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Wir sind die Geduldeten:
Drei Flüchtlinge über den Alltag des Wartens


Ismael Nabe, 21, ist Hobby-Schauspieler* in Hamburg


Foto: Sofie Olbers

Mit 15 bin ich von zu Hause abgehauen, zu dem Zeitpunkt war mein Vater bereits seit einem Jahr vermisst. Alles in meiner Umgebung war kaputt. Meine Mutter wollte mir helfen, von Guinea nach Europa zu kommen, aber sie kannte niemanden. Sie weiß bis heute nicht, wo ich bin, und ich habe seit meiner Flucht keinen Kontakt mehr zu ihr. Ich habe mich auf ein Schiff nach Hamburg geschlichen, ein Matrose hat mich in seiner Kabine versteckt und während der Überfahrt mit Essen versorgt.

Als ich in Hamburg ankam, wurde ich in einem Flüchtlingskinderheim untergebracht und zur Schule geschickt. Ich habe meinen Realschulabschluss gemacht und eine Arbeitserlaubnis beantragt. 2004 kam überraschend eine guineische Delegation nach Hamburg, die mit der Ausländerbehörde über Abschiebekandidaten beriet. Bis dahin war mir gar nicht bewusst, dass ich jederzeit abgeschoben werden kann.

Mittlerweile wohne ich mit Freunden in einer WG und mache eine Ausbildung als Schlosser bei der Arbeiterwohlfahrt. Die Ausbildung geht bis Sommer 2007, aber ob ich sie zu Ende machen kann, weiß ich nicht. Jedes halbe Jahr muss ich einen Antrag auf Verlängerung meiner Duldung stellen, ohne eine Garantie, dass sie gewährt wird.

Ich lebe jetzt so viele Jahre in Deutschland, habe die Sprache gelernt, Behörden besucht, Freunde gefunden, mir eine Wohnung gesucht, ich lerne sogar einen Beruf. Ich gebe mir wirklich Mühe, aber wenn man mich abschieben will, hilft das alles nichts, und das finde ich unfair. Mein größtes Problem ist, dass ich so uninformiert bin. Niemand kann mir sagen, was für Rechte ich habe und was mit mir passieren wird. Für mich ist die Unsicherheit der Duldung wie ein Gefängnis ohne Gitter.

 

* Anmerkung der Redaktion: Ismael Nabe ist Hobby-Schauspieler und Tänzer im Theater Hajusom! in Hamburg. In diesem transnationalen Kunstprojekt arbeiten junge und erwachsene Flüchtlinge und Migranten aus unterschiedlichsten Herkunftsländern.


 

Aufgabe während des Lesens - Komposita

In der deutschen Sprache gibt es sehr viele zusammengesetzte Wörter (man nennt sie "Komposita"), die aus zwei oder mehr Wörtern bestehen. Um die Bedeutung unbekannter Zusammensetzungen zu verstehen, hilft es oft, sie in ihre Bestandteile zu zerlegen.

Beispiele aus der Einleitung zum Text

(Zur Wiederholung ein bisschen Grammatik)

Aufgabe:

Lies nun den Text. Während du liest, überlege dir, was folgende (im Text fett markierte) Komposita bedeuten könnten:

das Flüchtlingskinderheim
die Ausländerbehörde
der Abschiebekandidat

Zerlege dazu die Komposita in ihre Bestandteile und versuche so und mit Hilfe des Kontextes, ihre Bedeutung zu erschließen!

zum Text

Schreibe deine Lösung auf ein Blatt Papier, in ein Word-Dokument oder nutze diesen Kasten als Notizfeld. Vergleiche dann deine Ideen mit unserer Lösung.

Lösung

Du kannst nun ein weiteres Portrait lesen oder zur Aufgabe nach dem Lesen gehen.