Das Projekt

Konzept

Demokratie wird gegenwärtig in ganz verschiedenen Kontexten diskutiert. Etwa als politisches System der Zukunft für die arabischen Länder Nordafrikas, die nach dem Sturz ihrer Diktaturen nach einer neuen politischen Ordnung suchen. Demokratie gilt den jungen Eliten dort als Garant für Aufschwung, Zukunftschancen und politische Mitbestimmung. Gleichzeitig wird die Funktionalität unserer bestehenden demokratischen Systeme aber auch in Frage gestellt.

Die Finanzkrise hat die scheinbare oder wirkliche Ohnmacht der nationalen Regierungen gegenüber Akteuren der globalen Ökonomie sichtbar gemacht und einen nicht unbedeutenden Vertrauensverlust in die Steuerungsfähigkeit politischer Akteure nach sich gezogen. Dieser von Colin Crouch als "Postdemokratie" beschriebene Zustand trifft auf die zunehmende Skepsis gegenüber den Geltungsbedingungen des klassischen Nationalstaats. Zunehmend beherrschen Regelungsbedürfnisse die politische Agenda, die im nationalstaatlichen Rahmen nicht wirksam bearbeitet werden können – etwa Klimaschutzfragen, die Reglementierung von Finanzmärkten oder Steuerfragen.

Aus dieser Situation ergeben sich eine Reihe von Fragen, die in ganz verschiedenen Ausprägungen weltweit diskutiert werden: Welchen Einfluss haben demokratisch legitimierte Repräsentanten noch, wenn entscheidende Bereiche der Gesellschaft politischer Steuerung entzogen sind? Wie ist das Verhältnis zwischen Individuum, Staat und Ökonomie dann geregelt? Wie gerät Demokratie durch die Erfahrung ökonomischer Krisenhaftigkeit unter Druck? Inwieweit ist sozialer Frieden durch das Versprechen auf stetig steigenden Wohlstand bedingt, und welche Folgen hat die Infragestellung des Wachstumsparadigmas für die Akzeptanz unserer politischen Steuerungssysteme? Wie kann dem Legitimitätsverlust von Politik begegnet werden? Welcher Institutionen bedarf es, um wirksam überstaatliche Entscheidungen zu treffen und verbindlich zu machen?

Gerade im Hinblick auf die Protestbewegungen in Griechenland, Spanien, Israel, Moskau und New York oder die Unruhen in London kann eine multinationale Debatte über diese Fragen Bezüge herstellen, die über die nationalen Diskurse hinausweisen.

Format der Veranstaltungen

In vier Live-Veranstaltungen debattieren per Videokonferenz Experten und Publikum in München und je zwei weiteren Städten: Kairo und Madrid, Peking und London, Washington D.C. und Athen, Moskau und Budapest. So entsteht ein gemeinsames globales Gespräch, vielstimmig und mehrsprachig. "Mapping Democracy" untersucht den gegenwärtigen Demokratiediskurs in all seiner Ambivalenz.