
In
"Blow" verschwindet
Franka Potente schon nach 30 Minuten an der Seite von
Johnny Depp wieder von der Leinwand. Eine kleine Rolle
für Franka, ein großer Einstieg in den internationalen Film:
Gleich nach "Blow" drehte
sie mit Matt Damon den Thriller "Bourne
Identity".
Ist
Hollywood wirklich so toll?
In Deutschland hört man oft, es sei dort alles größer, besser
und professioneller. Ich habe das gar nicht so empfunden. Die
einzigen Unterschiede sind die Sprache und die Landschaften. Leider
haben wir die ganze Zeit in Los Angeles gedreht, das war alles
andere als prickelnd.
Die großen Städte der USA haben etwas Beunruhigendes an sich.
Die Filmmetropole ist also nicht deine Traumstadt?
Dort habe ich eher Depressionen bekommen.
Hattest du Heimweh?
Na ja, schon - außer wenn ich meine Arbeit im Kopf hatte.
In meiner Freizeit habe ich es mir in meinem Apartment am Sunset
Boulevard gemütlich gemacht. Oder mich in einen kleinen Garten
gesetzt. Ab und zu konnte ich auch andere Leute aus Deutschland
treffen. Mit
Benno Fürmann war ich das einzige Mal am Strand. Oder
im Fitnesscenter: Da wurde ich auf einmal von
Katharina Witt angesprochen.
Oh, das tut mir Leid.
Danke.
In Deutschland hast du ausschließlich Hauptrollen gespielt,
in "Blow" bist du nur eine Nebendarstellerin...
Niemand bekommt gleich eine Hauptrolle in einem US-Film.
Was meinst du, warum hast du überhaupt eine bekommen?
Reine Glückssache. Manchmal denke ich, dass eine Glücksmaschine
bei mir zu Hause herumstehen muss. Dann stehe ich auf und gehe
sie suchen.
Viele sagen, es kommt auch auf die eigenen Entscheidungen an.
Irgendwann fing ich schon an, darüber nachzudenken, was mich an
Hollywood interessiert, und ich kam darauf, dass mir vor allem
an einem sympathischen Filmpartner gelegen ist. Dass es ausgerechnet
Johnny Depp sein würde, hätte ich mir nie träumen lassen. Den
fand ich dann auch ganz schön toll, zum Beispiel, weil er immer
weiß, wann man herumalbern darf und wann nicht.
Erinnerst du dich noch an deinen ersten Drehtag?
Ich war wahnsinnig aufgeregt. Dabei hatte ich nur einen Satz,
und ich sagte mir, diesen Satz kriegst du hin: "Hi guys,
do you need some help?" Ich war schon früh am Set, und Johnny
Depp hielt sich auf Distanz. Das passte gut, weil es die Szene
ist, in der wir uns auch im Film kennen lernen.
Die größten Sorgen hat dir also die englische Sprache
bereitet?
Ja, weil ich mich an einen Ausspracheplan
halten musste. Ich konnte nicht improvisieren, weil ein so genannter
Dialogue Coach jede Silbe misstrauisch über Kopfhörer belauschte.
Ich stand also unter dem permanenten Druck, etwas falsch zu betonen,
was zur Folge gehabt hätte, dass wir die Szene noch mal hätten
drehen müssen. Das war ein Stressfaktor, auf den ich gern verzichtet
hätte.
Trotzdem hast du nach "Blow" gleich einen zweiten
US-Film gedreht.
Das war aber nicht so schlimm: In "Bourne Identity"
spiele ich eine Deutsche, die Englisch spricht. Also konnte ich
so reden, wie
mir der Schnabel gewachsen ist. "Blow" war in dieser
Hinsicht frustrierender: Meine Sprachtrainerin ermahnte mich immer,
den Mund beim Sprechen weit aufzumachen.
Wenn man das macht, gehen die Augenbrauen
hoch, die Augen werden größer, eine Körperlichkeit, die man als
typisch amerikanisch empfindet. Am Anfang fand ich das grauenhaft.
Für zehn Sätze brauchte ich Monate. Dabei spreche ich ganz gut
Englisch.
Fühlst du dich von deinem Erfolg überrollt?
Für viele ist Amerika das Nonplusultra,
und das wird manchmal auch auf mich bezogen. Das ist schon okay,
aber trotzdem will ich weiterhin die Filme aussuchen, die
mir am Herzen liegen. Egal, wo die gedreht werden. Ich fühle
mich in Filmen zu Hause, weil ich mich mit Geschichten und Rollen
identifizieren kann. Und nicht, weil sie an diesem einen Ort produziert
werden oder an irgendeinem anderen. |