Fortbildung für indische Musiklehrer

Sur Sangam – Fortbildung für indische Musikschullehrkräfte

Geigenstunde erteilt von Maria Gorette, Kala Academy, Goa © Matthias Emmerling
Geigenstunde erteilt von Maria Gorette, Kala Academy, Goa © Matthias Emmerling
In der klassischen indischen Musik werden instrumentale Fertigkeiten meist innerhalb eines persönlich ebenso engen wie hierarchisch organisierten Lehrer-Schüler-Verhältnisses (gurushishya) weitergegeben. Bemerkenswert ist, dass jenseits dieser oral vermittelten Musiktradition in Indien die europäische Kunstmusik gleichfalls rezipiert wird und folglich entsprechende instrumentale Fertigkeiten auf Musikinstrumenten wie Klavier, Violine oder Gitarre etc. erworben und weitergegeben werden.

Die Gründe dafür liegen sicherlich zum einen in der kolonialen Vergangenheit, die hier in einer Teilkultur der musikalischen Ausdrucksformen weiterlebt, zum anderen in der wachsenden ökonomischen Potenz Indiens und den damit gleichzeitig stattfindenden gesellschaftlichen Umwälzungen.

Fortbildung an der Hochschule für Musik Würzburg, © Goethe-InstitutAuf den Wunsch indischer Musiker nach fachlichem Austausch und Etablierung professioneller Netzwerke reagierten das Goethe-Institut/Max Mueller Bhavan Kolkata und die Hochschule für Musik Würzburg mit einem Qualifizierungsprogramm. Es erhielt den Namen „Sur Sangam – Sharing Western Music“. Um die Voraussetzungen für ein Qualifizierungsprojekt zu ermitteln, beauftragte das Goethe-Institut/Max Mueller Bhavan Kolkata im Jahr 2009 Dr. Bernd Clausen, Professor für Musikpädagogik und Experte für interkulturelle Fragestellungen an der Hochschule für Musik Würzburg, mit einer Bedarfsstudie. Auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse entwickelte Prof. Dr. Clausen im Rahmen der vom Goethe-Institut weltweit gestarteten Initiative „Kultur und Entwicklung“ ein Projektdesign, das auf den in der Studie identifizierten Ebenen verschiedene Maßnahmen vorsah. Die in der Initiative vorgesehenen vier Handlungsfelder wurden dabei so weit wie möglich berücksichtigt, insbesondere die beiden Felder „Berufliche Qualifizierung“ und „Bildungsberatung / Bildungskooperation“. Ein zentrales Element dieses Projektes bestand daher in einer Fortbildung für indische Musiker an indischen Musikschulen.

Vor diesem Hintergrund entwarfen die gleichfalls in Würzburg lehrende Instrumentalpädagogin Prof. Dr. Barbara Busch sowie die Leiterin des Studiengangs Elementare Musikpädagogik Prof. Barbara Metzger im Auftrag des Goethe-Instituts ein aus insgesamt drei Modulen bestehendes Fortbildungsprogramm. Ziel der im November 2009 vorgelegten Konzeption war, erfahrene Instrumentalpädagogen aus Indien Grundlagen des instrumentalpädagogischen Denkens und Handelns, so wie dieses sich in der Musikschularbeit und Hochschullehre in Deutschland etabliert haben, kennen lernen zu lassen. Die in Theorie und Praxis erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten sollten darüber hinaus von den Fortbildungsteilnehmern im Hinblick auf die spezifischen Bedürfnisse und Möglichkeiten der Musikschularbeit in Indien überprüft und übertragen werden.

Als Pilotprojekt wurde die Konzeption mit 13 indischen Musikschullehrenden umgesetzt. Dabei gliederte sich die Fortbildung in folgende drei Module:

Klavierstunde erteilt von Newton Packiaraj, William Joseph Music Foundation, Bangalore, © Matthias Emmerling Das erste Modul wurde vom 12. April bis zum 7. Mai 2010 an der Hochschule für Musik Würzburg ausgerichtet. Um sich auf ihren Aufenthalt vorzubereiten, hatten die indischen Musiklehrer zuvor Sprachkurse an den Goethe-Instituten in Indien besucht. In Deutschland angekommen, lernten die Teilnehmer zum einen den Musikschulalltag in Deutschland kennen und setzen ihre Beobachtungen in Bezug zu ihren eigenen Unterrichtserfahrungen. Zum anderen erhielten sie Einblick in die Ausbildung von Instrumentalpädagogen an der Hochschule für Musik Würzburg: Sie hospitierten in Lehrveranstaltungen bzw. besuchten eigens für sie durchgeführte didaktische Seminare und konnten ihre eigenen künstlerischen Fertigkeiten mit Instrumentallehrerinnen und -lehrer der HfM Würzburg optimieren. Im gegenseitigen Austausch musikpädagogische Impulse aufzunehmen sowie die neu gewonnenen Kenntnisse auf die eigene Unterrichtserfahrung zu übertragen, waren Schwerpunkte dieser ersten Fortbildungsphase, die unter der fachlichen Leitung von Prof. Dr. Barbara Busch und Prof. Barbara Metzger stand. Dabei wurden sie von Kolleginnen und Kollegen der HfM Würzburg sowie von den Musikschulen in Kitzingen, Schweinfurt und Würzburg unterstützt.

