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Wir sind die Geduldeten:
Drei Flüchtlinge über den Alltag des Wartens


Soumaila Savadogu, 20, geht in Cottbus zur Schule



Foto: www.bigfoto.com

Nächstes Jahr mache ich Abitur in Physik und Mathe. Meine Noten sind gut. Die Schule ist das Einzige, was ich machen kann. Klar hätte ich gerne einen Job, doch so lange mein Asylverfahren läuft, bekomme ich keine Arbeitserlaubnis.

Seit vier Jahren lebe ich jetzt in Deutschland. Burkina Faso ist offiziell eine Demokratie. Doch in Wirklichkeit sind seit den 80er Jahren dieselben korrupten Männer an der Macht. Ich wollte das ändern und trat in eine oppositionelle Schülerorganisation ein. Die Repressionen waren hart: Einige meiner Mitschüler wurden verschleppt und sind nie wieder aufgetaucht. Mich haben sie zweimal verhaftet, beim zweiten Mal hatte ich Glück und konnte gemeinsam mit einem Freund abhauen. Danach war klar, dass wir nicht bleiben können, also sind wir über Ghana nach Deutschland geflüchtet. Seitdem habe ich keinerlei Kontakt mehr zu meiner Familie. Ich weiß nicht einmal wo sie ist. Sicher ist nur, dass meine Flucht sie in Gefahr gebracht hat.

Seit ich hier lebe, engagiere ich mich für ein besseres Bleiberecht. Ich bin Vorsitzender im Flüchtlingsverein. Vor kurzem haben wir in Brandenburg erreicht, dass auch Geduldete an Unis studieren können. Allerdings bedeutet das Studium – im Gegensatz zu einem Ausbildungsplatz – keinen Schutz vor Abschiebung. Wir haben keinen Anspruch auf Bafög, bekommen aber die Sozialhilfe unter dem Asylleistungsgesetz nicht mehr. Arbeiten dürfen wir auch nicht. Wovon also sollen wir leben? Ich hatte große Hoffnungen auf die Bleiberechtsregelung gesetzt. Doch wenn ich mir die Ausschlusskriterien ansehe, weiß ich, das wird nichts.

Ehrlich gesagt macht es krank, wenn man versucht sich in Deutschland zurecht zu finden und ständig gegen neue Barrieren der Behörden läuft. Ich habe jeden Tag Angst, dass mein Asylantrag endgültig abgelehnt wird. Es sieht nicht gut aus, soviel weiß ich. Mit dieser Unsicherheit im Nacken ist es oft schwer, sich auf die Schule zu konzentrieren: Wozu soll ich lernen, wenn die mich eh abschieben? Was mache ich mit meinem Mathe-Abi in der Hölle?

 


 

Aufgabe während des Lesens - Komposita

In der deutschen Sprache gibt es sehr viele zusammengesetzte Wörter (man nennt sie "Komposita"), die aus zwei oder mehr Wörtern bestehen. Um die Bedeutung unbekannter Zusammensetzungen zu verstehen, hilft es oft, sie in ihre Bestandteile zu zerlegen.

Beispiele aus der Einleitung zum Text

(Zur Wiederholung ein bisschen Grammatik)

Aufgabe:

Lies nun den Text. Während du liest, überlege dir, was folgende (im Text fett markierte) Komposita bedeuten könnten:

die Arbeitserlaubnis
der Flüchtlingsverein
die Ausschlusskriterien
der Asylantrag

Zerlege dazu die Komposita in ihre Bestandteile und versuche so und mit Hilfe des Kontextes, ihre Bedeutung zu erschließen!

zum Text

Schreibe deine Lösung auf ein Blatt Papier, in ein Word-Dokument oder nutze diesen Kasten als Notizfeld. Vergleiche dann deine Ideen mit unserer Lösung.

Lösung

Du kannst nun ein weiteres Portrait lesen oder zur Aufgabe nach dem Lesen gehen.