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Mit dem Picknickkorb in den Biergarten – Sommer in Bamberg

Bamberg; Copyright: www.pixelio.dePaul Maar; Copyright: Fotostudio Barthel, BambergPaul Maar ist freier Kinderbuchautor und Illustrator. Er wurde 1937 in Schweinfurt geboren. Seit über 20 Jahren lebt der Vater der berühmten Kinderbuchfigur Das Sams in Bamberg. Wir haben mit ihm über seine Wahlheimat gesprochen.

Sie ziehen sich zum Schreiben aufs Land zurück. Herrscht Ihnen in Bamberg, dieser kleinen Universitätsstadt mit 70.000 Einwohnern, zu viel Trubel?

Ich war so naiv, unsere Telefonnummer ins Telefonbuch eintragen zu lassen. Mit zunehmendem Bekanntheitsgrad nahm die Zahl der Anrufe zu. Von Schulen, Buchhandlungen, Bibliotheken kommen Anfragen, meistens Lesungswünsche. Verlage wollen mich zu Anthologiebeiträgen einladen. Oetinger fragt an, wie weit ich mit dem neuen Manuskript sei. Und nicht zuletzt kommt immer mal wieder ein Anruf, bei dem eine schüchterne Kinderstimme fragt, ob ich denn „der“ Paul Maar sei, um mir dann mitzuteilen, dass meine Bücher „sehr schön“ seien, und um nachzufragen, ob es einen weiteren Band von Herrn Bello gebe.

Kaum habe ich mir einen besonders schönen Satz ausgedacht und will ihn hinschreiben, klingelt bestimmt das Telefon. Da bietet es sich an, in der ländlichen Einsamkeit zu dichten. Dort gibt es kein Telefon. Übrigens auch kein Fernsehen.

Rathaus; Copyright: www.pixelio.deBamberg hat den größten unversehrt erhaltenen historischen Stadtkern in Deutschland und ist seit 1993 als Weltkulturerbe in die Liste der UNESCO eingetragen. Wie fühlt es sich an, in einem Weltkulturerbe zu leben?

Es fühlt sich durchaus gut an. An manchen Tagen wünscht man sich allerdings, dass ein paar Hundert Touristen weniger durch die Altstadt strömen sollten.

Was schätzen Sie besonders an dieser Stadt?

Das unverwechselbare Stadtbild. Auch dass ich von unserem Haus in der Altstadt aus alle Geschäfte, die Sparkasse, die Kinos, den Arzt, die Freunde zu Fuß erreichen kann.

Sie haben für Ihre Kinder- und Jugendbücher unzählige Preise und Auszeichnungen erhalten. 2004 haben Sie auch Bürgermedaille der Stadt Bamberg für besondere Verdienste um das allgemeine Wohl der Stadt und ihrer Bürger bekommen. Bedeutet dieser Preis etwas Besonderes für Sie?

Ja, jetzt fühle ich mich endgültig als Bamberger.

Haben Sie das vorher nicht getan?

Ich bin in Unterfranken geboren, und obwohl meine Heimatstadt Schweinfurt nur 50 Kilometer entfernt ist, unterscheidet sich der gesprochene Dialekt erheblich. Und da in Bamberg – wie wahrscheinlich in den meisten deutschen Provinzen – das „Wir-Gefühl“ von einer identischen Sprechweise abhängt, hat man mich immer ein wenig als „Reingeschmeckten“ empfunden, auch wenn ich mich bemühte, im Bäckerladen oder auf dem Wochenmarkt mein Hochdeutsch zu vergessen und Fränkisch zu sprechen. Inzwischen weiß ich allerdings, dass die unterfränkischen „Brötlich“ und „Mädlich“ hier in Oberfranken „Brötla“ und „Mädla“ sind.

Was sollte man – abgesehen von der Altstadt – nicht verpassen, wenn man Bamberg besucht?

Dom in Bamberg; Copyright: picture-alliance/dpaMan sollte sich unbedingt den mächtigen Domplatz ansehen, ein Lehrstück in Sachen Kunstgeschichte: Der Dom selbst wurde in der Romanik begonnen und in der Gotik beendet. Die Alte Hofhaltung daneben ist ein wunderschöner Renaissancebau und gegenüber erhebt sich die barocke Residenz – mit dem sehenswerten Rosengarten, von dem aus man einen schönen Blick auf die Altstadt-Dächer hat.

Und natürlich darf man ein Konzert der Bamberger Sinfoniker in der Konzerthalle nicht versäumen.

