommenssteuer.
Eizi (lachend): Außerdem haben wir damals im Überschwang noch so schwachsinnige Aktionen gemacht wie Viva-Aktien zu kaufen. Die sind jetzt ungefähr ein Sechzehntel von dem Kurs wert, zu dem wir sie gekauft haben.

Ihr habt wirklich Viva-Aktien gekauft? Das entspricht nicht gerade dem Bild der lässigen Rapper.
Denyo: Ich hatte auch noch welche von ricardo.de, diesem Online-Auktionshaus. Aber noch mal kurz zurück zur Steuer – Musiker oder generell Kreative haben da ja das Problem, dass sie sozusagen saisonabhängig sind. Die haben mal ein gutes Jahr, wo richtig was geht, und werden dann sofort als Großverdiener gesehen und steuermäßig hoch gestuft...
Mad: ...und dann musst du immer diese Vorauszahlungen leisten, die auf diesem einen guten Jahr basieren. Da zahlst du Unsummen, total verrückt! Darauf müsste man die Leute in der Schule echt mal vorbereiten.

Wisst ihr, wie viel Geld ihr gerade in der Tasche habt?
Mad: 20 Euro. Auf dem Konto 3000.
Eizi: In der Tasche gar nix. Auf dem Konto hab ich Minus.