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Schulgeschichten
[schule, was dann?]

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12 regeln für das haifischbecken
Liebe
Abiturientinnen und Abiturienten, liebe Eltern und Schüler, liebes
Lehrerkollegium, sehr geehrter Herr Andersen: Um in diesem Haifischbecken
zwischen Lehrerzimmer und Klassenraum erfolgreich zu überleben,
ohne viel Aufwand zu betreiben, ist die Kenntnis der eigenen Persönlichkeitsstruktur
und das Wissen um einige Grundregeln ein absolutes Muss. Nach neun
Jahren am Christianeum bin ich zu folgenden Ergebnissen gekommen:
-
Suche dir ein möglichst erfolgversprechendes und repräsentatives
Hobby wie z.B. eine Band, eine Zeitung oder ein Schauspielprojekt.
Wann immer dich die Lehrer mit ihren Forderungen belästigen,
schaue genervt in den Himmel, murmele: "Wenn Sie wüssten,
was ich für einen Stress hatte gestern Nacht bei der Bandprobe!"
Gib den Lehrern so das Gefühl, sich für ihre profanen Forderungen
wie Hausaufgaben schämen zu müssen. Das Hobby darf nicht imaginär
sein, hin und wieder müssen Ergebnisse dieser Arbeit präsentiert
werden.
- Erfinde
ein langwieriges Leiden und/oder familiäre Probleme.
- Wähle
einen der beiden Oberstufenkoordinatoren als Tutor. Sind dir
regelmäßige Tutoren-Treffen zu anstrengend, mache mindestens
einen von ihnen zu deinem besten Freund.
- Sorge
für eine starke Lobby
im Lehrerzimmer. Im Klartext: Verdirb es dir nicht mit allen
Lehrern gleichzeitig.
- Bedingungsloses
Schleimen
wirkt sich oft negativ auf die Geberlaune der Lehrer aus. Das
richtige Quantum an zickigen
Frechheiten lässt kleine Nettigkeiten gleich viel ehrlicher
wirken.
- Sorge
dafür, dass Gruppengeschenke immer von dir übergeben werden.
- Du
brauchst nicht immer zur Schule zu kommen. Viel wichtiger ist,
auf dich aufmerksam zu machen, wenn du mal da bist.
- Ein
Lächeln kostet nichts.
- Hole
immer die Kreide und wische unaufgefordert die Tafel. Das macht
zwar keinen Spaß, lässt dich aber gleich viel netter aussehen.
- Ein
freiwilliges Referat wirkt Wunder: Es entbindet dich praktisch
von allen weiteren Hausaufgaben und kann bei der Notenbesprechung
intensiv ausgeweidet werden.
- Denk
dran: Zehn Punkte sind fast immer drin. Schäme dich nicht, bei
der Notenbesprechung zu brüllen, zu keifen oder in Tränen auszubrechen.
Habe keine falsche Scham, die Leistungen deiner Mitschüler in
den Dreck zu ziehen. Sätze wie "Wenn der-und-der mündlich
zehn Punkte kriegt, habe ich ja wohl mindestens zwölf verdient"
sind in Ordnung. Vielleicht trifft das nicht auf die ungeteilte
Gegenliebe deiner Mitschüler, aber vergiss niemals: Die beruhigen
sich schon wieder und wahre Freunde sehen über so etwas hinweg.
Deine Note hingegen zählt im Abitur.
- Man
kann nie genügend Elternteile im Elternrat haben.
Doch all diese Bemühungen sind völlig umsonst, ja
geradezu katastrophal, wenn sie nicht mit dem erforderlichen Nachdruck
vorgetragen werden. Es ist wichtig zu wissen, wie weit man gehen
darf und wann man seine Forderungen einstellen muss. Beherrscht
man die Fähigkeit des Punkte-Schnorrens
in all seinen facettenreichen Möglichkeiten, dann ist das ein erfolgversprechender
Einstieg in die Spaß- und Leistungsgesellschaft, in der wir leben.
Henriette
Kurth, 21, Berlin |
| grosse freiheit?
Mittwoch,
28. April. Wir haben heute unsere Anmeldung zum Colloquium abgegeben
und unsere Kursbögen, den Zeugnisersatz, bekommen. Ich bin nicht
die Allerschlechteste, aber alle meine Freunde sind besser. Ich
war nie auf gute Noten versessen, es ist halt einfach so gelaufen.
Mein Bruder hat mir das vor der Zwölften noch prophezeit, dass ich
sehr bald auch ein Rechenknecht sein würde, der um jeden einzelnen
Punkt feilscht und kein anderes Thema mehr kennt. Wie recht er gehabt
hat! Wen ich auch treffe aus der K13 - alle haben Angst, zu schlecht
zu sein, sich den Schnitt zu versauen oder ihren Studienplatz nicht
zu bekommen. Dabei ist es doch eigentlich so egal! Es ist Frühling,
verdammt perfektes Wetter, um an den See zu fahren. Ich verstehe
mich prächtig mit meinen Leuten. Und ich spiele an der Schauburg
Theater - Juchuuu!!! Aber wir: Wir sitzen zu Hause, mit den Köpfen
gebeugt über unseren Büchern und lernen den Zitronenzyklus und die
modernen Gotteskritiker. Ach, das Reli-Abi. Davon kann ich allen
nachfolgenden Schülergenerationen wirklich nur abraten, zumindest
den Katholen.
Es ist einfach zu irr, was man da auswendig lernen muss. Die meisten
Begriffe, die die verwenden, existieren, glaube ich, gar nicht.
Außerdem: Wen interessiert der Papst? Ich bin Generation Party,
die Wurstgeneration, mich
juckt es einfach nicht, was in der Welt um mich herum passiert.
Ich
vermisse die Schule jetzt schon. Meine Stimmung schwankt von Tag
zu Tag. Einmal denke ich, wenn ich schon so weit gekommen bin, muss
es auch gut weiterlaufen. Und dann wieder: So wird das nie was.
Abi, und was dann? Große Freiheit? Alle diese wichtigen Punkte:
die zweite Fremdsprache (Französisch bei Frau Kammer-Ruf), Chemie
(in der 12. meine erste Sechs); und die Klassenfahrt nach Israel,
die wohl schönste Zeit meines Lebens; endlich selber mit dem Auto
fahren, meine Unterschrift zählt. Inzwischen sehe ich das Ganze
so: Ich beherrsche selbst die einfachsten französischen Sätze nicht
mehr, was will ich mit dem blöden Chemiewissen, Benzin ist scheißteuer
- und wenn du 18 bist und selbstverantwortlich, musst du dich um
jeden Scheiß selbst kümmern. - Heute wieder nur drei Stunden. Eine
Charakteristik geschrieben (von Nadine), vier Zigaretten geraucht
(Lucky Strike), kaum was gelernt, in der Sonne gesessen und Panik
bekommen, richtige Panik. Ich bin gegen die Abschaffung des 13.
Schuljahres, weil ich die Entspanntheit der letzten zwei Jahre auf
keinen Fall tauschen möchte gegen ein Jahr früher arbeiten gehen
können. Aber es zieht sich, die Absitzerei von Wochentagen.
Julia
Plajer, 18, Dachau |
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