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Polizist/Polizistin
Hier
sprechen junge Menschen, die nur ihren Nickname nennen, damit
sie wirklich alles erzählen können.
s_shaft@hotmail.com,
23, angehender Polizeikommissar
in Nordrhein-Westfalen
Der Mythos vom "Kommissar"
"Würde ich meinen Dienst in einem "Tatort"-Krimi
leisten, meine Aufgabe wäre ziemlich undankbar. Die coolen
Kripo-Kommissare
nehmen
die Verdächtigen im Verhör richtig auseinander
oder liefern sich die tollsten Verfolgungsjagden. Am Ende überlassen
sie mit einem lässigen Kopfnicken und einem gefälligen
"Abführen" den Täter mir, dem Streifenpolizisten
im Hintergrund. Das ist in Wirklichkeit Quatsch.
Das "Abführen" gibt es so gar nicht. Streifenpolizisten
sind vom Dienstgrad
her gleichgestellt mit den Kripobeamten.
Wenn ich meine Ausbildung
im gehobenen
Dienst in zwei Monaten beendet habe, bin ich auch Kommissar
- Polizeikommissar. Anschließend könnte ich zur Kripo
gehen. Das hat im Alltag aber sehr viel mit Verwaltungs- und Bürotätigkeit
zu tun. Nach einer Ausbildung im mittleren
Dienst hat man als "Polizeimeister" prinzipiell
die gleichen Einsatzfelder und Aufstiegsmöglichkeiten - man
wird nur schlechter bezahlt."
Auf
Streife
"Vorerst
möchte ich im Streifendienst arbeiten, weil man dort ein
riesiges Einsatzspektrum hat: vom kleinen Verkehrsunfall über
Familienstreitigkeiten bis hin zu Einbruch oder schwerem Raubüberfall.
Man weiß nie, wie der Tag so aussehen wird. Das ist das
Reizvolle. Außer man wird zum Dienst auf der Wache
eingeteilt. Anzeigenaufnahme, Telefon- und Funkdienst - das ist
ziemlich öde.
Streifendienst ist spannender. Man fährt jeden Tag mit einem
anderen Kollegen Streife, ist meist im Auto unterwegs und als
Erster am Tatort. Dabei ist man nicht nur der klassische "Freund
und Helfer " für die Betroffenen, manchmal können
die Einsätze richtig gefährlich werden. An meinem ersten
Wochenende im Praktikum
wurde ich zu einer Schlägerei gerufen, die ziemlich eskalierte.
Eigentlich waren es nur zwei Täter, aber die waren mitten
in einer Menschenmenge, so dass du als Polizist schwer unterscheiden
konntest, wer auf welcher Seite war. Das hätte leicht ins
Auge gehen und in einer Massenschlägerei enden
können. Oder Verkehrskontrollen: manchmal ticken
die Leute aus,
vor allem wenn Alkohol im
Spiel ist, und werden richtig aufbrausend."
Die Macht der Uniform
"Angst hatte ich aber noch nie richtig. Es gibt ja gewisse
Verhaltensregeln, die meist gut funktionieren. Dafür hat
man in der Ausbildung Psychologie und Verhaltenstraining gelernt.
Manchen Kollegen würde ein bisschen mehr davon nicht schaden.
Die sind gefrustet
von ihrem Job und lassen
das voll am Bürger aus.
Natürlich hat man als Polizist immer eine gewisse Macht,
die verleitend sein kann. Ich würde lügen, wenn ich
sagte, dass es keinen Spaß macht, mit "Tatütata"
über die Straße zu rasen. Aber solange man im
Hinterkopf behält, dass die Leute nicht dich als Person
so toll finden, sondern nur Respekt vor der Uniform haben, ist
das halb
so wild."
Einsatz auf Befehl - auch gegen das Gewissen
"Immer nur den Starken raushängen
lassen, das geht auch gar nicht. Vor allem bei Einsätzen
in sozial schwächeren Vierteln bekommt man das Leid der Leute
hautnah mit. Psychisch belastbar muss man da schon sein. Der Kontakt
zu den unterschiedlichsten Menschen und ihnen zu helfen, das ist
für mich das Faszinierende an dem Job. Nervig
ist nur das Gefühl, Teil einer Verfügungsmasse
zu sein. Man wird eingeteilt und hat anzutreten. Private Dinge
sind da schlecht planbar. Dafür verdient man bereits in der
Ausbildung ganz gut - zwischen 1500 und 1700 Mark netto. Richtig
störend finde ich allerdings Einsätze, die ich nicht
mit meinem Gewissen vereinbaren kann. NPD-Demos
zum Beispiel, wo ich Leute, die auf die Verfassung
scheißen,
aufgrund der Verfassung schützen muss."
Protokoll:
Susanne Lang
Text
als RTF-Datei zum Herunterladen
| Job-Info |
Polizist/Polizistin |
| Voraussetzungen |
Mittlere
Reife/(Fach-) Abitur , deutsche (oder EU-)
Staatsangehörigkeit, keine Vorstrafen, demokratische
Grundgesinnung |
| Höchstalter |
32 Jahre
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| So geht's
los |
Mittlerer
Dienst: stark praxisorientierte Ausbildung an speziellen Polizeiakademien
Gehobener Dienst: Theorie an Fachhochschulen und Praxis an
Akademien |
| Ziel |
Die Abschlussprüfung
bestehen |
| So geht's
weiter |
Streifendienst
oder Wechsel zu Kriminaldienst, Wasserschutzpolizei, Hundertschaft,
Hubschrauberstaffel, Verwaltung, Lehrtätigkeit an Hochschulen,
etc. |
| Fertig
nach |
Mittlerer
Dienst: nach 2 bis 2 ½ Jahren
Gehobener Dienst: nach 3 Jahren |
| Wer bildet
aus |
Spezielle
Akademien der Länderpolizeiinstitutionen, Fachhochschulen |
| Was lernt
man |
Theorie:
Einsatzlehre, Kriminalistik, Straf-, Zivil-, Staats-, Verkehrsrecht,
öffentliches Dienstrecht, Führungslehre, Politikwissenschaft,
Soziologie, Ethik, Pädagogik, Psychologie, Verhaltenstraining
Praxis: Schießen, Fahr- und Sicherheitstraining, Funktechnik,
Bedienen von Einsatzmitteln, Selbstverteidigung, Spurensicherung,
Unfallaufnahme, Tatortbesichtigung |
Mehr
Infos
Offizielle
Seite der deutschen Polizei
"Das Handwerk
legen." (Unser Lesetext über die Bereitschaftspolizei
in Hamburg)
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