Panorama

Vorpommersche Flusslandschaft – im Kanu über den Amazonas des Nordens

Vorpommern gilt als beste wassertouristische Region Deutschlands.  Foto: © Abenteuer FlusslandschaftVorpommern gilt als beste wassertouristische Region Deutschlands.  Foto: © Abenteuer FlusslandschaftVier schöne Unbekannte laden ein zu Wasserwanderungen durch die wildromantische Vorpommersche Flusslandschaft: Peene, Recknitz, Trebel und Tollense. An ihren Ufern bieten Zeltplätze und verwunschene Gutshotels Rückzugsorte für Erholungssuchende.

„Amazonas des Nordens“ wird das Flusssystem der Peene gern genannt. Das von ursprünglichen Wiesen, Wäldern und Niedermoorgebieten umrahmte Gewässer schlängelt sich in vielen Windungen über eine Länge von 104 Kilometern quer durch Mecklenburg-Vorpommern, bevor es nahe der Hansestadt Anklam in den Peenestrom mündet. Gegen 24 Urlaubsgebiete aus ganz Deutschland setzte sich die Vorpommersche Flusslandschaft als „beste wassertouristische Region“ durch und wurde im Juni 2010 mit dem Europäischen Tourismuspreis EDEN-Award (European Destination of ExcelleNce) ausgezeichnet. Bei der Preisverleihung schwärmte der Präsident des Deutschen Tourismusverbandes, Reinhard Meyer: „Die Region bietet einmalige Erlebnisse in atemberaubender Landschaft (…) und steht für einen erfolgreichen Naturschutz. Im Ergebnis ein herausragendes europäisches Reiseziel.“

„Einmalige Erlebnisse in atemberaubender Landschaft.“  Foto: © Abenteuer FlusslandschaftZu Besuch bei Bibern und Seeadlern

Das erkunden Besucher am besten auf dem Wasserweg. Wer im Kajak oder Kanadier von Rastplatz zu Rastplatz durch eines der letzten naturbelassenen Flusstäler Europas gleitet, lässt die Zivilisation schnell hinter sich. Der Blick öffnet sich für die Schönheit und Vielfalt der Landschaft. Im klaren Wasser spiegeln sich leuchtend gelbe Trollblumen, Teichrosen und keilförmig angenagte Baumstämme. Sie zeugen von den menschenscheuen Bibern, die hier heimisch sind. Dann wieder lenken bläulich im Sonnenlicht schillernde Libellen oder ein faszinierender Luftkampf zwischen Seeadler und Milan den Blick auf sich. Rund 150 teilweise seltene Brutvogelarten finden in den Auwäldern und Schilfgürteln des Landschafts- und Naturschutzgebiets Peenetal ideale Lebensbedingungen vor. Über perfekte Paddelbedingungen dank eines geringen Gefälles und dem Fehlen von Schleusen freuen sich nicht zuletzt auch die Kanufahrer. Wer ungern selbst zum Paddel greift, kann sich im ebenso umweltfreundlichen wie leisen Solarboot über die Peene schippern lassen.

Im Fluss der Geschichte

Auch geschichtlich hat die wasserreiche Region viel zu bieten. Davon können Interessierte sich im „Alten Lager“ bei Menzlin überzeugen. Am nördlichen Peeneufer entwickelte sich zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert ein Siedlungs- und Seehandelsplatz der Wikinger. Über den Fluss gelangten diese schnell zur Ostsee. Heute erzählt das Flächendenkmal dank zahlreicher Grabfunde vom Alltag und Weltbild der Wikinger. Eine Besonderheit des Gräberfelds sind bootsförmige Steinsetzungen. In deren Zentrum wurden die Urnen der Toten beigesetzt und diese so auf ihre letzte Reise geschickt. Der letzte Reiseabschnitt der meisten Wasserwanderer endet nach vielen erlebnisreichen Flusskilometern in Anklam. Die Peene bildete hier einst die Grenze zwischen Schweden und Preußen.

Perfekte Paddelbedingunen im Peenetal.  Foto: © Abenteuer FlusslandschaftAuch die als Paddelgewässer perfekt geeignete Trebel markierte eine historische Grenze: die zwischen Mecklenburg und Vorpommern. Eine wichtige Verbindung entlang der früher schwer passierbaren Trennlinie stellte die hölzerne Klappbrücke bei Nehringen dar. In dem zeitweise zu Schweden gehörenden Dorf ließ der schwedische Gouverneur Meyerfeld eines der heute letzten erhaltenen barocken Gebäudeensembles in Vorpommern errichten. Sehenswert sind auch die Gutsanlage, die Mitte des 14. Jahrhunderts geweihte und später im Barockstil erweiterte Kirche St. Andreas sowie die Überreste eines rund 700 Jahre alten Burgturms. Die etwa 70 Kilometer lange Trebel bahnt sich ihren Weg durch ein idyllisches eiszeitliches Urstromtal. Im „Dreistromland Demmin“ schließlich mündet sie zusammen mit der Tollense in die Peene.

Zurück zur Natur

Das Peenetal ist eines der letzten naturbelassenen Flusstäler Europas.  Foto: © Abenteuer FlusslandschaftKeine direkte Wasserverbindung von Peene, Trebel und Tollense gibt es zu der sich zwischen Teterow und dem Saaler Bodden bei Ribnitz-Damgarten durch Naturschutzgebiete und Renaturierungsflächen schlängelnden Recknitz. Den fischreichen Fluss säumen duftende Wiesen, schwer zugängliche Moorgebiete und Bruchwälder. Dank der Öffnung mehrerer Altarme fließt die einst an vielen Stellen künstlich begradigte Recknitz nun streckenweise wieder in ihrem ursprünglichen Bett. Insbesondere zwischen Marlow und der Recknitzmündung genießen Kanufahrer natürliche Mäander und urige Ufer. Auch auf einer geführten Floßfahrt gleitet man fast lautlos durch das Untere Recknitztal. Vielleicht sieht man unterwegs einen Fischreiher auffliegen, staunt über eine in Schlangenlinien über den Fluss schwimmende Ringelnatter oder hört das durchdringende Rufen eines Schreiadlers, der am Himmel majestätisch seine Kreise zieht und auf das silbrig glitzernde Flussband hinunterschaut.

Christiane Polus
arbeitet als freiberufliche Journalistin in Hamburg.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
März 2011

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