Foto: Kai Wiedenhöfer

    Wissenschaft

    Über Fikrun

    Fikrun wa Fann war eine von 1963 bis 2016 vom Goethe-Institut herausgegebene Kulturzeitschrift, die den kulturellen Austausch zwischen Deutschland und den islamisch geprägten Ländern gefördert und mitgestaltet hat. Mit dem Erscheinen der letzten Ausgabe „Flucht und Vertreibung“ (Heft 105) im Herbst 2016 wurde auch die Pflege und Aktualisierung dieses Online-Portals eingestellt.

    Wo Gott wohnt: Hirnforschung und Religion

    Wolfgang Maria Weber/argus
    Gehirnforschung
    Was passiert, wenn wir beten, meditieren oder sonst wie religiös aktiv sind? Neurowissenschaftler bringen mit bildgebenden Verfahren ans Licht, was dabei im Gehirn geschieht. Wohnt Gott nur in unseren Köpfen?

    "Gott ist tot". Dieser Satz machte den Philosophen Friedrich Nietzsche berühmt - bewahrheitet hat er sich jedoch nicht. Auch heute, mehr als ein Jahrhundert nach Nietzsches eigenem Abschied, erfreuen sich die verschiedenen Religionen, allen Unkenrufen der Materialisten und Atheisten zum Trotz, weltweit betrachtet ungebrochener Beliebtheit. Totgesagte leben eben länger, möchte man dem Philosophen da ins Jenseits zurufen.

    Die Naturwissenschaften schenkten dem Glauben an ein höheres Wesen bis vor wenigen Jahren kaum Beachtung; Religion galt als ein rein soziokulturelles Phänomen, als Konstrukt des menschlichen Geistes. Jetzt scheint die scientific community aber nicht länger willens, das Feld den Theologen und Soziologen kampflos zu überlassen. Eine stetig wachsende Schar von Hirnforschern, Psychologen und Radiologen macht sich auf, die Wurzeln des Glaubens zu finden.

    Ihr Suchgebiet ist das Gehirn. Bewaffnet mit modernsten bildgebenden Verfahren wollen die so genannten Neurotheologen das, was ein Gläubiger als transzendente Realität oder Wirken Gottes beschreiben würde, mit neuronalen Verschaltungen und biochemischen Prozessen erklären. Und siehe da: Die Quintessenz ihrer Bemühungen ist eine Provokation für all jene, die an die Existenz eines übergeordneten Geistes glauben. Religiöse Empfindungen entspringen demnach, wie alle anderen menschlichen Gefühlsregungen auch, dem Wirrwarr der einhundert Milliarden Nervenzellen unter unserer Schädeldecke. Ist Gott also nichts weiter als ein Hirngespinst?

    Download Symbol Ulrich Kraft: Wo Gott wohnt (pdf, 173 KB)

    Ulrich Kraft ist Mediziner und Redakteur bei der Zeitschrift Gehirn&Geist.

    April 2007