Im Sommer sind die Bamberger „Keller“ besonders beliebt, das sind die Biergärten auf dem Stephansberg und Kaulberg. Trifft man Sie dort auch?

Oft auf dem Stephansberg, selten auf dem Kaulberg. Was ich an diesen Biergärten schätze – neben dem guten Bamberger Bier –, ist die Tatsache, dass kein Wirt etwas dagegen hat, wenn man sein Essen im Picknickkorb mitbringt und mit der Familie oder mit Freunden am Tisch seine Caprese oder die belegten Brote auspackt.

Sie haben viele Theaterstücke für Kinder und Jugendliche geschrieben. Gibt es in Bamberg dafür Spielstätten?

Es gibt hier zwar das E.T.A.-Hoffmann-Theater, aber der Intendant spielt bevorzugt seine eigenen Kinderstücke. So werden meine Stücke meist im Fränkischen Theater Schloss Maßbach, dem Theater unserer Tochter Anne, uraufgeführt.

Cover `Eine Woche voller Samstage´ von Paul Maar; Copyright: Verlag Friedrich Oetinger GmbHZu Ihren bekanntesten Werken gehören Ihre Geschichten vom Sams, einem ziemlich frechen Fabelwesen. Die beiden Filme, die es mittlerweile dazu gibt – „Das Sams“ und „Das Sams in Gefahr“ –, wurden in Bamberg gedreht. Es gibt sogar Stadt-Führungen zu den Originalschauplätzen. Welche Rolle spielt die Kulisse Bamberg für Ihre Sams-Geschichten?

Als ich die Sams-Geschichten schrieb, wohnte ich noch nicht in Bamberg. In meiner Vorstellung wohnte Herr Taschenbier allerdings in einer süddeutschen Mittelstadt. Dass der Film dann in Bamberg gedreht wurde, lag am Regisseur Ben Verbong. Er besuchte mich hier, um mich kennen zu lernen, verliebte sich in die Stadt und wollte unbedingt hier drehen.

Für die strenge Frau Rotkohl aus dem Sams soll es ein Vorbild in der Realität gegeben haben – eine Hausmeisterin, die Ihren Kindern ständig Vorschriften machte. Gibt es viele Frau Rotkohls in Bamberg?

Das benannte Vorbild wohnte nicht in Bamberg, sondern in einer schwäbischen Stadt, wo meine Familie damals lebte. Hier in Bamberg habe ich noch keine Frau Rotkohl angetroffen. Ehrlich.

„Das Sams“ hat ja viele blaue Wunschpunkte. Wenn Sie einen hätten, was würden Sie sich für Ihre Stadt wünschen?

`Klein Vendig´ in Bamberg; Copyright: www.pixelio.deDa ich bevorzugt mit dem Zug zu meinen Lesungen reise: Einen Bahnhof mit ICE-Anschluss Richtung Frankfurt, Köln, Hamburg. Von Bamberg nach Würzburg brauche ich fast so lange wie dann von Würzburg nach Hamburg.

Es gibt in Bamberg zwei E.T.A.-Hoffmann-Denkmäler. Dort ist der Romantiker immer zusammen mit seinen Fantasiegeschöpfen dargestellt: im Hain, also dem Stadtpark, an der Schillerwiese mit dem redenden Hund Berganza und vor dem Haus Schillerplatz 26 mit seinem Kater Murr. Falls es in Bamberg einmal ein Maar-Denkmal geben würde: Mit wem würden Sie sich gern darstellen lassen und wo stünde das Denkmal dann Ihrer Meinung nach am besten?

Mal die verwegene Idee weitergedacht, dass es ein Maar-Denkmal geben könne: Dann sollte es an meinem Lieblingsspazierweg im Hain stehen. Wenn die Bedingung die wäre, dass ich mich mit einer meiner Figuren darstellen lassen soll, dann am liebsten mit dem tätowierten Hund.

Warum gerade mit dem?

Weil es dem Denkmalgestalter bestimmt Spaß macht, Dutzende von Tätowierungen in die Hundefigur einzugravieren. Außerdem hat ein erstes Buch immer einen ganz besonderen Stellenwert.

Die Fragen stellte Dagmar Giersberg.
Sie arbeitet als freie Publizistin in Bonn.

Foto „Rathaus Bamberg“ © Norbert Leipold / PIXELIO
Foto „‚Klein Venedig‘ in Bamberg“ © Doreen Meißner / PIXELIO

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August 2008

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