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Die Hebamme / Der Entbindungspfleger

Hier sprechen junge Menschen, die nur ihren Nickname nennen, damit sie wirklich alles erzählen können.

hebamme2002@gmx.net, 23, ist Hebamme in einem Krankenhaus

Wenn die Wehen kommen

„Bei jeder Geburt muss eine Hebamme anwesend sein. Das steht im Gesetz. Doch meine Arbeit beginnt viel früher. Die Schwangeren kommen in die Sprechstunde ins Krankenhaus und stellen sich bei uns vor. Wir notieren alle wichtigen Daten, die Krankengeschichte der werdenden Mutter und besondere Wünsche für die Geburt. So sind wir vorbereitet, wenn die Wehen einsetzen. Der größte Irrglaube ist, dass eine Geburt im Liegen stattfinden soll. Es ist viel angenehmer, im Stehen oder in der Hocke zu gebären. Leider vermitteln uns die Lehrer das nicht in der Ausbildung. Das haben wir dem Einfluss der Männer zu verdanken. Für Ärzte muss jeder Patient liegen. Bei gebärenden Müttern machen sie da keine Ausnahme.“

Kein Dammbruch

„Mein Job bei der Geburt ist, dafür zu sorgen, dass alles reibungslos abläuft. Ich bestärke die Frau darin, mit mir zu atmen und kontrolliere dabei die Herztöne des Babys. Kommt der Kopf immer weiter heraus, achte ich darauf, dass der Damm nicht reißt. Am wichtigsten ist, dass das Kind sofort in den Arm seiner Mutter gelegt wird. Durch Berührungen und Blicke bauen Mutter und Kind von der ersten Minute an eine Beziehung zueinander auf. Erst danach untersuche ich den Säugling, schaue ob alles an ihm dran ist und zähle Finger und Zehen. Spätestens nach einer Stunde kommt die Plazenta, die sogenannte Nachgeburt. Es ist wichtig, dass dabei kein Stück fehlt, sonst muss der Arzt die Gebärmutter ausschaben.“

Konkurrenzkampf im Kreißsaal

„Ein Arzt greift nur ein, wenn es zu Komplikationen kommt. Ärzte und Hebammen betrachten eine Geburt aus einem ganz anderen Blickwinkel. Während die Ärzte fast krampfhaft nach Komplikationen suchen, wollen wir nur, dass die Geburt schön für die Eltern ist. Das sorgt schnell für schlechte Stimmung und grenzt manchmal an Konkurrenzkampf. Auch wird uns viel Arbeit zugeschoben, für die wir nicht zuständig sind. Rechtlich sind wir eigentlich nicht befugt, Blut abzunehmen oder einen venösen Zugang zu legen. Doch deswegen nachts um zwei Uhr den Arzt wecken? Meistens machen wir das aus Nettigkeit selbst.“

Kaiserschnitt am Morgen

„Wenn Mutter und Kind auf der Säuglingsstation sind, ist mein Job noch nicht erledigt. Ich putze den Kreißsaal, bereite die Instrumente für die Sterilisierung vor und fülle die Medikamente wieder auf. In die Akte der Patientin trage ich die Details der Geburt ein und fülle die Geburtsanzeige für das Standesamt aus. Als Hebamme verbringe ich so auch viel Zeit vor dem Computer. Richtigen Arbeitsalltag kenne ich jedoch nicht. Komme ich zu Schichtbeginn in die Klinik, weiß ich nie, was mich erwartet. Das einzig Berechenbare sind die Kaiserschnitte am Morgen. Oft habe ich nicht so viel Zeit für jede Patientin, wie ich gerne hätte. Abends falle ich meist todmüde ins Bett. Doch das lohnt sich für die vielen schönen Momente, wenn Frauen mir für die Geburt danken etwa. Ich selbst möchte auch mal Kinder bekommen, zwei genauer gesagt. Doch damit lasse ich mir noch Zeit.“

Abschied vom toten Kind

„Geburten sind leider nicht immer schön. In meinem ersten Jahr an der Klinik musste ich einer Mutter beibringen, dass ihr Baby tot zur Welt gekommen ist. In so einer Situation ist es wichtig, dass die Frau ihr Kind ein letztes Mal sieht. Vorher zog ich dem Baby einen Strampelanzug an, den der Vater dabei hatte. Dann verbrachte ich den ganzen Tag mit der Mutter, wir machten Fotos und redeten. So konnte sie langsam von ihrem Kind Abschied nehmen.“

Distanz wahren

„Wichtig ist es bei aller Nähe die Distanz nicht zu verlieren. Neben meiner Arbeit im Krankenhaus betreue ich einige Mütter auch nach der Geburt freiberuflich. Das ist das Schönste: Zu sehen, wie aus zwei Menschen eine Familie wird. Allerdings erwarten mache Frauen, dass ich bei jeder Kleinigkeit für sie da bin. Dabei vergessen sie, dass ich keine Freundin sondern ihre Hebamme bin. Ich muss ihnen von Beginn an klar machen, dass meine Hilfe nur bis zu einem bestimmten Punkt geht – und nicht weiter.“

Protokoll: christine-ritzenhoff

Text als RTF-Datei zum Herunterladen 

Job-Info Hebamme/Entbindungspfleger
Voraussetzungen Einfühlungsvermögen, psychische Belastbarkeit, Organisationstalent, Geschicklichkeit etc.
Mindestalter 17 Jahre
Schulabschluss Mittlerer Bildungsabschluss, beim Hauptschulabschluss braucht man zusätzlich eine zweijährige Berufsausbildung oder den erfolgreichen Abschluss einer Pflegevorschule
So geht's los Theoretischer Schulunterricht in Pädagogik, naturwissenschaftlichen Fächern u.a.; praktische Ausbildung im Krankenhaus in der Entbindungsabteilung und der Wochen- und Neugeborenenstation, Einführung in Krankenhausorganisation und Pflege
So geht's weiter praktische Ausbildung in der Schwangerenberatung, der Kinderklinik und dem Operationssaal, außerdem ein dreiwöchiges Praktikum bei einer freiberuflichen Hebamme
Fertig nach drei Jahren
Ziel Anstellung in einer Klinik mit Entbindungsstation oder freiberufliche Niederlassung (Hausgeburten, Entbindung in Geburtshäusern, Zusammenarbeit mit Kliniken)
Was lernt man Betreuung der Patientinnen während und nach der Schwangerschaft, Kenntnisse über deren Verlauf und mögliche Komplikationen, Überwachung und helfenden Eingriff in den Geburtsvorgang, Krankheiten und deren Ursachen, Dosierung und Verabreichung von Medikamenten, etc.
Bezahlung

in der Ausbildung zwischen 603 und 827 Euro, als Angestellte(r) ca. 1.700 bis 2000 Euro monatlich

Wer bildet aus? Ausbildung erfolgt bundesweit einheitlich an Hebammenschulen, die mit Krankenhäusern bzw. Frauenkliniken zusammen arbeiten
Zugangsvoraussetzungen Mit Bewerbungsunterlagen (oft sind gute Noten in Deutsch und Naturwissenschaften wichtig) und im persönlichen Gespräch (teils auch schriftliche Aufnahmeprüfung) überzeugen, soziales Engagement ist von Vorteil
Kosten Schulgeld nur an Privatschulen

Mehr Infos

Bund Deutscher Hebammen e.V.
Tel.: 0721-981890 www.bdh.de

Berufsinformationen des Arbeitsamts
http://infobub.arbeitsagentur.de/berufe/