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Hof – die Wohnküche des deutschen Films

Ein Interview mit dem Leiter der Hofer Filmtage, Hans Badewitz  Foto: PN_Photo © iStockphotoEin Interview mit dem Leiter der Hofer Filmtage, Hans Badewitz  Foto: PN_Photo © iStockphotoHof ist eine oberfränkische Stadt mit 50.000 Einwohnern. Seit 43 Jahren wird sie jährlich für ein paar Tage zum unglamourösen Mekka der internationalen Filmemacher. Heinz Badewitz, der Leiter der Hofer Filmtage, erzählt über seine Heimatstadt.

Herr Badewitz, Sie haben 1967 die Hofer Filmtage gegründet …

Eigentlich sind die Filmtage nicht gegründet worden. Sie sind als Selbsthilfeaktion junger Filmemacher entstanden, einfach aus der Notwendigkeit heraus, die Filme zu zeigen, die wir gedreht haben. Ich habe damals wie viele andere Filmemacher in München gelebt, in der damaligen Hauptstadt des neuen deutschen Films. Doch dort haben wir kein Kino gefunden, das unsere Filme zeigen wollte. Von den Kinobesitzern bekamen wir gesagt, sie wollten mit uns „langhaarigen Affen“ nichts zu tun haben.

Und wie sind Sie dann auf Hof gekommen?

Ich stamme aus Hof. Ich kannte dort einen Kinobesitzer und der stellte uns einen Saal zur Verfügung. Das war Zufall. Aber in Hof war es von Anfang an wunderbar. 1967 hatten wir ein zweieinhalbstündiges Kurzfilmprogramm. Das Kino war voll – 300 Leute in Sonntagskleidung, so war das damals. Und nach dem Film haben wir im Freibad weiter diskutiert. Kein Mensch hat damals ernsthaft an eine Fortsetzung geglaubt. Die nächsten Jahre ist das Filmfest immer auf Nachfrage der Filmemacher recht spontan entstanden – zum Beispiel, wenn Wim Wenders mich nachts um drei angerufen und gesagt hat: „Heinz, ich hab einen Film fertig.“ Erst bei dem 10. Festival habe ich gewusst, dass es immer so weitergehen wird.

„In Hof war es von Anfang an wunderbar.“  Foto: © Stadt HofWas darf man als Besucher in Hof auf keinen Fall verpassen?

Es gibt sehr schöne Spaziergänge auf den Spuren des Schriftstellers Jean Paul, vom Dorfplatz in Joditz bis zum Schlossplatz in Hof. Der Weg führt wunderbar an der Saale entlang. Überhaupt ist die Landschaft um Hof herum wunderschön. Die Stadt ist zwischen Frankenwald, Erz- und Fichtelgebirge in eine schöne Hügellandschaft eingebettet. Sehr angenehm zum Wandern.

Und in der Stadt selbst?

Sehenswert sind etwa die Michaeliskirche und die Hospitalkirche. Wissen Sie: Hof ist nicht gerade mit Altertümern gesegnet. Ein Großteil der Stadt ist 1823 einem Brand zum Opfer gefallen. Und Hof ist ja eine Biedermeierstadt gewesen. Das heißt: Es gibt zwar viele sehr schöne Innenräume, doch von außen sehen die Häuser alle gleich aus. Das ist eigentlich sehr demokratisch, aber darum kann man die Schönheiten von Hof erst auf den zweiten Blick erkennen.

Welches ist Ihr persönlicher Lieblingsplatz?

Wenn ich in Hof bin, bin ich natürlich überall und nirgends. Im Theresienstein, dem ältesten Bürgerpark Deutschlands, kann man schön spazieren gehen, im Jean-Paul-Café Kaffee trinken und Kuchen essen.

Wim Wenders sagte einmal, Hof sei für ihn das „Home of Films“.

Ja, und Werner Herzog hat einmal gesagt: „Hof ist die Wohnküche des deutschen Films“. Hof ist eben der Ort, wo man sich als Filmemacher am liebsten aufhält. Die Filmtage sind jetzt 43 Jahre alt. Die ganze neue deutsche Filmgeschichte ist in Hof passiert und hier wurde auch die internationale Independent-Geschichte geschrieben.

Was schätzen die internationalen Filmemacher, die nach Hof kommen?

Die Atmosphäre und den nahen Kontakt zum Publikum. Hier gibt es keine Bodyguards, jeder bewegt sich frei. Außerdem gibt es hier kein Haupt- und Nebenprogramm, keine Schubladen. Arrivierte und unbekannte Regisseure sind zusammen in einem Programm. Wir haben die Atmosphäre der Sechziger- und Siebzigerjahre erhalten können. Hof ist bis heute ein Festival von Filmemachern für Filmemacher – und natürlich für das Publikum.

Sind die Hofer ein gutes Publikum?

Das Hofer Publikum: „Die sind wahnsinnig.“  Foto: © Internationale Hofer FilmtageHervorragend! Die sind wahnsinnig. Ein sehr dankbares und kennerisches Publikum – und unglaublich engagiert. Viele Einheimische, die mittlerweile nicht mehr in Hof leben, kommen extra für die Filmtage zurück und arbeiten im Filmtageteam mit oder sind als Zuschauer dabei.

Hof war einer der innerdeutschen Grenzübergänge. Spürt man das heute noch?

Hof hat in den ersten Jahren nach der Wende sehr profitiert. Die Leute aus dem Osten kamen zum Einkaufen hierher; in den ersten Tagen und Wochen nach der Öffnung der Grenzen waren tagsüber doppelt so viele Menschen wie Einwohner in der Stadt. Das war unglaublich.

Aber wie andere grenznahe Städte im Westen hat Hof das Problem, dass danach alle staatlichen Hilfen in den Osten geflossen sind. Viele einheimische Firmen sind nach Sachsen und Thüringen umgezogen, um dort von den Steuererleichterungen zu profitieren. Darunter leidet Hof heute noch. Das hat die Stadt nicht verdient.

Der Fernwehpark Hof „Signs of Fame“ ist eine ziemlich große Sammlung von Ortsschildern aus aller Welt.

Wissen Sie, das ist nicht mein Stil. Aber wem’s gefällt ...

Bekommt man in Hof besonders viel Fernweh?

Nein, man ist ja schon in der Ferne, wenn man in Hof ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man dann von Kanada oder Bali träumt. Man ist einfach da und freut sich.

Dagmar Giersberg
stellte die Fragen. Sie arbeitet als freie Publizistin in Bonn.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
November 2009

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