Yo Augenblick, verweile doch!


Aufgabe nach dem Lesen

Lies den Text nochmal und entscheide, wie die Autorin des Textes die folgenden Fragen beurteilt: positiv oder negativ!

Reclam hat Rap-Texte für den Unterricht herausgebracht. Werden bald Klausuren über Moses P. und Fanta Vier geschrieben?

Gelb ist oft Farbe unserer Pein. Nicht postgelb, obwohl Heinz-Harald Frentzen im postgesponserten Flitzer selten siegte, auch nicht ampelgelb, obwohl es zum Horror jeder Fahrstunde gehört - sondern reclamgelb, Farbe aller Reclam-Hefte und sicheres Zeichen für 45 Minuten absoluter Langeweile.
Dabei bleibt klarzustellen: Wir mögen Literatur. Und das Gerede vom jugendlichen, videospielenden Analphabeten ist schlicht Schwachsinn. Gerne leiden wir mit haltlosen Helden, ob nun in Benjamin Leberts "Crazy" oder Goethes "Faust". Ungern leiden wir jedoch an Deutsch-Lehrern, die bisweilen jedes noch so schöne Buch kaputtbesprechen. Ihr liebstes Handwerkszeug bei dieser Übung: das Reclam-Heft. Der Reclam-Verlag hat jetzt ein ungewöhnliches Büchlein herausgebracht, vielleicht um nachfolgende Schülergenerationen mit sich zu versöhnen: Es ist nicht gelb, sondern türkis und enthält nicht Brecht oder Fontane, sondern deutsche Rap-Texte, verfasst von Autoren wie Cora E., dem Rödelheim Hartheim Projekt oder Fettes Brot. Sturm und Drang der Jugend einmal nicht anhand von Schillers "Räubern". Die "Rap-Texte", herausgegeben von Sascha Verlan, bieten dank der guten Textauswahl einen Überblick über die HipHop-Bewegung in Deutschland und den Rap als deren künstlerische Ausdrucksform. Außerdem enthält das Buch eine kluge, essayistische Einführung. Und warum sollte man nicht lernen, was Alliterationen sind anhand von "mcfly", einem Rap der Absoluten Beginner? Warum keinen Jambus markieren in den Zeilen von Advanced Chemistrys "An das Publikum": "Aus lauter angst, man könnte/ über dich hetzen/ zeigen die medien/ was dir gefällt"? Einziges Problem der Unterrichts-Texte: Schüler könnten mehr Hintergrundwissen über das Metier haben, als ein Lehrer sich aus einem Reclam-Heft zusammenzulesen vermag.

Text: Christine Koischwitz