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Teil 5
Tanja ist
in dieser Stunde arbeitslos, sie guckt ihrer
Freundin Hanna, 13, zu. Und verrät flüsternd, dass man
die Laptops natürlich noch zu ganz anderen Dingen nutzen kann
als für Deutsch-Präsentationen. "Zeig mal das, was ich
dir vorletzte Stunde geschickt habe", sagt sie. Hanna klickt und
dann steht da in wechselnder Schrift vor buntem Bildschirmhintergrund:
"Du bist meine allerbeste Freundin." - "Wir schreiben uns die ganze
Zeit Briefchen mit diesem Winpop-Programm. Das geht super und der
Lehrer merkt nichts", sagt Tanja. Hausaufgaben rüberschieben
geht auch gut, in Deutsch vor allem. "Spicken natürlich auch",
sagt Hanna, "das macht man aber am besten über Infrarot." Über
Infrarot sind die Rechner direkt miteinander verbunden und können
Informationen ohne Umweg über den Schulserver austauschen,
so kann keiner nachvollziehen, wer wem was geschickt hat. Herr Kerber
nimmt die Computer-Schummeleien
gelassen. "Mein Gott, früher haben sie rübergeschielt
oder Zettel geschrieben, heute spicken
sie eben so." - "Die Lehrer sollen bloß still sein, die schummeln
doch selber", sagt Amina, 13, die das gehört hat. Sie spricht
aus eigener Erfahrung. Vor kurzem hat sie zusammen mit ihrer Freundin
Julia, 13, einen Einführungskurs in Power-Point für Lehrer
gehalten, Teach the teacher, heißt das. Denn natürlich
stehen viele Lehrer hier vor dem Problem, dass sie etwas beurteilen
sollen - zum Beispiel die Deutsch-Präsentation - von dem sie
keine Ahnung haben. Und das, wo die Gestaltung ein Drittel der Note
ausmacht. Amina und Julia haben sich große Mühe gegeben:
Zettel verteilt, erklärt, demonstriert. "Am Ende haben wir
die Zettel wieder eingesammelt und einen Test gemacht. Und fast
alle Lehrer haben von ihrem Nachbarn abgeguckt", sagt Amina und
schüttelt vor Entrüstung ihren Kopf so sehr, dass man
Angst hat, die unzähligen Haarspangen würden in alle Richtungen
davonfliegen.
Der Gong läutet
das Ende des Schultags ein und klingt kein bisschen anders als andere
Gongs an weniger modernen Schulen. Die Laptops in der 8c werden
genauso schnell zugeklappt wie Bücher. Keiner will das Klassenbuch
mitnehmen, Herr Kerber versucht vergeblich, ein Opfer zu finden.
Er bleibt allein mit den Beatles an griesbreifarbenen Wänden,
der Tigerente und den Guppys. Geht an einem handgeschriebenen Zettel
- "Negerkussbrötchen, MO + DO, 2. gr. Pause, 1.-" - vorbei
in sein verrauchtes Zimmerchen mit Internetanschluss. Eine Schule
bleibt eine Schule bleibt eine Schule.
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