| dämmerzustand
Abends liege ich so gegen
elf wieder im Bett und
dresche mir noch ein bisschen Stoff für den nächsten Tag
rein. Biologie: Ich könnte am
Stock gehen. Was soll's, ohne Schlaf wird man nervös und gereizt.
Ich knipse das Licht aus, lausche kurz dem Wind, der wie der Ozean
an meinem Fenster vorbeifließt und mich mit ihm wegträgt auf die
Berge und in die Täler meiner Kindheit, in die Traumwelten von der
großen Liebe und dem großen Glück. Plötzlich befinde ich mich wieder
im Matheunterricht und die Zahlen schreien mich von der weit entfernten
Tafel her an, aber so sehr ich mich auch dazu zwinge, ich kann sie
nicht hören, denn sie sind ohne Bedeutung für mich.
Ich blicke aus dem Fenster des Klassenzimmers und möchte viel lieber
das Leben kennen lernen und die Liebe. Mein Blick wandert zu einem
Vogel, der - frei von allen Ketten - laut schreiend die Erde umkreist
und vielleicht den Himmel.
Dann erwache ich wieder aus dem leichten Dämmerzustand, irgendwo
zwischen Schlafen und Wachen. Mir ist schrecklich warm und ich trinke
etwas. Dabei geht mir die letzte Melodie des Tages durch den Kopf:
"Need a little time to wake up, wake up." Seltsam, dass
ich jetzt ans Aufstehen denken muss. Dabei bin ich so froh, endlich
schlafen zu können. Mal von hier wegkommen. An nichts denken müssen.
Aber Herrgott, es ist seltsam: So sehr ich mich auch anstrenge -
ich brauche immer länger, um einzuschlafen.
Klaus-Gregor Eichhorn, 17, Chemnitz |
| gute nacht
"Ja, Papa, morgen wieder zur selben Zeit wecken. Ja, Mama, ich hab'
meine Hausaufgaben gemacht (Denkste!). Nein, morgen bin ich nicht
zum Essen da, ich habe wie jeden Donnerstag Nachmittag Kunst. Gute
Nacht!"
Raus! Wie alt bin ich denn? Auch egal, die meinen's ja nur gut.
Rut Wenker, 19, Hof/Saale |