Mama mia! - Teil 2
Vermisst
ihr eure Vergangenheit?
Franzi (nickt): Es ist dieses
Flexibel-Sein, das ich vermisse. Einfach nur shoppen und durch die
Stadt laufen, ohne zu fragen: „Luca, magst
'was trinken, Luca, magst 'was essen?“ Ich kann mich nicht
einfach mal gehen
lassen. Mindestens einmal am Tag muss er raus, sonst kriegt
der 'ne Krise. Ob es regnet, stürmt oder schneit: Raus!
Und… (Luca taucht in dem Moment hinter Franzis Stuhl auf)
Luca, magst du 'was trinken?

Wolltet
ihr abtreiben?
Sarah: Ja. Aber ich habe erst
Ende des dritten Monats erfahren, dass ich schwanger bin. Gleich
auf dem ersten Ultraschallbild
habe ich die Hände und Füße gesehen. Sonst hätte
ich’s abtreiben lassen. Aber … zu spät!
Franzi: Ich habe schon nachgedacht.
Hast
du mit deinem Freund darüber geredet?
Franzi: Wir haben zusammen in
einem Heim für Jugendliche gewohnt. Er ist in mein Zimmer gekommen
und meinte: „Und?“ Und ich: „Verdammte
Scheiße, ich bin schwanger!“ Er darauf: „Boah, toll!“
Und ich habe nur gesagt: "Halt's
Maul!" und habe die Tür zugemacht. Ich war da schon ziemlich
entschlossen, abzutreiben. Dann hat meine Mama gesagt, ich müsse
erst zu pro
familia . Als ich hier war, habe ich über alles
nochmal nachgedacht.
Wenn ich es sofort, nachdem ich es erfahren hatte, im nächsten
Zimmer hätte wegmachen können, dann hätte ich es
bestimmt gemacht. Ich war ja auch zufrieden mit meinem Leben. Ich
habe Freunde gehabt, ich war nächtelang weg. Und dann auf einmal:
DU BIST SCHWANGER! Das ist wie ein
Schlag
ins Gesicht.
Habt
ihr den Eindruck, dass immer mehr Teenager, gerade an der Hauptschule
schwanger werden? Es heißt sogar, dass ein Kind für manche
der Ersatz für eine fehlende berufliche Perspektive ist.
Claudia:
Ich denke, dass das stimmt.
Franzi: Immer mehr junge Mütter denken:
Ich
habe keinen Bock, 'was zu tun. Schule ist eh
scheiße, Abschluss schaffe ich eh nicht – mach’
ich halt
ein Kind.
Elke Gropper: Gut, wir hatten hier auch
15-Jährige von der Hauptschule. Und sicher gibt es Studien,
die Tendenzen aufzeigen. Aber ich arbeite nun seit drei Jahren mit
jugendlichen Müttern und jede Einzelne hat eine ganz eigene
Geschichte. Daraus einen allgemeingültigen Schluss zu ziehen,
ist schwierig.
Was
ist das Schöne am Mutter-Sein?
Claudia:
Dass ich jetzt schon weiß, dass mein Leben nicht ganz umsonst
gewesen sein wird. Und dass ich die Entscheidung jetzt nicht mehr
treffen muss, wann ich ein Kind kriege! Eine Freundin meinte, als
sie von der Schwangerschaft erfuhr: „Aber du weißt doch
gar nicht, ob du den Mann für immer liebst!“ Ich glaube,
die Frage kann man nie beantworten.
Franzi,
was ist für dich das Schöne?
Franzi (überlegt lange): Jaaa …
zu sehen, wie er aufwächst, wenn er sagt „Mama“
und – ich bin nicht so allein.
Du
klingst mitgenommen.
Franzi (leise): Ja.
Elke Gropper: Man muss aber sagen, dass
du gerade aus einer Phase kommst, in der dir drei Tage kotze-elend
war und du mit Luca alleine warst. An anderen Tagen kommst du hier
rein und strahlst und findest es toll, Mutter zu sein.
Franzi: Ja, aber manchmal gibt es Tage,
da schmeißt
er die Zahnbürste ins Klo, dann geht er wieder raus und räumt
den kompletten Kühlschrank aus und schüttet die Sahne
im ganzen Zimmer rum. Und wenn das dann mehrmals am Tag passiert,
wird man echt … aargh!
Wie
wohnst du im Moment?
Franzi: Allein. Mit ihm.
Angie: Das ist aber auch sauschwierig.
Es ist schon echt
gut, wenn man seine Eltern in der Nähe hat.
Franzi: Ja, dass sie nur einen Moment
aufpassen, nur fünf Minuten!
Ist
Mutter-Sein ein Beruf?
Claudia: Hm. Ja und Nein. Ich
finde es körperlich nicht so anstrengend. Es geht halt nur
auf die Nerven.
Franzi:
Es wird erst schlimm, wenn ich keinen Schlaf mehr bekomme oder wenn
ich, was selten vorkommt, lange weggehen kann. Dann komme ich heim
und denke: „Oh scheiße, Franzi: Zwei Stunden hast Du
noch! (Gelächter) Dann wacht er wieder auf. (Pause)
Und das ist schon auch sehr schön."
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