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DER FLITTER
GEGENSTAND
DER WOCHE: DIE PAILLETTE.
Für sich alleine ist sie nur ein unspektakuläres Metallplättchen mit einem
winzigen Loch in der Mitte. Doch wenn viele zusammenkommen, glitzern und
funkeln sie um die Wette. Ihre Glanzzeit hatten die Pailletten in den
Zwanzigern, als Tausende von französischen Pailletten- und Perlenstickerinnen
die Charleston-Kleider mit ihnen verzierten. Die Stickerinnen mit ihren
so genannten Feenfingern wurden durch ihre Kunstwerke so bekannt,
dass sich zum Beispiel die belgische Königin Fabiola 1960 ihren Brautschleier,
besetzt mit Tausenden von Pailletten, von ihnen anfertigen ließ. Glitzernder
Brautschmuck gilt nämlich schon seit dem 18. Jahrhundert als Glücksbringer;
Pailletten hießen damals in Deutschland Flitter, was das Wort Flitterwochen
erklärt. Paillette bedeutet eigentlich so viel wie "kleines Stroh",
denn im Mittelalter wurden die Glitzerstückchen aus dünnen, hohlen Grashalmen
angefertigt. Im Rokoko plättete man dann schon winzige Ringe aus
Gold und Silber. Das wäre heute viel zu teuer. Deshalb stanzt man Pailletten
aus lackierten oder metallisierten PVC-Folien - in Form von kleinen Zähnen,
Monden und Tannenzapfen oder einfach ganz rund. Lange Zeit konnte
man mit Pailletten nur im Fasching glänzen oder auf Tanzkursabschlussbällen,
ohne sich zu blamieren. Doch in diesem Frühling werden Pailletten alltagstauglich:
Modische Mädchen tragen sie an T-Shirt-Ausschnitten, Hosenbeinsäumen und
auf Halstüchern. Besonders gefragt sind schillernde oder transparente
Pailletten, die sich der Farbe des Stoffes anpassen. Und goldenes oder
silbernes Gefunkel auf Schuhen wird dann im Sommer für glanzvolle
Auftritte sorgen - allerdings nur so lange, bis eines der Metallplättchen
verlorengeht. Denn auch, wenn eine Paillette alleine nicht viel hermacht:
der schöne Schein ist weg, wenn nur eine einzige fehlt.
JOSEFINE KÖHN
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