Kultur und Entwicklung: Kulturelle Infrastruktur

Erhalten und Qualifizieren: Das Gemälde Last Supper

Kulturerhalt: Konservatoren des Indian National Trust for Art and Cultural Heritage bei der Restaurierung des Gemäldes Last Supper von Johann Zoffany – ein Qualifizierungsangebot des Goethe-Instituts Kolkata (© 2010 Goethe-Institut/Max Mueller Bhavan Indien)
Kulturerhalt: Konservatoren des Indian National Trust for Art and Cultural Heritage bei der Restaurierung des Gemäldes Last Supper von Johann Zoffany – ein Qualifizierungsangebot des Goethe-Instituts Kolkata (© 2010 Goethe-Institut/Max Mueller Bhavan Indien)
Als am 4. Juli 2010 in der St. John's Church in Kolkata Johann Zoffanys Ölgemälde Last Supper aus dem Jahr 1787 feierlich enthüllt wurde, erstrahlte ein bedeutender Kunstschatz der Stadt im ursprünglichen Glanz. Zugleich fand eines von drei Projekten der Initiative „Kultur und Entwicklung“ in Kolkata seinen erfolgreichen Abschluss.

Video: Gemälderestaurierung - Ein Qualifizierungsprojekt

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Fünf Monate lang hatten fünf indische Konservatoren unter Leitung und Aufsicht der deutschen Restauratorin Renate Kant an der Wiederherstellung des Meisterwerks gearbeitet. Dabei eigneten sich die Trainees des Indian National Trust for Art and Cultural Heritage (INTACH) umfassende Kenntnisse in Kunstkonservierungstechniken an. „Learning by doing“ hieß das Motto des Restaurierungs- und Weiterbildungsprojekts, das durch die langjährige Zusammenarbeit des Goethe-Instituts und INTACH entstanden war. Ziel war es, indischen Restauratoren Theorie und Praxis der Kunstkonservierung durch die konkrete Arbeit an einem historischen Gemälde zu vermitteln. Dieser komplexe Lernprozess und die Entwicklung eines gesteigerten Verantwortungsbewusstseins für den Erhalt des kulturellen Erbes sowie die Motivation zu künftiger Weiterbildung standen im Fokus des Projekts.

Wahl des Gemäldes

Das Gemälde (Ausschnitt): Substanzielle Schäden und Übermalungen | © 2010 Goethe-Institut/Max Mueller Bhavan IndienGanz bewusst wurde gemeinsam mit Renate Kant Johann Zoffanys Ölgemälde Last Supper (Letztes Abendmahl), Öl auf Leinwand (244 x 160 cm), ausgesucht. „Es hat mit seiner Lasurtechnik des 18. Jahrhunderts und seiner ortsspezifischen Veralterung viel anzubieten für die Studenten“, so Renate Kant. Der in Frankfurt am Main gebürtige neoklassizistische Maler Zoffany (1733-1810) hatte sich bereits als Porträtmaler der britischen Königsfamilie einen Namen gemacht, bevor er 1783 nach Kolkata kam. 1787 erhielt er den Auftrag für die Darstellung des letzten Abendmahles, welche die von Warren Hastings neu gegründete St. John's Church zieren sollte.

Analyse von Schäden und Restaurierung

Als die fünf Restauratoren und Renate Kant am 9. Februar 2010 mit den umfangreichen Arbeiten begannen, befand sich das Kunstwerk in einem schlechten Zustand. Das feucht-heiße Klima, aber auch Vandalismus, mechanische Schäden sowie deren unprofessionelle Restaurierungsversuche hatten dem Bild substanziell geschadet. In regelmäßigen Arbeitssequenzen erfolgte nun eine sorgfältige Restaurierung. Analyse von Schäden und Restaurierung | © 2010 Goethe-Institut/Max Mueller Bhavan IndienDazu wurde eigens eine mobile Werkstatt im rechten Kirchenschiff eingerichtet. Nachdem das Gemälde abgehängt und aus seinem Rahmen genommen war, erfolgte eine Bestandsaufnahme der Schäden: Große Bereiche waren deckend oder halbtransparent unstimmig übermalt worden, Schnitte und Risse hatte man großflächig mit spröden oder extrem harten Kittmischungen übergroß aufgefüllt. Die Restaurierungsarbeiten sollten nun der ästhetischen und der historischen Bedeutung des Gemäldes gerecht werden. Nach der Reinigung, begann man mit dem Entfernen verfärbter nicht originaler Überzüge und Übermalungen auf übergroßen Kittungen. Erst dann konnte mit der Retusche der Fehlstellen in minimalistischer Detailannäherung begonnen werden.

Möglichkeiten zum Lernen

Wiederherstellungsprozess | © 2010 Goethe-Institut/Max Mueller Bhavan Indien„Die Gruppe der von INTACH ausgebildeten jungen Restauratoren hatte noch nie an einem Gemälde dieses Ausmaßes gearbeitet, das sowohl durch das große Format, als auch durch das spezifische Schadensbild sowie dessen vorangegangenen unprofessionellen Behandlungen eine erhebliche Herausforderung darstellt“, erklärte Renate Kant. So bot der komplexe Prozess auch hervorragende Möglichkeiten zum Lernen: „Erstmals mit einem so großen Gemälde zu arbeiten, hat uns viel Selbstvertrauen gegeben“, bestätigte Subash Baral, der die Gruppe indischer Restauratoren leitete.

Gelungenes Beispiel

Bis das Gemälde im Juli 2010 wieder an seinen alten Platz hing, besuchte Renate Kant regelmäßig das Projekt, um mit den indischen Trainees zusammenzuarbeiten und die Fortschritte zu diskutieren. Wichtig war ihr „die Authentizität zu respektieren, nichts zu überdecken und nichts zu entfernen was original ist“. Eine Herausforderung, die von den Restauratoren so erfolgreich gemeistert wurde, dass sich Dr. Reimar Volker, Institutsleiter des Goethe-Institut/Max Mueller Bhavan, davon ein „gelungenes Beispiel“ für andere Länder und andere Teile Indiens verspricht. „Wir hoffen, dass wir dieses ganze Projekt, die Workshops und Trainingseinheiten weiter führen können, denn wir sehen, dass es ein großes Interesse und einen hohen Bedarf für diese Art von professioneller Unterstützung in Indien gibt.“
Links zum Thema

Reportagen Bilder Gespräche: Kultur und Entwicklung

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Das Goethe-Magazin 02/2012 bietet spannende Einblicke in das Programm der Initiative „Kultur und Entwicklung“.

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