Lothar Matthäus war mal wieder sehr
bescheiden: "Die biologische Uhr tickt, und geht auch an mir nicht
vorbei", verkündete der 37-jährige Libero des FC Bayern München im
November, nachdem die Frage aufgekommen war, ob er für das schnelle Ballspiel
nicht doch schon ein wenig zu langsam sei.
Seine Ausrede mit der biologischen
Uhr ist zwar ganz lustig, womöglich aber nicht mehr lange haltbar. Denn
schon bald könnte das Ende des Alterns kommen: Im August züchteten amerikanische
Altersforscher schon Würmer heran, die wegen eines genetischen Unterschiedes
fünfmal älter werden als ihre Artgenossen. Noch aufregender aber die Meldung,
die fast zeitgleich mit der Halbwertszeitdebatte des Bayern-Liberos aufkam:
In der italienischen Stadt Lucca war den Ärzten eine Frau aufgefallen,
die scheinbar nicht altert. Die 46-jährige Elena C. hat die faltenfreie
Haut einer 20-jährigen, dazu außergewöhlich gute Blutwerte und unerklärlich
junge Hautzellen. "Trägt sie den Schlüssel zur ewigen Jugend in sich?"
fragten sich die Mediziner und wichen der armen Elena seitdem nicht mehr
von der Seite. Vielleicht hoffen sie ja, dass ihnen der entscheidende
Schritt bei der Verwirklichung eines uralten Wunschtraums gelungen ist: der Verlängerung
des Lebens, der Perfektionierung des Menschen.
Mehrere Schritte in die
gleiche Richtung wurden dieses Jahr gemacht: Die Anti-Fett-Pille Xenical kam auf den Markt und war wegen ihrer Wirkung sofort vergriffen; Propecia,
ein Mittel gegen Haarausfall erwies sich im Massentest als erfolgreich;
auch Viagra gegen Impotenz zeigte sofort Wirkung. Und in der Medizin macht
sich nun langsam das Gefühl breit, das wir in der Technik schon länger
haben: Irgendwann und irgendwie geht alles.
Es mag auf den ersten Blick
ja noch ganz verlockend klingen, die Jugend zu konservieren - auch wenn
es dringlichere medizinische Probleme gibt, vor allem Aids und Krebs.
Im Grunde genommen aber ist der alte Wunsch, der Jugend das Privileg des
Jungseins zu nehmen, eine ziemliche Frechheit. Was wäre das für eine Welt,
in der dank des entschärften Altersgens Lothar Matthäus auch noch die
nächsten 75 Jahre als Libero der Nationalmannschaft spielen könnte, und
Andi Möller womöglich ebenso lang als Talent durchgehen würde. Bei aller
Furcht vor dem eigenen Haarausfall und Altersschwachsinn: Die Ewigkeit
wollen wir dann lieber doch nicht riskieren.