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  Menü      Teil 2

 

Furchtsam:
Tausendmal Angst am Tag

"Bin ich schön?" - "Wie komme ich nur weg von dieser Party?" - "Ist meinem Vater was passiert?" Den ganzen Tag lang begleiten uns ganz viele verschiedene Sorgen, die eigentlich nur eines gemeinsam haben: Sie sind nicht wegzudenken. Ein 24-Stunden-Protokoll.

Teil 1 von 4:

Müde bin ich noch. Ich schaue mich im Badezimmerspiegel an. Nein, eigentlich schaue ich nur den Pickel auf meiner Nase an. Bis zum Abend darf der nicht größer werden. Ich werde wacher. Eigentlich muss er ganz verschwinden, weil ich mit diesem Pickel nicht auf eine Party gehen kann, auf der nur Leute ohne Pickel sind. Ich will nicht, dass schöne Menschen mich anschauen und meinen Pickel eklig finden. Mich eklig finden. Ich bin wach.
Ich schaue mir in die Augen. Mal wieder Augenbrauen zupfen. Nicht, dass meine über der Nase zusammenwachsen, aber dünner gefällt mir besser. Wachsen die Härchen eigentlich wieder nach? Oder bleiben sie weg, so für immer? Dann würde ich ja nie wieder so aussehen, wie ich eigentlich aussehe. Ich stecke die Pinzette in meine Bademanteltasche.

Erst mal Kaffee. Wie viel Tassen darf man eigentlich trinken, ohne dass es schädlich ist? Ich komme irgendwie darauf, was wohl die Eltern meines Freundes morgens trinken. Mögen die mich eigentlich? Ist es unhöflich, wenn ich da um diese Uhrzeit schon anrufe? Gestern war seine Mutter am Telefon so kurz angebunden, ganz anders als sonst. Normalerweise fragt sie mich, wie es mir geht. Egal, wenn sie mich mag, ist es ihr bestimmt recht, dass so früh das Telefon klingelt. Und wenn nicht, sollte es mir um so egaler sein. Sollte.

Ich rufe meinen Freund Christian an, wir verabreden uns zum Frühstück. Er will einen Cappuccino. Ich auch. Sagt man: "Zwei Cappuccinos"? Oder: "Due Cappuccini"? Oder ist italienisch hier albern? Der Kellner kommt, und Christian ist so nett zu bestellen: "Einen Cappuccino bitte. Und noch einen."
Wie jedes Mal, wenn wir uns sehen, sagt er mir, dass ich toll aussehe, und wie jedes Mal befürchte ich kurz, dass ich, ganz selbstverliebt, vor allem wegen solcher Komplimente mit ihm befreundet bin. Nein, bin ich nicht, Schwachsinn. Ist da eigentlich noch Zahnpasta auf meiner Nase?
"Wann hast du Prüfung?", fragt er. Ach Gott, in zwei Tagen. "Du schaffst das schon." Christian hat zwar keine Ahnung, aber ich bin trotzdem ein bisschen beruhigt. Ein bisschen. Weil ich dreimal durch diese Prüfung fallen darf oder ein neues Studium anfangen, auswandern, reich heiraten und eventuell sogar ohne Ausbildung glücklich werden könnte.

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