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Opernsänger/Opernsängerin

Hier
sprechen junge Menschen, die nur ihren Nickname nennen, damit
sie wirklich alles erzählen können.
Hensken,
23, ist auf dem besten Weg, Opernsänger zu werden
Musik
spielt
die erste Geige
„Musik
war immer ein Teil meines Lebens. Mein Vater ist Komponist und
Musiklehrer, meine Tante Gesangslehrerin. Nachdem ich mich zwölf
Jahre lang mit der Geige herumgequält hatte, begann ich mit
fünfzehn in einem Kirchenchor zu singen, den mein Vater leitete.
Das weckte meine Begeisterung. Nach dem Abi entschied das Schicksal
für mich: nachdem ich bei der Aufnahmeprüfung für
Grafik-Design durchgefallen war, bewarb ich mich noch schnell
für Gesang an der Folkwang
Hochschule in Essen. Von hundertfünfzig Bewerbern
nahmen sie fünf. Einer davon war ich.“
Proben,
nichts als Proben
„Der
Arbeitsalltag eines Opernsängers besteht aus Proben, Proben
und nochmals Proben, manchmal zwei bis drei Monate lang. Zuerst
geht der Gesangslehrer mit jedem einzeln den Part durch, den
er singen soll. Dabei begleitet einen nur das Klavier. Zur Zeit
übe ich vier bis fünf Tage in der Woche, meist eine
bis zwei einhalb Stunden lang. Das hängt auch davon ab,
ob ich einen Raum bekomme, weil ich zu Hause nicht üben
kann. Nach einigen Wochen probt man mit dem ganzen Chor, zuletzt
kommt das schauspielerische Element dazu. Das ist für mich
die Kunst beim Operngesang: Eine gute Darstellung abzuliefern
und dabei den Ton zu halten. Etwa eine Woche vor der Premiere
beginnen die Bühnenorchesterproben mit allen Musikern.
Die sind schnell genervt,
wenn ein Sänger abwinkt,
weil er den Text vergessen hat. Was ich an den Proben hasse,
ist das Warten. Manchmal sitzt man stundenlang herum und
wartet auf seinen Einsatz. Oder man kommt völlig umsonst,
weil eine Szene nicht sitzt
und sich alles nach hinten verschiebt. Doch die Premiere entlohnt
für jede vergeudete Minute“
Bloß
nicht nachdenken
„Mittlerweile
probe ich für meine dritte Oper, 'Die Fledermaus‘
von Johann Strauss. Dieses Mal habe ich eine kleinere Hauptrolle.
Bestimmt packt
mich vor der Premiere das Lampenfieber.
Vor den Auftritten bin ich jedes Mal wieder nervös, doch
sobald es losgeht, bleibt keine Zeit mehr fürs Grübeln.
Dann heißt es volle Konzentration und Singen. Wer dabei
anfängt nachzudenken, macht Fehler. In der Oper habe ich
meinen Text zum Glück noch nie vergessen, darauf bereite
ich mich schließlich intensiv vor. Zur Not gibt es ja
auch noch eine Souffleuse.
Nur bei meiner eigenen Abiturfeier
musste ich aus Verlegenheit 'Lalala lalala’ singen. Wir
hatten erst kurz zuvor geprobt und auf der Bühne fiel mir
gleich der Text des ersten Liedes nicht mehr
ein. Damals fanden es alle lustig, aber mir war diese Panne
ein wenig peinlich.“
Flucht
von der Bühne
„Bei
Hustenreiz hilft es, sich zu räuspern, bei Schluckauf dagegen
nur die Flucht von der Bühne. Bei einer Premiere war mir
mal richtig zum
Kotzen zumute. Es ist Brauch, dass sich die Sänger Kleinigkeiten
wie Schokolade schenken, bevor sie die Bühne betreten. Beim
ersten Mal stopfte ich sie sofort in mich hinein und dementsprechend
schlecht war mir, als der Vorhang hochging. Glücklicherweise
war die Szene ziemlich kurz.
Traumziel:
Bösewicht
„Zuhause
höre ich mir eher selten Opern an. Es sei denn ich bereite
mich damit auf eigene Gesangsparts vor. Für mich gehört
das visuelle Element einfach dazu. Bevor ich mir CDs anhöre,
gehe ich lieber direkt dorthin. Mein Traum ist es, einmal den
Don Giovanni von Mozart
zu singen oder einen der Bösewichte in Verdis
'Tosca'. Dafür lernen wir an der Uni auch Italienisch.
