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DER GRÜNE DAUMEN
GEGENSTAND DER
WOCHE: DER BLATTWENDER
Es gibt ihn seit Anfang des Jahrhunderts und Tausende von Briefsortierern
stecken ihn sich frühmorgens auf die Fingerkuppe: den grünen Gummidaumen.
Mit dem elastischen Fingerhut aus umweltfreundlichem Naturkautschuk können
Postangestellte die rund 65 Millionen Karten, Briefe und Päckchen, die
täglich in Deutschland verschickt werden, noch schneller sortieren, ohne
dabei ihre zarte Fingerkuppenhaut zu ruinieren. Offiziell heißt der grüne
Daumen Blattwender, und ohne ihn wäre beim Briefesortieren ein unhygienisches
Ablecken des Daumens notwendig. Es gibt ihn in fünf verschiedenen Größen,
und er ist ziemlich billig: 100 Stück kosten nur 26 Mark. Trotzdem geht
die Epoche des grünen Gummidaumens ihrem Ende entgegen: Mit ihrem Konzept
"Brief 2000" reformiert die Post
das Verteilsystem. Künftig werden nur noch ein Viertel aller Briefe per
Hand sortiert, der Rest wird maschinell verteilt. In
Deutschland gibt es nur eine Firma, die die Fingerlinge herstellt. Sie
liefert den grünen Daumen an Post, Banken und Verwaltungsstellen - und
vor allem nach Japan. Anscheinend ersticken die Japaner in Papierbergen,
die Nachfrage nach deutschen Blattwendern ist riesig. Die Farbe Dunkelgrün
- in Deutschland Standard - gefällt den Japanern allerdings weniger: Neonrosa
Fingerlinge sind dort ein Verkaufsschlager, in U-Bahnhöfen wird auf riesigen
Plakaten für sie geworben. Wer sich hier zu Lande für zuhause einen Blattwender leisten möchte, wird in gut sortierten Schreibwarenläden
fündig
, muss dort allerdings etwa 1,50 Mark bezahlen. Bleibt nur eine Frage:
Warum ist der grüne Daumen grün? Die Antwort, postwendend: "Grün
ist die Hoffnung - bald sind alle Briefe verteilt und dann ist Feierabend."
EVA STANGE
Text
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