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Schulgeschichten

[verdammt früh]

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6:45

Zum Abschied gibt dir Joschka Fischer vom Fahrersitz des Polizeiautos aus die Hand. Als er hinter dem Kettenkarussell verschwindet, ertönt die Sirene. Dein linker Arm plumpst über die Bettkante auf den kalten Boden. Nochmal ein Piepen - Joschka, ich will meine Ruhe haben! Plötzlich wird es ruhig. Deine linke Hand liegt schwer auf einem glatten Würfel. Oh nein. Jetzt erst dämmert dir, dass der Wecker geklingelt hat. Zeit aufzustehen. Mühsam formt sich etwas wie ein Gedanke in deinem eigentlich noch schlafenden Gehirn: Scheiße. Es geht nicht. Es geht einfach nicht. Benommen, taub und blind liegst du unter der großen warmen Decke und fragst dich, wie du das schaffen sollst. Willst nichts als schlafen. Noch drei Atemzüge... Irgendwann erinnert dich das bisschen Bewusstsein, das du zu dieser Nachtzeit noch hast, an deine - es muss gehen - Pflicht. Du drehst dich auf den Rücken und stößt dabei mit der Hand, die gerade noch auf der Erde lag, eine offene Wasserflasche um. Hörst, wie sie sich schäumend ausleert. Und denkst an den Kram, der neben deinem Bett liegt - Kassettenhüllen, lose Blätter, leere Jogurtbecher, Bücher - alles das wird jetzt wahrscheinlich von Mineralwasser durchtränkt. Egal. Langsam, sehr langsam werden deine Gedanken weniger milchig. So, jetzt aber! Du musst. Du kannst deine verquollenen Augen gerade zu einem kleinen Schlitz öffnen und tastest mit ihnen misstrauisch die Umgebung ab, bevor du dir einen halbherzigen Ruck gibst und dich aufrichtest - du wirst selbst nie herauskriegen, wie du das jeden Morgen schaffst. Das Parkett ist ekelhaft kalt unter deinen Füßen. Aber du darfst jetzt nicht zurück. Selbst das fahlgraue Gesicht, das da versucht, dir mit zugeschwollenen Augen aus dem Spiegel entgegenzuschauen, holt deinen Adrenalinspiegel nicht aus dem Keller. Auf dem Weg zum Kleiderschrank schließen sich deine Augen wieder. Ah! Schmerz! Stechen! Wie kann man sich so sehr wehtun, wenn man mit dem kleinen Zeh gegen ein Schreibtischbein stößt? Stöhnen. Die Schmerzen verdammen wundersam schnell den zähen Schleim aus deinem Gehirn, bis du fähig bist, einigermaßen klar zu denken. Der schlimmste Moment des Morgens ist überstanden. Der Tag kann kommen...

Friederike Knüpling, 18, Bonn

schlauer als bob

Tell me why I don't like mondays - so hat Bob Geldof mal gesungen. Im Gegensatz zu Bob weiß ich, warum ich Montage nicht mag. Ich habe neun harte Stunden. Wenn der Montag um ist, habe ich das Gefühl, die halbe Woche sei vorbei.

Tobias Soffner, 18, Moringen

Bildfrühstück bei anna

Anna hat mal wieder verschlafen. Im Schlafanzug macht sie die Tür auf, ohne Brille, in alle Himmelsrichtungen stehen ihre Locken. "Komm doch schnell rein", sagt sie und winkt mich ins Haus. "Meine Mutter bringt uns zur Schule." Sie bringt mich in die Küche und verschwindet dann nach oben. "Dauert nicht lange", ruft sie. Ich nehme am Frühstückstisch Platz. Mir gegenüber sitzt Annas kleiner Bruder und löffelt Cornflakes in sich hinein. Beinahe hängt er mit der Nase in der Milchschüssel, so weit vornübergebeugt sitzt er da. An seiner Backe klebt ein bisschen hellblaue Zahnpasta. Am Kopfende des Tisches sitzt Annas Vater. Er hat etwa zehn Scheiben Brot vor sich ausgebreitet, ordentlich liegen sie auf einem Holzbrett nebeneinander. Mit der Butter geht es los. Sehr sorgfältig bestreicht er Schnitte für Schnitte. Er scheint ganz in seine Tätigkeit versunken zu sein, ich fühle mich etwas verloren am fremden Frühstückstisch. Als alle Scheiben mit Butter bestrichen sind, schaut Annas Vater auf und fragt: "Geht es bei euch morgens auch immer so chaotisch zu?" Ich nicke. Der Vater wendet sich wieder den Broten zu, immer abwechselnd belegt er sie jetzt mit Wurst und Käse. Als Anna wiederkommt und sichzu uns an den Tisch setzt, sind ihre Haare glatt gekämmt und sie hat ihre Brille auf der Nase. Ihr weites graues Sweatshirt lässt sie noch dünner wirken, als sie ist. Sie schaufelt sich zentnerweise Sauerkirsch-Marmelade auf ihren Toast. Als sie abbeißt, landet die Hälfte auf dem Frühstücks-Brettchen. "Was bist du denn so nervös?" fragt ihr Vater. Er stapelt seine Brote in eine Plastikdose. "Wir schreiben heute Französisch", sagt Anna. "Hast du wieder nicht gelernt?" - "Doch, ich hatte meine Bücher gestern hier unten, bis Daniel angerufen hat..." - "Wäre gut, wenn du auch mal reingeschaut hättest", sagt ihr Vater und packt die Proviantdose, in seine Aktentasche. Anna trinkt Kakao, ich versuche, im Kopf die Rede durchzugehen, die wir für Deutsch vorbereiten sollten. Mir fällt der Anfang nicht ein. In zwanzig Minuten beginnt die erste Stunde. Wie ist noch die Konjugation von "croire"? Je crois, tu crois, il croit...

Frauke Scheffler, 14, Iserlohn



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