Chambermusic, Calcutta School of Music, Kolkata © Matthias EmmerlingAuch das zweite Modul, welches vom 12. bis zum 16. Juli in Kolkata stattfand, stand unter der fachlichen Leitung der beiden Würzburger Professorinnen. In der gemeinsamen unterrichtspraktischen Arbeit vertieften die Fortbildungsteilnehmer ihr instrumentalpädagogisches Grundlagenwissen. Thematisch ging es um die Planung, Durchführung und Reflexion von instrumentalem Anfangsunterricht. Im Rahmen eines Elternabends wurden die Anwesenden nicht nur über die Bedeutung des improvisatorischen Umgangs mit Musik informiert, sondern auch zum gemeinsamen, spontanen Musizieren eingeladen. Darüber hinaus erprobten die Teilnehmer ihr neu erworbenes Wissen im Rahmen einer Informationsveranstaltung, die sie für andere interessierte Musiklehrer durchführten.

Teilnehmer der Fortbildung mit Zertifikat, Bangalore © Goethe-InstitutIm Mittelpunkt des dritten Moduls, das vom 27. September bis zum 1. Oktober in Bangalore ausgerichtet wurde, stand die Planung und Durchführung eines Kinderkonzerts an einer öffentlichen Schule. In Lehrversuchen lag das Hauptaugenmerk im Unterrichten fortgeschrittener Schüler. Durchgeführt wurde das Modul von der Musikpädagogin Eva Erben, von Prof. Dr. Bernd Clausen und dem Violinisten Holger Koch. Am letzten Tag fand ein Kammermusikkonzert statt, in dem die Teilnehmer ihre musikalischen und konzertpädagogischen Fähigkeiten präsentierten. In diesem Rahmen erhielten die Fortbildungsteilnehmer auch ihr Zertifikat, das gemeinsam vom Goethe-Institut sowie von der Hochschule für Musik Würzburg ausgestellt wurde. Der Direktor des Goethe-Instituts und Initiator des Projekts Dr. Reimar Volker sowie Prof. Dr. Bernd Clausen, als Vertreter der Würzburger Musikhochschule, überreichten die Dokumente.

Zu ergänzen ist, dass die drei Fortbildungsmodule von Prof. Dr. Bernd Clausen wissenschaftlich begleitet und evaluiert wurden. Im Januar 2011 wird er seine Untersuchungsergebnisse vorstellen. Doch bereits jetzt werden Perspektiven für das Projekt ausgelotet. Langfristig gesehen geht es darum, den Aufbau eines autarken Netzwerks von Musikschulen und Konservatorien in Indien zu fördern – ein Netzwerk, das der gegenseitigen professionellen Unterstützung und auch dem fachlichen Austausch mit deutschen Einrichtungen dienen soll. In diesem Sinne war bereits während der Fortbildung der Musikpädagoge Matthias Emmerling tätig, der im Auftrag des Goethe-Instituts nicht nur zentrale organisatorische Aufgaben übernahm, sondern sich bis Januar 2011 auch um die Nachhaltigkeit des Projekts an den indischen Partnerschulen kümmert.

Matthias Emmerling, Barbara Busch, Bernd Clausen
Goethe-Institut/Max Mueller Bhavan Kolkata / Hochschule für Musik Würzburg

Wanderer zwischen den Welten: Artikel über Sur-Sangam, aus Üben & Musizieren 4/2010.

Radiobeitrag des Bayerischen Rundfunks (B5 aktuell) über das erste Modul in Würzburg vom 12. April bis 7. Mai 2010:

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Die Fortbildung für indische Musiklehrer ist ein Projekt des Goethe-Institut / Max Mueller Bhavan Indien mit Unterstützung der Hochschule für Musik Würzburg. Sie findet im Rahmen der Initiative „Kultur und Entwicklung“ des Goethe-Instituts statt.
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