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WERDE POLITISCH

Du willst die Weltordnung aus den Angeln heben oder zumindest einen Fahrradkeller in der Uni? 
Beim "AStA" kannst du den Aufstand proben.




Im "Roten Salon" beim Münchner "AStA" hängt ein übergroßes Plakat von Lenin, der glücklich ist, dass er zumindest hier Che Guevara als Poster-Boy schlägt. Ungefähr dreißig Leute kommen immer wieder hier vorbei, 15 sind der harte Kern. Antifaschisten, Internationalisten, Kommunisten, auch ein paar Leute, die nur versuchen, eine kleine Kinoreihe an der Uni hochzuziehen - und einige versuchen auch ernsthaft, so was wie Hochschulpolitik zu machen. Für politisch engagierte Studenten ist der AStA seit Jahr und Tag die erste Adresse. Der "Allgemeine Studierenden-Ausschuss" existiert an fast jeder Uni in Deutschland. "Der AStA versteht sich als eine linke Struktur, in der sich Menschen mit unterschiedlichen Politikansätzen aus dem Bereich der Universität zusammenfinden können", schreibt der AStA über sich selbst.

Auch Mario, sein richtiger Name soll nicht genannt werden, ist oft im "Roten Salon". Der 26-jährige Anglistikstudent ist einer der politisch aktivsten Studenten in München; unter anderem ist er Mitglied im "AK Internationalismus" beim AStA. Seiten könnte man mit den Aktionen füllen, an denen Mario sich schon beteiligt hat. Er kämpft für die Rechte von Flüchtlingen, von kolumbianischen und indischen Kleinbauern; vor ungefähr jedem großen Treffen von Politikern in Europa in den letzten Jahren hat er Kampagnen gestartet. Es geht darum, "Kritik am kapitalistischen Weltwirtschaftssystem aufzumachen", den Menschen "bewusst zu machen, dass das bestehende System nicht der Weisheit letzter Schluss ist". Sein größtes Ziel ist, dass eine Gesellschaft entsteht, "die vom solidarischen Umgang mit anderen bestimmt ist".

Das "Hochschulpolitik-Referat" beim Münchner AStA ist zur Zeit leider nicht besetzt. Semesterticket, Studiengebühren, Wohnungsnot, damit macht man keine Revolution. Da ist das "Antifa-Referat" schon wesentlich spannender; das ist auch am besten besucht. Da kann man den Burschenschaften ordentlich ans Bein pinkeln. Und wenn die Universität auf Druck der Politik meint, sie müsse die Sudetendeutschen hätscheln, kann man mal einen Saal stürmen und einen kleinen Skandal lostreten, der durch die lokale Presse geht. Die letzte spannende Aktion: Auf einer Palästinenser-Demonstration die israelische Flagge schwenken und dann möglichst schnell vor den wütenden Palästinensern wegrennen. Der "AK Fahrradkeller" bemüht sich um, eben, diesen. Natürlich gibt es auch einen "AK Feminismus". Am erfolgreichsten ist der "AK Sommerfest", der einmal im Jahr die Uni in ein riesiges Partygelände verwandelt; bis zu fünftausend Studenten lassen sich für das Fest mobilisieren. Beim Fahnenschwenken auf der Palästinenser-Demo waren immerhin zwei Leute da.

Und wenn man dann am Abend erschöpft von der Politik ist, kann man sich ja ganz entspannt am Stammtisch gegenüber beim "Schwabinger Augustiner", wo Generationen von Studentenführern ihre Sinnsprüche in die Tische geritzt haben, treffen und in aller Ruhe ein paar Bierchen trinken. Spätestens nach dem vierten erfährt man auch von Mario, worum es ihm und den meisten politisch aktiven Studenten am Ende wirklich geht: Leute treffen, rumkommen, Abenteuer erleben. "Es ist keine attraktive Perspektive, eine brave und angepasste Existenz zu führen. Das ist
stinklangweilig", sagt er.


Text: Sebastian Strube
Heft Nr. 9 - 2002
Illu: lee, ruzi, smal

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Interview mit einem Hochschulpolitikreferenten des AStA einer deutschen Universität:

Video ohne Transkript

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