| ...WIE
ELTERN ZU ALLEM JA SAGEN
WIE ERKLÄRE ICH IHNEN...
...dass sie mir keine Unterhosen mehr kaufen?
Sag ihnen, dass du vor dem Sportunterricht in der Umkleidekabine
wegen deiner Unterhosen beschimpft wurdest. Eine drastische Lüge
ist nötig, denn die meisten Mütter wollen einfach nicht einsehen,
dass man spätestens mit 13 keine bunten Tierfiguren mehr auf seiner
Unterwäsche haben will.
...dass
es unmöglich ist, meine Freunde zu bitten, bei mir zuhause die
Schuhe auszuziehen?
Erkläre
ihnen, dass Schuheausziehen auf jeden Fall unangenehm ist: Für
deine Freunde, denn die haben immer Löcher in den Socken. Und
für deine Eltern: Denn die müssen deine Freunde den ganzen Abend
lang riechen.
...dass
ein Telefon zum Telefonieren da ist?
Was die Telefon-Gesellschaften
mit ihrer Werbung nicht schaffen, musst du deinen Eltern selbst
erklären: Viel telefonieren ist keine Zeitverschwendung, sondern
ein gutes Zeichen. Eltern wünschen sich immer, dass du viele Freunde
hast. Häufiges Telefonieren ist nun mal der Preis dafür - noch
nicht mal ein besonders hoher. Jeden Abend ausgehen wäre viel
teurer.
...dass Musikvideos keine bleibenden Hirnschäden hinterlassen?
Sag
deinen Eltern folgendes: "Wir leben in einer Welt, die über
Bilder funktioniert. Wer Musikvideos schaut, kann schnellere Bilderfolgen
sofort begreifen. Mein visuelles Verständnis wird trainiert. Und
ich sehe Dinge, die ihr euch nicht einmal vorstellen könnt."
Den letzten Satz weglassen, wenn du gerade mit ihnen über Drogen
gesprochen hast.
...dass
ich auch mal die ganze Nacht lang ausgehen darf?
Gutes Argument für besorgte Eltern: Nachts um
eins ist es in der Stadt viel gefährlicher als um halb fünf. Dann
sind all die fiesen Schläger,
Jackenklauer und U-Bahn-Randalierer nämlich schon längst im Bett.
...dass
sie mich laute Musik hören lassen?
Nichts fürchten Eltern mehr als die Beschwerden anderer Hausbewohner.
Und weil dein Geschmack nie ihr Geschmack ist, fällt ihnen der
Befehl zum Leisestellen leicht. Ein Ausweg: den technikbegeisterten
Vater zum Boxenkaufen mitnehmen. Begriffe wie
"Hochtöner" und "Subwoofer" beeindrucken ihn.
Und er bekommt eine Ahnung davon, was Sound bedeutet.
...dass
sie vor meinen Freunden nicht meine Kindheitsgeschichten erzählen?
Verbünde dich mit den Großeltern. Lass dir von ihnen peinliche
Geschichten aus der Kindheit deiner Eltern erzählen: Wie sie mit
17 noch Angst vor Schildkröten hatten und mit 15 keine Klassenarbeit
ohne ihr Kuscheltier Willi schreiben wollten. Wenn deine Eltern
merken, was du weißt, werdet ihr euch schnell über Diskretion
einig sein.
...dass
sie nicht mein Zimmer aufräumen?
So tun, als würdest du dich nach der elterlichen Putzaktion überhaupt
nicht mehr zurechtfinden. Frage: "Wo ist nur mein Deutschaufsatz,
der lag doch zwischen dem Playstation-Karton und den T-Shirts?"
Eltern können zwar mit dem Chaos im Kinderzimmer kaum leben. Doch
der Verdacht, sie hätten in ihrem Aufräumwahn etwas Wichtiges
verschlampt,
hemmt ihren Ordnungsfimmel.
...dass ihr Essen auch dann gut schmeckt, wenn ich
nur wenig mag?
"Du bleibst sitzen, bis aufgegessen ist." Den
Satz kennt fast jeder. Gefährlich wird es, wenn auch Kinder Essen
als Machtinstrument nutzen. Das kann zu Magersucht
oder zu Bulimie führen. Es ist schwer, den
Eltern klarzumachen, dass Essen dazu da ist, satt zu machen, und
nichts mit Liebe oder Liebesentzug zu tun hat.
....dass
ich selbst sehr gut mit Geld umgehen kann?
Rede beim Abendessen über Zinsen, das schafft Vertrauen. Die erste
größere Ausgabe sollte auch deine Eltern überzeugen. Lexika
und Winterjacken werden schnell akzeptiert, Laptop und Flugreise
nur dann, wenn auch die Oma hinter dieser Idee steht.
...dass
sie nicht meine Freunde sind, sondern meine Eltern?
Eltern wollen mit ihren Kindern befreundet sein. Kinder wollen,
dass Eltern einfach Eltern sind. Nichts ist schlimmer als der
Vater, der auch Kumpel sein will, oder die Mutter, die sich wie
eine große Schwester aufführt. Sag deinen Eltern, dass du
sie liebst und respektierst, aber viel eher Vorbilder brauchst
als noch mehr Freunde.
...dass
eine Vier im Zeugnis noch lange keine Katastrophe ist?
Nutze die Autorität des Synonymwörterbuchs. Denn eine Vier ist
immer noch "Ausreichend". Und das heißt schließlich
"reichen, hinreichen, genügen, mit etwas auskommen, etwas
zur Genüge haben, der Bedarf ist gedeckt, der Sättigungsgrad
ist erreicht, langen, nicht hapern, ausreichend".
...dass
sie in politischen Fragen nicht automatisch Recht haben?
Versuche erst gar nicht, deine Eltern ganz auf deine Seite zu
ziehen. Auch wenn du mehr Zeitung liest als deine Eltern und in
Sozialkunde die Beste bist, solltest du wissen: Gegen
Sätze, die mit "Früher war alles..." oder "Jeder
vernünftige Mensch weiß, dass..." beginnen, lässt sich
nur ein Unentschieden erreichen. Sieh es als Sieg.
...dass
sie nicht alles falsch gemacht haben?
Schlechte Noten, tätowierte Freunde: Oft glauben Eltern, dass
sie bei deiner Erziehung versagt haben. Sage ihnen die Wahrheit:
dass du sie liebst und ihr Sohn/ihre Tochter bleibst, egal was
passiert, dass sie die besten Eltern der Welt sind, und dass du
froh darüber bist, was sie aus dir gemacht haben. Wenn das nichts
hilft, fang an, den Müll runterzubringen.
TEXTE:
J. ADORJAN, T. KLOTZEK, M. DECKERT, S. KUZMANY, N. LJUBIC, F.
NEUMANN
FOTOS: J. KOOPMANN |