13. Januar 2013
Demokratie und Ökonomie
Die Metropolen Peking und London verkörpern auf eigene Weise das Verhältnis von Wirtschaft und Gesellschaft. In Großbritannien ist die neoliberale Wirtschaftstheorie fest verankert. Die Liberalisierung der Finanzmärkte wurde hier in den 1980er Jahren konsequent vorangetrieben. Die demokratische Tradition Großbritanniens gehört gleichzeitig zu den ältesten Europas. Aber auch Peking als politisches Zentrum der rasant aufsteigenden Wirtschaftsmacht China kann als ein Fixpunkt des modernen Kapitalismus gelten. Seit der Öffnung der Ökonomie des Landes Ende der 1970er Jahre wächst die chinesische Wirtschaft ununterbrochen. Nach Schätzungen wird China im Jahr 2050 die größte Wirtschaftsmacht der Welt sein. Beobachter dieser Entwicklung sagten voraus, dass die ökonomische Öffnung zu einer Demokratisierung des Landes führen werde. Hierfür finden sich zumindest bisher aber keine Anhaltspunkte. Dies wirft die Frage auf, ob sich Autokratie und Marktwirtschaft ausschließen, ob steigender Wohlstand zwingend auch zur Einforderung von Mitbestimmungsrechten führt.
Die aktuell in Europa geführte „Postdemokratie“-Debatte ist hierbei besonders interessant. Dieser durch den Engländer Colin Crouch gestellten Diagnose nach sind entscheidende Bereiche westlicher Gesellschaften von ökonomischen Interessen bestimmt: Demokratisch legitimierte Vertreter agieren nurmehr als Verwalter von Sachzwängen und vertreten die Interessen von Großkonzernen und Lobbygruppen. Die Tendenz europäischer Regierungen in der Finanzkrise, Entscheidungen mit Verweis auf die durch die Märkte gebotene Eile aus Parlamenten in Expertengremien zu verlagern, scheint diese Deutung zu unterstützen. Die einhellige Kritik der europäischen Regierungen an dem geplanten, dann abgesagten Referendum in Griechenland zeigte dies besonders deutlich. Ist also Demokratie für eine florierende Ökonomie eher hinderlich? Werden öffentliche politische Entscheidungen zum Luxusgut?
Marktwirtschaft und Demokratie bilden im westlichen Diskurs eine Einheit – Individuen haben die Freiheit ökonomischer und politischer Selbstbestimmung. Wie aber wird der Zusammenhang von Ökonomie und Politik in China diskutiert? Wo liegen hier Abhängigkeiten, gemeinsame Interessen und Konfliktlinien zwischen Politik und Ökonomie? Welche Grundlage hat die Rede von „Handlungszwängen“, etwa durch ökonomische Interessen, in der Politik? Die Diskussion zwischen Peking, London und München richtet den Blick auf die kulturellen Grundlagen des Verhältnisses von Politik und Ökonomie.
München
Moderation: Ralf Müller-Schmid
Sprecher: Axel Honneth, Ingo Schulze
Kartenverkauf der Münchner Kammerspiele (9€ / 5€ ermäßigt)
London
Moderation: John Kampfner
Sprecher: Mark Fisher, Anders Lustgarten, Simon Stephens
Peking
Moderation: Wang Ge
Sprecher: Cui Zhiyuan, Lu Xing-Hua
Die aktuell in Europa geführte „Postdemokratie“-Debatte ist hierbei besonders interessant. Dieser durch den Engländer Colin Crouch gestellten Diagnose nach sind entscheidende Bereiche westlicher Gesellschaften von ökonomischen Interessen bestimmt: Demokratisch legitimierte Vertreter agieren nurmehr als Verwalter von Sachzwängen und vertreten die Interessen von Großkonzernen und Lobbygruppen. Die Tendenz europäischer Regierungen in der Finanzkrise, Entscheidungen mit Verweis auf die durch die Märkte gebotene Eile aus Parlamenten in Expertengremien zu verlagern, scheint diese Deutung zu unterstützen. Die einhellige Kritik der europäischen Regierungen an dem geplanten, dann abgesagten Referendum in Griechenland zeigte dies besonders deutlich. Ist also Demokratie für eine florierende Ökonomie eher hinderlich? Werden öffentliche politische Entscheidungen zum Luxusgut?
Marktwirtschaft und Demokratie bilden im westlichen Diskurs eine Einheit – Individuen haben die Freiheit ökonomischer und politischer Selbstbestimmung. Wie aber wird der Zusammenhang von Ökonomie und Politik in China diskutiert? Wo liegen hier Abhängigkeiten, gemeinsame Interessen und Konfliktlinien zwischen Politik und Ökonomie? Welche Grundlage hat die Rede von „Handlungszwängen“, etwa durch ökonomische Interessen, in der Politik? Die Diskussion zwischen Peking, London und München richtet den Blick auf die kulturellen Grundlagen des Verhältnisses von Politik und Ökonomie.
München
Moderation: Ralf Müller-Schmid
Sprecher: Axel Honneth, Ingo Schulze
Kartenverkauf der Münchner Kammerspiele (9€ / 5€ ermäßigt)
London
Moderation: John Kampfner
Sprecher: Mark Fisher, Anders Lustgarten, Simon Stephens
Peking
Moderation: Wang Ge
Sprecher: Cui Zhiyuan, Lu Xing-Hua



Goethe-Institut London
Zusammenschnitt der Veranstaltung "Demokratie und Ökonomie" aus London, Peking und München. Aufzeichnungen und exzerpierte Statements finden Sie jeweils in englischer bzw. deutscher Originalsprache.



