von
links nach rechts: Mad, Denyo, Eizi (Foto: Denyo)
Auf
eurem Album „Flashnizm“ hieß es 1996 „Ich
hab’ schon früh gewusst, ich will kein Deutscher sein“.
Wie sieht es heute mit eurem Deutschsein aus – habt ihr
euch damit
arrangiert?
Denyo: Wir haben immer noch Probleme mit dem
Deutschsein: Die
Spießigkeit, das Ordnungsbewusste, der fehlende Soul
und das faschistoide Gedankengut, damit wollen wir nichts zu tun
haben.
Mad: Diese komische Auffassung von Spaß,
die in Deutschland herrscht.
Eizi: Wir sehen uns nicht als Deutsche, auch
wenn wir das auf dem Pass sind, sondern als Hamburger. Es gibt
in Hamburg
auch viel Deutschland, aber in den Vierteln, in denen wir uns
bewegen, ist Deutschland nicht da. Das ist wunderschön dort.
Wie
genau äußert sich die Abwesenheit von Deutschland?
Eizi: Im Schanzenviertel,
in St.
Pauli, Eimsbüttel
und Altona
gibt es viele Leute, die wissen, dass es nicht um die Statussymbole
geht, die dir im Fernsehen gezeigt werden. Die wissen, dass es
nicht darum geht, sich ab der 10. Klasse total
reinzuhängen, um später einen
geilen Studienplatz zu kriegen. Da ist einfach mehr Offenheit,
mehr Lockerheit.
Tut
es Deutschland mal ganz gut, dass es im Moment ein bisschen schlechter
läuft?
Eizi: Musikalisch auf jeden Fall. Gerade der
deutschsprachige Hiphop war so
Schrott, da kam in der letzten Zeit so viel
aufgebläht raus, das musste sich irgendwann selbst zerstören,
damit man es wieder neu aufbauen kann.
Und
in der Welt außerhalb des Hip Hop?
Eizi: Da kann man das nicht sagen, glaube ich.
Dazu sind die Unterschiede zu groß zwischen den Leuten,
denen es wirklich
dreckig geht und schon immer ging und ein paar Leuten in Designerklamotten,
denen es nach wie vor total gut geht.
Was
ist momentan das größte Problem in Deutschland?
Denyo: Der fehlende Gemeinschaftssinn. Die Regierenden
denken nur noch an sich und ihren eigenen Vorteil und nicht mehr
an das Wohlergehen der Gemeinschaft. Aber das ist kein allein
deutsches Problem, da muss man sich nur den Bush-Clan anschauen
.
Wie
könnte sich das bessern?
Eizi: Nur indem es wirklich einmal richtig knallt.
Als Bush den Irak bombardiert hat, haben die Menschen auf dem
ganzen Planeten plötzlich darüber nachgedacht und hatten
Angst beim Einschlafen. Daran merkt man, dass ein einziges Ereignis
alle dazu bringen kann, kurz innezuhalten und moralisch zu werden
und wieder Gemeinsinn zu entwickeln. Aber als Bush den Irak nach
einer Woche besiegt hatte, waren die Gedanken halt auch leider
wieder weg. Deswegen muss scheinbar etwas noch
Drastischeres passieren, bevor sich wirklich etwas ändert.
Manchmal
hat man ja den Eindruck, dass in Deutschland nur noch über
ein Thema gesprochen wird: Geld. Wofür gebt ihr euer Geld
aus?
Denyo: Ich wollte immer ein Studio haben und
den Traum habe ich mir erfüllt, als wir irgendwann
Kohle bekamen für unsere Musik. Ansonsten gebe ich gerne
Geld für
Klamotten und Schuhe aus. Und gutes Essen und Milchkaffee.
Mad: Ich gebe mein Geld für
Platten aus, das ist mein Input, mein Grundstoff, mein Rohmaterial.
Ansonsten noch für meine
Eigentumswohnung und die Steuerrückzahlungen.
Eizi: Ich stecke viel Geld in mein Label
Eimsbush. Aber es ist echt nicht mehr besonders viel
Kohle da.
Wie
kommt das? Euer letztes Album „Bambule“ hat sich sensationell
verkauft.
Mad: So
smart wir uns auch sonst geben – was diesen
Steuerkram angeht, hatten wir echt
keinen Plan. Wir haben uns dann an Leute gewandt, von denen
wir dachten, die hätten ihn, aber das war dann letztlich
auch nicht so. Und plötzlich musst du deine Steuererklärung
für die letzten drei Jahre abgeben und
fällst hinten über, so viel Kohle wollen die
auf einmal von dir haben.
Aber
doch nur Geld, das ihr vorher auch irgendwann mal verdient habt,
oder? (Plötzlich reden alle drei aufgebracht
durcheinander)
Eizi: Klar, aber wenn du das am Anfang nicht
weißt und dir fröhlich Platten und Sampler kaufst und
nicht mal ’ne Quittung aufbewahrst, dann
stehst du irgendwann nach ein paar Jahren echt
dumm da.
Mad: Als Angestellter ist das was anderes. Da
kriegst du deine 2000 Euro im Monat, und das ist deins. Aber wenn
du als Selbstständiger 100000 Euro überwiesen bekommst,
denkst du erst mal nicht dran, dass davon eigentlich nur 33 000
dir gehören, der Rest ist Mehrwert- und Einkommenssteuer.
Eizi (lachend): Außerdem haben
wir damals
im Überschwang noch so schwachsinnige Aktionen gemacht
wie Viva-Aktien
zu kaufen. Die sind jetzt ungefähr ein Sechzehntel von dem
Kurs wert, zu dem wir sie gekauft haben.
Ihr
habt wirklich Viva-Aktien gekauft? Das entspricht nicht gerade
dem Bild der
lässigen Rapper.
Denyo: Ich hatte auch noch welche von ricardo.de,
diesem Online-Auktionshaus. Aber noch mal kurz zurück zur
Steuer – Musiker oder generell Kreative haben da ja das
Problem, dass sie sozusagen saisonabhängig sind. Die haben
mal ein gutes Jahr, wo richtig was geht, und werden dann sofort
als Großverdiener gesehen und steuermäßig hoch
gestuft...
Mad: ...und dann musst du immer diese Vorauszahlungen
leisten, die auf diesem einen guten Jahr basieren. Da zahlst du
Unsummen, total verrückt! Darauf müsste man die
Leute in der Schule echt mal vorbereiten.
Wisst
ihr, wie viel Geld ihr gerade in der Tasche habt?
Mad: 20 Euro. Auf dem Konto 3000.
Eizi: In der Tasche gar
nix. Auf dem Konto hab ich Minus.