„Da war ich begeistert“
Wir haben telefoniert, willkürlich, durch die gesamte Bundesrepublik Deutschland - von Nord bis Süd und von West nach Ost. Doch eines eint die Gesprächspartner: Ihre Telefonnummern beinhalten das Jahr der Staatsgründung der Bundesrepublik und der DDR, 1949, das Jahr des Mauerfalls, 1989, und mitunter sogar das Jahr 2009, das Jubiläum zum 20. Jahrestag der Wende. Wir wollten von den Teilnehmern wissen: Wie haben Sie den 9. November 1989 erlebt, was hat sich für Sie seit diesem Tag verändert?
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WEST: Baden-Württemberg, Großstadt, Frau:
„Wir haben den Mauerfall damals in Fernsehen gesehen. Aber persönlich haben wir keinen Bezug zur ehemaligen DDR. Wir waren auch bis heute noch nie in Ostdeutschland und auch noch nie in Berlin. Aber es ist geplant. Dann möchte ich den Reichstag sehen. Dass wir noch nicht dort waren hat verschiedene Umstände. Es kommt eben darauf an, wie sich das Leben gerade so gestaltet und dann ist es nicht immer möglich, solche Dinge zu machen, die man gerne machen würde.“
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WEST: Hessen, Großstadt, Frau:
„Ich war am Tag als die Mauer fiel in Amerika, ganz weit weg. Aber ich habe es live im Fernsehen gesehen. Durch die Zeitverschiebung ging das. Es war ja erst abends. Es war ja aber vorher schon dieser Umbruch da, dass man schon gesehen hat, es passiert irgendwas. Aber es war schon ein Ereignis. Das ging unter die Haut. Wir sind an dem Abend auch nicht mehr weg gegangen. Wir haben nur vor dem Fernseher gesessen und das verfolgt. Irgendwie hab ich es auch bedauert, dass ich nicht näher dran war. Denn die Stimmung, die dann hier in Deutschland war, das haben wir nicht miterlebt, weil wir noch drei Wochen in den Staaten waren.“
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WEST: Rheinland-Pfalz, Dorf, Mann:
„Am 9. November 1989 war ich unten im Restaurant am Teppich-Verlegen. Dann habe ich nachts, als ich nach Hause gekommen bin, den Fernseher angemacht und dann das alles mitbekommen: die Mauer war gefallen, die Grenzen waren offen, die Menschen begrüßten sich. Da war ich begeistert und ich habe mich gefreut.“
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WEST: Niedersachsen, Kleinstadt, Frau:
„Ich war damals 19 Jahre alt und das ist eigentlich mein Geburtstag, der 9. November. Ich ärgere mich auch ein wenig, dass der Tag nicht auch der Tag der deutschen Einheit geworden ist. Dann wäre das der Feiertag geworden.“
„Da war ich begeistert“

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WEST: Niedersachsen, Dorf, Schülerin:
„Mauerfall? 3. Oktober, Tag der Deutschen Einheit. Hat das damit zu tun? In der Schule hatten wir das Thema noch nicht. Aber ich weiß, dass die Leute versucht haben, aus Ostdeutschland raus zu kommen, weil sie ja sozusagen eingesperrt waren. Dann haben sie protestiert und irgendwann ist die Mauer halt gefallen. Ich würde so eine Mauer nicht wollen. Doch eigene Eindrücke von Berlin oder Ostdeutschland konnte ich mir bisher noch nicht machen. Ich war nur einmal in Bayern.“
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OST: Brandenburg, Dorf, Frau:
„Wenn die Mauer nicht gefallen wäre, würde ich noch heute mit Kohle heizen müssen.“
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OST: Brandenburg, Großstadt, Frau:
„Wenn die Wende nicht gewesen wäre, hätte ich kein Highschool-Jahr in Amerika machen können. Meine Eltern hätten noch immer kein eigenes Haus. Und an Weihnachten muss man heute nicht mehr für Orangen anstehen. Aber Bananen gab es auch in der DDR. Dass es keine gab, das ist ein Klischee. (lacht).“
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WEST: Baden-Württemberg, Dorf, Mann:
„Ich war selbst nicht dabei. Aber einer meiner Vettern hat damals für ein halbes Jahr in Berlin gearbeitet. Es gab ja noch keine Handys, sonst hätte ich ihn natürlich angerufen und gefragt, was in Berlin los ist.“
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WEST: Bayern, Dorf, Mann:
„1990 sind wir extra hingefahren nach Berlin, haben zugesehen, wie sie sie zusammengeschlagen haben, die Mauer. Da haben sie Steine von der Mauer verkauft. Aber ich sage gleich wie es ist, ich habe keine gekauft. Dafür gebe ich kein Geld aus, habe ich gesagt.“
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OST, Sachsen-Anhalt, Dorf, Mann:
„Mit der Wende hat sich alles verändert. 100 Prozent. Das erste, was ich nach der Wende gemacht habe? Ich habe mich selbständig gemacht..“
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WEST: Bayern, Dorf, Mann:
„Anfang der 90er Jahre war eine Person bei uns im Allgäu zu Besuch, wir hatten ein Fest und wir saßen gemütlich beisammen. Dann hat sie gesagt, wie schön dass es jetzt sei, seit dem Mauerfall. Und ich habe dann zu ihr gesagt, jetzt habt ihr Jahrzehnte lang die Mauer gehabt. Und jetzt werdet ihr sicher zwanzig Jahre brauchen, bis ihr ungefähr das gleiche Verhältnis habt, wie in Westdeutschland. Dann hat sie die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Dann habe ich gesagt, das dürfen sie mir ruhig glauben. Es wird so lange dauern, bis das mit Ost und West alles wieder gleich ist. Und ich glaube, da lag ich gar nicht so falsch. Es hängt ja noch immer alles hinten nach.“ (lacht)
führte die Interviews. Sie ist freie Journalistin in Köln. Sie arbeitet für den Westdeutschen Rundfunk.
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Februar 2009
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