Foto: Kai Wiedenhöfer

    West-östliche Kinemathek

    Gebildet und gut angezogen
    Arabische Filmemacherinnen des modernen arabischen Kinos

    Frauen spielen auch als Regisseurinnen eine immer bedeutendere Rolle im zeitgenössischen arabischen Kino. Im Spannungsfeld zwischen Patriarchat und Islamisums einerseits und Emanzipationsbewegung andererseits gestalten sie eine neue, eindrückliche Filmsprache.


    Szene aus Raja Amaris Filmdebut ‚Al-Sitar al-Ahmar’ (‚Roter Satin’, 2002). Copyright: Alamode Film/Pyramide International/ADR

    Auf einem Balkon steht ein junger Mann, nur mit einem Slip bekleidet. Aus seiner Wohnung dröhnt der 70er Jahre Disco-Hit "Daddy Cool" von Boney M. Der Mann lehnt sich über das Balkongeländer und beobachtet zwei Mädchen auf der anderen Straßenseite. Und die beobachten ihn. "What's he doing now?", fragt die eine. "He is touching himself", kichert die andere.

    Mit frechen Szenen wie dieser schaffte es das Spielfilmdebüt "Maarek Hob/Dans les champs du bataille" ("In the battlefields") der jungen Libanesin Danielle Arbid im vergangenen Jahr bis zur Premiere in Cannes. Arbids Landsfrau Jocelyne Saab hatte dieses Jahr nicht so viel Glück. Trotz Nominierung wurde ihr neuer Film nicht in den Wettbewerb genommen. Für Saab, eine der erfahrensten arabischen Filmemacherinnen, bedeutet diese Ablehnung für Cannes nicht nur eine künstlerische Enttäuschung: Auch ihre Hoffnungen, schnell einen Verleih zu finden, sind geplatzt. Ihre immensen Bankschulden bleiben nun vorerst ungetilgt.

    Bereits im Goldenen Zeitalter des ägyptischen Stummfilms gehörten Frauen zu den Pionierinnen des arabischen Films. Und auch im modernen arabischen Kino (englisch: new Arab Cinema) gehören sie zu den künstlerischen und thematischen WegbereiterInnen. In ihren Filmen geht es fast ausnahmlos darum, Frauen zu Wort kommen zu lassen und unbekannte Facetten ihrer Lebenswelten sowie ihre versteckte Rolle in der Geschichte ihres Landes zu zeigen. Wagemutig brechen die Regisseurinnen so manche gesellschaftlichen Tabus.

    Waren die Filmpionierinnen der ersten Stunde noch Autodidaktinnen, so mauserte sich die neue Generation von Filmemacherinnen zu einem modernen Frauentyp, der seither das Profil der arabischen Regisseurinnen prägt: Frauen mit fundierter Ausbildung an einer Filmhochschule oder mit einem vergleichbaren akademischen Hintergrund. Für diese Frauen bedeutet Filmemachen nicht mehr nur Berufung, sondern Beruf im Sinne von Karriere und Lebensunterhalt. Anders als die Stummfilmpionierinnen schrecken sie nicht davor zurück, sich als Profis in der Filmbranche durchzuboxen.

    Die ägyptische Dokumentarfilmerin Ateyyat El Abnoudy war in den siebziger Jahren die Erste dieser neuen Generation, die sich mit ihrer Firma "Abnoud Film" eine eigene Produktionsbasis aufbauen konnte. Bereits 1971 kreierte sie einen eigenen Stil, den sie "poetischen Realismus" nannte: Mit viel Bedacht auf Ästhetik und Atmosphäre bildet sie die soziale Wirklichkeit ab. Selbst ein Kind aus der Arbeiterklasse, dokumentierte sie die Gesichter und Geschichten von Bauern und Tagelöhnern. Sie wurde dafür als "die Filmemacherin der einfachen Leute" verehrt.
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    Von Rebecca Hillauer

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