Am Ende meines Studiums bekomme ich ein Diplom
– das braucht man, um in der Branche
etwas zu werden. Es sei denn, man ist ein Naturtalent,
doch das gibt es selten. Um irgendwann mit Pavarotti
in einem Atemzug genannt zu werden, muss man Ausdauer beweisen.“
Selbstdarsteller
erwünscht
„Auch
wenn ich nicht ganz so hoch
hinaus will, werde ich schon vor meinem Abschluss bei Opernhäusern
vorsingen. Bei Vorsingterminen muss man meist sowohl den Generalmusikdirektor
als auch den Intendanten
von seinem Können überzeugen. Wenn das klappt, bekommt
man für sein Stimmfach
einen Gastvertrag über einige Jahre. Läuft alles gut,
wird er verlängert. Das wichtigste an diesem Beruf ist, dass
man den Spaß an der Sache nicht verliert. Auf der Bühne
steht man immer im Mittelpunkt – dazu gehört ein gewisser
Hang
zur Selbstdarstellung. Und natürlich Charisma!“
Protokoll:
Christine Ritzenhoff
Text
als RTF-Datei zum Herunterladen
| Job-Info |
Opernsänger/Opernsängerin |
| Voraussetzungen |
Sehr
gute musikalische Begabung und ein exzellentes Rhythmus-,
Klang- und Melodiegefühl, hilfreich ist auch Improvisations-
und Schauspieltalent |
| Mindestalter |
Mädchen
16 Jahre, Jungen 18 Jahre; Ausnahme bei Hochbegabten |
| So geht's
los |
Theoretischer
Unterricht in Seminaren (Instrumentenkunde, Musikgeschichte
und Musikwissenschaft, Italienisch, Rhythmik, Akustik etc.),
praktische Ausbildung durch Einzel- und Gruppenunterricht
in Gesang, Klavier, Ensemble, Schauspielunterricht und Gehörbildung |
| So geht's
weiter |
Während
des Studiums Teilnahme an Veranstaltungen und Aufführungen
in Konzertsälen und Opernhäusern, außerdem
sollte man eigenständig sein Repertoire
erweitern, Kontakte ausbauen und sich Zusatzfähigkeiten
aneignen, um später die Jobchancen zu erhöhen
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| Ziel |
Engagement an einem renommierten Opernhaus, evtl. ist bei
ausreichenden Kontakten auch freiberufliche Tätigkeit
möglich; viele Opernsänger haben außerdem
ein zweites
Standbein in anderen Bereichen z.B. als Musikpädagoge
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| Fertig
nach |
4
bis 7 Jahren |
| Verdienst |
Beginnt
bei ca. 900 Euro monatlich, nach oben hin ist die Grenze
offen |
| Wer bildet
aus |
Staatliche und private Hochschulen und Berufsfachschulen
(mit verschiedenen Bezeichnungen wie Fachakademie, Konservatorium,
Musikschule, Musikakademie etc.) |
Zugangs-
voraussetzungen |
Man
muss sich einer Aufnahmeprüfung mit oft sehr hohen
Anforderungen und großer Konkurrenz stellen. Hier
soll man seine gesanglichen und stimmlichen Fähigkeiten
in verschiedenen frei gewählten Lieder beweisen; zusätzlich
muss man oft vom
Blatt singen |
| Kosten |
Staatliche
Hochschulen sind generell gebührenfrei, die Kosten
für private Schulen liegen durchschnittlich bei etwa
335 Euro pro Monat |
Mehr
Infos:
Gesangs-Portal
mit Listen von Hochschulen, Wettbewerben, Gesangslehrern, Vorsingstellen,
etc.
Bundesverband
für Musikberufe: Deutscher Tonkünstlerverband e.V.
Deutscher
Musikrat e.V.
Erklärungen
von Opernbegriffen und Stimmfächern
Buchtipp: Marita Knobel/Brigitte Steinert:
“Beruf: Opernsänger. Ein Ratgeber”. Bärenreiter
Verlag, 2002. Preis:14,90 Euro
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