Foto: Kai Wiedenhöfer

    Jugend

    Über Fikrun

    Fikrun wa Fann war eine von 1963 bis 2016 vom Goethe-Institut herausgegebene Kulturzeitschrift, die den kulturellen Austausch zwischen Deutschland und den islamisch geprägten Ländern gefördert und mitgestaltet hat. Mit dem Erscheinen der letzten Ausgabe „Flucht und Vertreibung“ (Heft 105) im Herbst 2016 wurde auch die Pflege und Aktualisierung dieses Online-Portals eingestellt.

    Kommen, Bleiben und Verändern

    Mustafa Ja'Far: Ya kulla kulli
    The Word into Art exhibition, British Museum, London
    Wie arrangieren sich Kinder und Jugendliche mit ihrem Status als Migranten? Was sind ihre Probleme, wie lösen sie sie und welche Subkulturen bilden sich heraus?

    Auch wenn Kinder häufig die ersten Opfer der Migration sind, spielen sie häufig eine treibende Kraft bei der Integration.

    Das Sprechen über Migranten unterliegt wechselnden politischen und gesellschaftlichen Konjunkturen in Deutschland. Gastarbeiter, Ausländer, Nicht-deutsche oder Migrant sind Begrifflichkeiten, die Akteure in der Peripherie beschreiben. In der Bezeichnung Gastarbeiter verschmelzen Status und Herkunft miteinander. Bei dieser Betrachtung ist der Gast stets der Fremde. Der Zustand der Fremdheit wird auch den Kindern der so genannten Gastarbeiter, die selbst in Deutschland aufgewachsen sind, weiterhin zugeschrieben. Diese Zuschreibung geht einher mit einer spezifischen juristischen Verortung, in der das Eigene und das Fremde ebenfalls neu produziert werden.

    Die Lebenswelten in Deutschland sind allerdings heterogen und in ihrer täglichen Praxis höchst unterschiedlich. Die Dichotomie der Begriffe Deutsch und Migrant wird dieser Realität nicht gerecht. Einschlägige Kulturtheoretiker wie Stuart Hall konzentrieren sich bei der Betrachtung von Minderheiten gerade auf den Aspekt der Hybridität. Kulturanthropologen betrachten die Herausbildung von Identitäten als einen höchst dynamischen Prozess. Die Kulturanthropologin Ina M. Greverus spricht hier sinnbildlich von einer Collage. Begriffe sind immer Aushandlungsprozesse der Gesellschaft, in der Selbst- und Fremdbilder konstruiert und Brüche offenbart werden. Um sie in ihrer Logik nachzeichnen zu können, greift auch dieser Beitrag auf Begriffe zurück, die es eigentlich aufzulösen gilt.

    Download SymbolMurat Güngör: Kommen, bleiben und verändern (pdf, 48 KB)

    Murat Güngör arbeitet als Musiker, Rapper und DJ.
    Er hat Kulturanthropologie und Soziologie in Frankfurt studiert. Er ist Mitbegründer der Gruppe Kanak Attak.

    Januar 2007

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