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Achtung, Viren! (Teil 2)

Viren sind so winzig, dass man sie unter einem Mikroskop nicht erkennen kann. Deshalb muss die Hamburger Forscherin einen Umweg gehen, wenn sie herausfinden will, an welcher Krankheit ein Patient leidet: Nach einer Virusinfektion bildet der menschliche Organismus Antikörper. Diese Antikörper passen jeweils nur auf genau eine Virenart. Um die Krankheit zu erkennen, bringt man deshalb das Blut des Patienten mit verschiedenen Viren zusammen, mit denen der Patient möglicherweise infiziert sein könnte. Ein spezieller Farbstoff zeigt an, wenn Antikörper und Virus "andocken", also zusammenpassen. Dann kann Petra Emmerich unter dem Mikroskop erkennen, an welcher Krankheit der Patient leidet. Doch trotz der erfolgreichen Diagnose der Hamburger Tropenmediziner konnten der Kameramann und die erkrankte Studentin nicht mehr gerettet werden. Ebola, Lassa und Gelbfieber sind so genannte hämorrhagische Fieberkrankheiten, das heißt Krankheiten, die mit starken inneren und äußeren Blutungen einhergehen. Bisher gibt es dagegen so gut wie keine wirksamen Medikamente und eine Erkrankung führt meist zum Tod. Solch schwere Fälle sind in Deutschland aber selten: Es ist bei uns noch keine einzige Ebola-Infektion bekannt geworden und man hat bisher nur drei Fälle von Lassa-Fieber aufgedeckt. Häufiger zu tun hat Petra Emmerich mit verbreiteten Tropenkrankheiten wie dem Dengue-Fieber, das in den meisten Fällen geheilt werden kann.
Die Virologin arbeitet aber nicht nur in der Diagnose, sondern betreibt auch Grundlagenforschung. "Ziel dieser Arbeit ist es, einen Impfstoff gegen diese Krankheiten zu entwickeln", sagt sie. Um den unsichtbaren Krankheitserregern auf die Spur zu kommen, züchtet Petra Emmerich die Viren im Labor heran, untersucht, wie sie auf Gewebekulturen wirken und testet Medikamente auf ihre Wirksamkeit. Allen Risiken zum Trotz, Petra Emmerich gefällt ihr Beruf "Mit den nötigen Vorsichtsmaßnahmen kann mir eigentlich wenig passieren." Vor allem die Arbeit im Hochsicherheitslabor mag die Forscherin - wegen der Ruhe, die sie dort hat: "In diesem Labor bekomme ich meine besten Ideen. Ich habe ja hier unten auch Wartezeiten, wenn ich etwa eine Probe zentrifugieren muss. Da kann ich nicht mal kurz rausrennen, sondern muss in diesem Raum bleiben." Ihre Notizen aus dem Labor kann Petra Emmerich natürlich nicht mit rausnehmen, weil möglicherweise Viren daran haften. Sie hat sich deshalb ein Fax angeschafft, mit dem sie ihre Labor-Gedanken direkt zwei Stockwerke höher in ihr Büro faxen kann. Telefonleitungen sind virensicher. Länger als zwei Stunden am Stück arbeitet die Virologin nie im Labor. "Danach lässt die Konzentration nach", sagt sie. Wenn Petra Emmerich dann das Hochsicherheitslabor verlässt, muss sie zuerst mit ihrem Anzug unter die Chemo-Dusche: Drei Minuten duscht sie in Peressigsäure, dann wird mit klarem Wasser nachgespült. Die Säure ist so ätzend, dass kein Erreger überlebt. "Wenn man sich da ohne Anzug drunterstellt, kommt man als Skelett wieder raus", sagt die Forscherin.
Petra Emmerichs Familie hat sich an ihre riskante Arbeit gewöhnt und ihr achtjähriger Sohn schaut auch gern mal bei der Arbeit zu - von draußen, versteht sich. "Der ist ganz begeistert, wenn er seine Mutter in diesem komischen Anzug rumrennen sieht. Zu Hause hat er jetzt schon damit angefangen, Erdbeersaft mit der Pipette aus dem Glas zu nehmen", sagt sie stolz. Aber Petra Emmerich weiß: "Sollte ich mich bei der Laborarbeit pieksen oder schneiden, kann auch ich nur noch beten."

Text: Karsten Krämer; Fotos: Achim Hatzius

 

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