Foto: Kai Wiedenhöfer

    Übersetzung zwischen den Kulturen

    Über Fikrun

    Fikrun wa Fann war eine von 1963 bis 2016 vom Goethe-Institut herausgegebene Kulturzeitschrift, die den kulturellen Austausch zwischen Deutschland und den islamisch geprägten Ländern gefördert und mitgestaltet hat. Mit dem Erscheinen der letzten Ausgabe „Flucht und Vertreibung“ (Heft 105) im Herbst 2016 wurde auch die Pflege und Aktualisierung dieses Online-Portals eingestellt.

    Die lateinisch-arabischen Übersetzungen in Andalusien

    Foto: Magdalena von Angerer
    Alhambra, Granada, Spanien

    Die arabisch-lateinische Übersetzungsbewegung in Spanien zählt zu den Gründungsmythen europäischer Kultur. Ihr ist ein ehrenvoller und vielleicht etwas zu erhabener Platz in der Geschichte der Alten Welt reserviert: als Initiator in der Renaissance des 12. Jahrhunderts, als der eigentliche naturwissenschaftliche Aufbruch des Abendlandes, als Signal einer neuen, mittelalterlichen Intellektuellenkultur, als Beginn der langen Dauer des aristotelischen Weltbildes im Abendland oder, anders gesagt, des langen Mittelalters, das sein Ende erst mit dem Untergang der feudalen Agrargesellschaft finden sollte. Und doch wird das Ereignis selbst häufiger beschrieben als erklärt, öfter ins Feld geführt als verstanden. Man liest von Routen, auf denen das Wissen gewandert sein soll, von Athen über Alexandrien und Bagdad nach Toledo, und man hört von den grossen Übersetzern wie Gerhard von Cremona, aber man erfährt wenig über Ursachen und Motivationen. Das überrascht nicht, sondern macht wohl gerade den Charakter eines für die Gegenwart mythischen Vorganges aus.

    Es ist noch nicht so weit, dass die historische Forschung der Erzählung der Moderne in vollem Selbstbewusstsein vorschreiben könnte, wie sie die Übersetzungsbewegung einzuordnen habe. In den letzten Jahrzehnten haben vor allem spanische und englische Forscher wie Francisco Hernández und Charles Burnett neue Details über Leben und Arbeit der Übersetzer aus den Quellen zusammengetragen. Man kann sich die Hürden, vor denen die Recherche hier steht, verdeutlichen, wenn man z. B. die Zahl der Personen im mittelalterlichen Kastilien bedenkt, die Johannes mit Vornamen heissen und identisch sein könnten mit dem Übersetzer Johannes Hispanus. Ähnlich ungünstig ist die Quellenlage in Bezug auf das weitere intellektuelle Umfeld, da nur enttäuschend wenige zeitgenössische Dokumente erhalten sind, die die Übersetzungen überhaupt erwähnen und uns so einen Aussenblick auf das Phänomen ermöglichten.

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    Dag Hasse

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