Bücherkommentare

Was lasen die 68er, bevor sie selber zu Autoren wurden?

Eine kommentierte Bibliographie ausgewählter Schriften für den Wiedereinstieg

Viele der Schriften, die für die 68er-Generation eine einflussreiche Bedeutsamkeit erlangten, mussten regelrecht ausgegraben werden, weil sie in den Buchläden nicht mehr verfügbar waren. Sie mussten mühsam antiquarisch besorgt und – wie etwa Georg Lukàcs’ Geschichte und Klassenbewusstsein (1923) oder Wilhelm Reichs Massenpsychologie des Faschismus (1933) – im Raubdruck vervielfältigt werden, damit sie einer größeren studentischen Leserschaft zugänglich gemacht werden konnten. Andere Schriften – wie etwa die Dialektik der Aufklärung (1944) von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno – lagen wiederum schon vor. Von Marcus Hawel

Zwar gibt es einen allgemeinen und direkten kausalen Zusammenhang zwischen Theorie und Praxis nicht. Für die Studentenproteste der späten sechziger Jahre ist es aber nicht unerheblich gewesen, auf welche theoretischen Analysen sich die 68er bezogen haben, da bei ihnen ein besonders großes Bedürfnis nach Einheit von Theorie und Praxis, das heißt nach theoretischer Legitimation emanzipatorischer Praxis, vorhanden war, die regelrechte Suchbewegungen in Gang gesetzt hat.

Die folgende kleine kommentierte Bibliographie soll dem Einstieg, nicht der Einführung dienen; sie braucht deshalb nicht dem Anspruch auf Vollständigkeit genüge tun; sie ist exemplarisch und durchaus selektiv.
Dr. Marcus Hawel
ist Publizist, Soziologe und Mitherausgeber der Online-Zeitschrift Sozialistische Positionen. Zurzeit arbeitet er als Lehrbeauftragter am Institut für Politische Wissenschaft der Leibniz Universität Hannover.

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Februar 2008