Lerner

 •  Wörterbücher

 •  Grammatik
 •  Lesestrategien

 Texte

 .  
Texte mit Aufgaben
 .  Texte zum Lesen
 .  Thematisch geordnet


 Extras

 .  Chat-Seite
 .  Wettbewerbe


 
   Menü      

 

DIE REIFENPRÜFUNG

Wenn man ihn erst einmal besitzt, ist der Führerschein bloß noch eine hässliche Plastikkarte. Vorher aber ist er das Manifest der Sehnsucht. Eine Geschichte über die zehn Stationen auf der Fahrt in die Freiheit.


Irgendwo muss er sein, dieser Ort. Manche waren schon da, und als sie zurückkamen, erzählten sie kleine Geschichten vom Glück. Andere blieben gleich dort, vielleicht fanden sie etwas, das es hier nicht gibt, vielleicht erlebten sie etwas, das größer ist als alles, was sie kannten, vielleicht konnte sich an diesem Ort ihre Sehnsucht endlich ausruhen. Einer erzählte mal, dass er diesen Ort jetzt schon seit Jahren sucht, und immer wenn er glaubte, er sei da, hatte er sich getäuscht, und er machte sich wieder auf den Weg. Das Einzige, was er besaß, war ein Führerschein.

1. Na ja, denkst du jetzt, das sind halt so Geschichten, dummes Geschwätz, alberne Fernfahrer-Romantik, Ersatzbefriedigung für Menschen, die sonst nichts haben. Als ob der Führerschein keine läppische Karte sei, sondern die Lizenz zum Glücklichsein, das Ticket in die Freiheit. Du bist glücklich, du bist frei, du bist 17 Jahre alt, und wenn du irgendwohin willst, gehst du zu Fuß. Oder nimmst das Fahrrad. Oder Papa fährt dich. Und dann gibt es ja auch noch die U-Bahn, den Bus, das Taxi. Bis jetzt bist du noch immer überall an- und von dort auch wieder weggekommen. Jedenfalls meistens. Und deine Oma sagt schließlich: "Wo man nicht hinkommen kann, da will einen meistens auch keiner haben." Vielleicht hat sie ja Recht. Aber was, wenn sie irrt? Was, wenn doch etwas auf dich wartet, irgendwo, wo du noch nie warst; wo dich dein Vater nicht hinbringen würde, wohin es zu weit mit dem Rad wäre, wo keine U-Bahnen und keine Busse hinkommen? Schaden kann so ein Führerschein natürlich nicht, und deshalb suchst du sieben Monate vor deinem 18. Geburtstag nach einer Fahrschule. Machen eh alle. Aber einen guten Fahrlehrer zu finden ist fast genauso schwer wie einen guten Friseur, einen guten Nachhilfelehrer oder einen guten Arzt.

2. Schlimme Sachen sollen manchmal passieren: Fahrlehrer, die während der Fahrstunden gerne mal anzüglich werden, ihren Rückspiegel so stellen, dass sie den Mädchen unter den Rock gucken können; junge Kerle, die dauernd erzählen, dass sie mal im Kartfahren eine nationale Größe waren und nur deshalb nicht in der Formel 1 dabei sind, weil dieser dumme Unfall dazwischengekommen ist; Schreihälse, Grabscher, Choleriker. Aber es gibt eine einfache Regel: Alle Fahrlehrer, deren Vornamen mit dem Buchstaben H beginnen, taugen was. Gute Fahrlehrer heißen Harald, Horst, Heinz, Holger, Hermann, Hans-Peter oder Heinrich. Das ist so. Warum, weiß kein Mensch - aber jeder gute Fahrlehrer wird diese These bestätigen. Wenn du also einen Fahrlehrer gefunden hast, dessen Vorname mit H beginnt, erkundige dich, auf welchem Auto du lernen sollst. Vor ein paar Jahren tobte in Stuttgart ein Fahrschulen-Krieg - eine ließ ihre Schüler auf Porsche lernen, andere zogen nach mit der Mercedes S-Klasse. Das ist natürlich großer Quatsch, wann wirst du einen Porsche fahren oder einen Mercedes der S-Klasse? Wenn der Fahrlehrer, dessen Vorname mit H beginnt, auf einem VW Golf mit Fünfgangschaltung schult, dann hast du den Richtigen gefunden.
 
 
 

1

2 

3 

4 

weiter

 

Text als RTF-Datei zum Herunterladen