Touristische Routen

Unterwegs auf der Burgenstraße

Die Faszination der guten alten Zeit

Hornberg Burg; Copyright: Burgenstraße e.V. Die Burgenstraße zwischen Mannheim und Prag ist eingebettet in die Bilderbuchlandschaften des Neckartals, der Fränkischen Schweiz und des Fichtelgebirges – und gesäumt von unzähligen Burgen und Schlössern.

Schloss in Mannheim; Copyright: Burgenstraße e.V.Blick in den Hof der Plassenburg in Kulmbach; Copyright: Burgenstraße e.V.Schloss Callenberg in Coburg; Copyright: Burgenstraße e.V.
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Einer der berühmtesten deutschen Ritter ist wohl Götz von Berlichingen. Dabei kann vermutet werden, dass er seine Berühmtheit weniger seinem Ungestüm und seiner Tapferkeit verdankt, als vielmehr der Tatsache, dass Goethe ihn zur Titelgestalt eines seiner Dramen machte.

Minnesänger in Nürnberg; Copyright: Burgenstraße e.V.Die Annalen berichten jedenfalls, dass der Ritter im Sommer 1504 bei der Belagerung von Landshut durch eine Kanonenkugel seine rechte Hand verlor. Doch das hielt ihn keineswegs vom Kämpfen ab. Götz ließ sich eine Prothese aus Eisen bauen, eine Art Handschuh, die er an seinem Unterarmstumpf festschnallte. Deren Finger ließen sich mit Hilfe von Zahnrädern bewegen. Und Götz soll selbst mit dieser eisernen Hand beim Schwertkampf so schlagkräftig gewesen sein, dass seine Gegner nichts zu lachen hatten.

Geschichten von kämpfenden Rittern in ihren schweren, ungeschmeidigen Rüstungen, von edlen Burgfräuleins, deren Schönheit und Tugendhaftigkeit von Minnesängern gepriesen werden, begeistern nicht nur Kinder. Die geheimnisvolle Welt des Mittelalters zieht Menschen jeden Alters in ihren Bann. Und nirgendwo kann man leichter in diese Welt eintauchen als hinter dicken Burgmauern.

Alte Gemäuer und ihre Geschichten

Burg Egloffstein in der Fränkischen Schweiz; Copyright: Burgenstraße e.V.Die Faszination, die von den Geschichten der alten Gemäuer ausgeht, gab den Anstoß, eine der ersten Touristikrouten Deutschlands ins Leben zu rufen. Am 10. März 1954 schlossen sich die Städte Mannheim, Heidelberg, Heilbronn, Rothenburg ob der Tauber, Ansbach und Nürnberg zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen. Gemeinsam wollten sie die attraktiven Ferien- und Ausflugsziele der Städte und deren Umgebungen touristisch erschließen.

Da die Strecke zwischen Mannheim und Nürnberg von zahlreichen Burgen und Schlösser gesäumt ist, fiel es den Städtevertretern nicht schwer, sich auf einen Namen für ihre Ferienroute zu einigen. Und so wurde – übrigens auf Initiative der Stadt Heilbronn – die Deutsche Burgenstraße gegründet.

In 40 Jahren von 320 auf 1.200 Kilometer

Luftansicht von Kronach; Copyright: Burgenstraße e.V.
Kronach
Seither ist die Straße kontinuierlich gen Osten verlängert worden. Aus den ursprünglich 320 Kilometern wurden im Laufe der Jahre rund 1.200. Die erste Ost-Erweiterung von der Dürer-Stadt Nürnberg bis in die Wagner-Stadt Bayreuth bescherte der Straße als Zuwachs die Fränkische Schweiz. Damit gewann die Burgenstraße die imposanten Festungsanlagen von Coburg, Kronach und Kulmbach hinzu sowie die alte Bischofs- und Kaiserstadt Bamberg, die seit 1993 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs zu Beginn der 90er Jahre bot sich erstmals die Gelegenheit, der deutschen Ferienstraße eine internationale Perspektive zu geben. Und die wurde auch gleich genutzt: Zu ihrem 40-jährigen Jubiläum wuchs die Traditionsroute über die Grenzen hinaus nach Tschechien. Heute endet die Burgenstraße in der "Goldenen Stadt" Prag. Auf dem tschechischen Teil der Route laden unter anderem das 1193 gegründete Kloster Teplá mit seiner wertvollen Bibliothek sowie die Burg Karlštejn, die Karl IV. 1348 erbauen ließ, zu einem Besuch ein.

Kalender voller Veranstaltungen und Feste

Weihnachtsmarkt in Bad Wimpfen; Copyright: Burgenstraße e.V.
Bad Wimpfen
Das ganze Jahr über finden entlang der Burgenstraße Feste und Veranstaltungen statt. Die historischen Städte warten mit zahlreichen kulturellen Highlights auf. Die Burgen und Schlösser am Wegesrand überbieten sich gegenseitig mit Freilichtaufführungen vor historischer Kulisse, mittelalterlichen Burg- und Schlossfesten, Gartenfestivals, Ritterturnieren und traditionellen Handwerkermärkten.

Berühmte Beispiele sind die Freilichtspiele auf der Freitreppe in Schwäbisch Hall oder die Schlossfestspiele in Heidelberg. In Ansbach lassen die farbenprächtigen Rokokospiele das 18. Jahrhundert eindrucksvoll aufleben. In Rothenburg ob der Tauber erinnert alljährlich an Pfingsten der historische Meistertrunk daran, wie Bürgermeister Nusch im Jahre 1631 die Stadt vor einer Besatzung gerettet haben soll, indem er über drei Liter Wein auf einen Zug getrunken hat. Und in Nürnberg geben in jedem Sommer beim Bardentreffen Sänger alte und neue Weisen zum Besten.

Etliche Feste entlang der Burgenstraße sind kulinarischen Genüssen gewidmet. So lädt beispielsweise Schwetzingen im Mai zur Spargelmeile ein. In Kulmbach findet im Sommer die berühmte Bierwoche mit dem stärksten Bier der Welt statt und der Herbst gehört den Weinfesten im Neckartal. Wer die Burgenstraße im Winter besucht, wird sich auf den stimmungsvollen Weihnachtsmärkten tummeln – auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt, dem Altdeutschen Weihnachtsmarkt in Bad Wimpfen oder dem Reiterlesmarkt in Rothenburg.

Von Rittern und Burgfräuleins

Mehr als hundert Museen sind entlang der Burgenstraße zu finden. Im Apothekenmuseum im Heidelberger Schloss erfährt man alles Wissenswerte über Heilkräuter und Giftmischungen. Das Klöppelmuseum im mittelfränkischen Abenberg zeigt, wie einst wertvolle Spitzen entstanden sind. In Bayreuth kann man das einzige Freimaurer-Museum Deutschlands besuchen und die Plassenburg oberhalb von Kulmbach beherbergt das Deutsche Zinnfigurenmuseum.

Hornberg Burg; Copyright: Burgenstraße e.V.Äußerst beredt erzählt eine Ausstellung auf Burg Guttenberg vom Leben der Ritter und Burgfräuleins. Fast in Sichtweite von dort liegt die Burg Hornberg, auf der Götz von Berlichingen seinen zwölfjährigen Hausarrest absaß, der ihm als Führer aufständischer Bauern aufgebrummt worden war. Und im Schloss von Jagsthausen, dem Geburtsort von Götz, kann man heute noch seine eiserne Prothese in Augenschein nehmen.

Dagmar Giersberg
arbeitet als freie Publizistin in Bonn

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April 2007

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