Retrospektiven

Westfront 1918



Georg Wilhelm Pabst erzählt die Geschichte von vier Soldaten an der Front: ein Bayer, ein Student, ein Verheirateter und ein Leutnant. Ihr Leben wird vom Krieg zerstört: Der Student und der Bayer fallen in Kampfhandlungen, der Verheiratete findet im Heimaturlaub seine Frau im Bett mit einem Metzgerburschen und geht zurück an die Front, um zu sterben, der Leutnant wird wahnsinnig. Die Schlusssequenz spielt in einem Feldlazarett, das in einer beschädigten Kirche eingerichtet ist: Zu sehen sind Schwerverwundete, Verstümmelte, Sterbende und hilflose Sanitäter, Krankenschwestern und Ärzte, denen die Betäubungsmittel für Operationen ausgegangen sind. Anders als ALL QUIET ON THE WESTERN FRONT verzichtet Pabst in seiner Schilderung des Grauens auf Pathos, benutzt aber auch heute noch sehr eindrucksvoll die neuen Möglichkeiten des Tonfilms. Maschinengeräusche, Detonationen und Schreie prägen sich ebenso ein wie die Kamerafahrten durch die Schützengräben, die auf dem Studiogelände der Bavaria-Film nachgebaut wurden.

Nach 1933 gehörte WESTFRONT 1918 zu den ersten Filmen, die die nationalsozialistischen Machthaber verboten: „Wie die vernommenen Sachverständigen, denen sich die Oberprüfstelle angeschlossen hat, übereinstimmend bekundet hat (sic!), ist die Darstellung, die der Krieg in dem Bildstreifen gefunden hat, durchaus einseitig und wird in keiner Weise der Erinnerung des deutschen Volkes an die Heldentaten und die Opfer seiner Kämpfer gerecht. Indem der Bildstreifen die gebrachten Opfer als unnütz und den Krieg übertrieben realistisch darstellt, untergräbt er den Verteidigungswillen des Volkes und wirkt den Zielen der nationalen Regierung auf Ertüchtigung der Jungend und Wehrhaftmachung des Volkes entgegen. Der Bildstreifen gefährdet damit lebenswichtige Interessen des Staates.“ (Urteil der Film-Oberprüfstelle, Berlin 27.4.1933)

Autor: Stefan Drößler
Direktor des Filmmuseums München
www.muenchner-stadtmuseum.de

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Filmdaten

Erstaufführung:
23. Mai 1930

Regie: Georg Wilhelm Pabst
Drehbuch: Ladislaus Vajda, nach dem Roman "Vier von der Infanterie" von Ernst Johannsen (1929)
Kamera: Charles Métain, Fritz Arno Wagner
Musik: Alexander Laszlo

Darsteller:
Fritz Kampers (Bayer), Gustav Diessl (Karl), Hans Moebus (Student), Claus Clausen (Leutnant), Jackie Monnier (Yvette), Hanna Hoessrich (Karls Frau), Else Heller (Karls Mutter)

Produktion: Nero-Film AG
Format: < 35mm, Normalformat 1:1,19, Schwarzweiß
Länge: 97 Minuten

DVD: Universum (ohne Untertitel), Goethe-Institut (Untertitel englisch, französisch, spanisch, portugiesisch, russisch, chinesisch, arabisch, türkisch)

Blu-ray: Goethe-Institut (Untertitel englisch, französisch, spanisch, portugiesisch, russisch, chinesisch, arabisch, türkisch)

35mm: Deutsche Kinemathek (ohne Untertitel)