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RECHTSCHREIBUNG
Seit dem 1. August 1998 gelten die
neuen Rechtschreibregeln. Bis zum Jahr 2005 ist noch Zeit,
sich umzustellen, dann muss endgültig "Schifffahrt" und "dass"
geschrieben werden. Hier erzählt Guido Hofmann, achte Klasse des Münchner
Pestalozzi-Gymnasiums, was er von den neuen Regeln und ihren Feinden hält.
"In der sechsten Klasse haben wir ein paar Blätter von unserem Deutschlehrer
bekommen, da stand drauf, was sich alles ändern soll: ,Daß' nur noch mit
Doppel-S, die Anreden im Brief nicht mehr groß und solche Sachen. Dann
sagte der Lehrer noch, wie blöd er diese Reform fände, dass die alte Rechtschreibung
doch ganz in Ordnung war und dass die Leute, die die alten Regeln nicht
beherrschen, auch in Zukunft Fehler machen werden. Wieso also eine Reform,
wenn manche es sowieso nie lernen? Ein bisschen Mitleid hatte ich da schon
mit meinem Lehrer, schließlich muss er jetzt doppelt korrigieren: Die
Fehler, die ich sowieso in meinen Aufsätzen mache und zudem noch die alte
Schreibweise - die muss nämlich auch angestrichen werden, auch wenn sie
als Fehler nicht zählt.
Im Prinzip habe ich nichts gegen die Rechtschreibreform. Ich denke, dass
viele Neuerungen nicht nur Erstklässlern beim Schreibenlernen helfen,
sondern selbst mir noch einiges einfacher machen. Die neuen Kommaregeln
zum Beispiel. Mit Kommas hatte ich ohnehin schon immer Probleme. Wann
musste man vor einem ,Und' eins setzen und wann nicht? Das habe ich nie
verstanden! Oder dass man Angst haben und Recht haben jetzt beides groß
schreibt. Vorher gab es einfach so verdammt viele Sonderfälle - wer konnte
sich die schon alle merken?
Was ich aber nicht verstehe, ist, dass man einige Worte mit griechischem
Ursprung jetzt vereinfachen kann: Fantasie zum Beispiel. Wie schaut denn
das aus! Noch schreibe ich nicht alles in neuer Form, ein paar Jahre haben
wir ja noch zum Üben. Ich finde es aber in Ordnung, wenn manche in meiner
Klasse jetzt schon alles neu schreiben.
Wenn mir ein Mädchen einen Liebesbrief in neuer Rechtschreibung schreiben
würde, würde mir das wahrscheinlich nicht einmal auffallen - und wenn
doch, wäre es mir egal. Was zählt ist der Inhalt. Ist das Mädchen süß,
dann interessiert es mich nicht, ob sie neu oder alt schreibt, von mir
aus auch falsch! Ich will ja auch nicht, dass man mich danach beurteilt,
wie ich schreibe, sondern was.
Nicht ganz verstehe ich die Reformgegner. Meiner Meinung nach sind die
einfach zu faul umzulernen, geht mir selber auch so, verstehe ich. Aber
die sollten es wenigstens offen zugeben und nicht mit Scheinargumenten
kommen. Wie das Ehepaar aus Saarheim, das behauptet, man würde ihnen ihre
Tochter entfremden, nur weil die eine andere Schriftsprache lernt. Manche
sagen auch, man würde mit der neuen Rechtschreibung die Sprache zerstören:
Totaler Blödsinn. Am Inhalt ändert sich doch nichts, wenn ich "Känguruh"
ohne H schreibe. Außerdem: Warum waren die so sauer und haben damals protestiert
- jetzt aber, seit die neuen Regeln
gelten, hört man gar nichts mehr von denen? Das macht alles doch total
unglaubwürdig. Wer kam überhaupt auf die Idee mit der Rechtschreibreform?
Ich weiß es echt nicht. Ich stelle mir da immer ein paar Politiker vor,
die sitzen an einem großen, runden Tisch und beschließen einfach so: "Jetzt
reformieren wir mal die Rechtschreibung."
PROTOKOLL: SHOSHANA PETERS
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