Retrospektiven

J’ACCUSE (ICH KLAGE AN)



J‘ACCUSE ist nicht nur einer der technisch innovativsten und aufwändigsten Filme seiner Zeit, sondern ist auch als eines der ersten pazifischen Werke in die Filmgeschichte eingegangen. Abel Gance, der 1917 aus dem Kriegsdienst entlassen wurde, konnte noch während des Krieges mit Unterstützung des Militärs die Dreharbeiten für seinen Film beginnen. Gance berichtet, dass er für die Massenszenen seine Statisten aus einem Camp rekrutierte, in dem sich die Soldaten acht Tage lang vom Kampf bei Verdun erholten, bevor sie wieder an die Front geschickt wurden. Der Film versucht den Wahnsinn des Krieges zu visualisieren mit metaphorischer Symbolik, expressiver Bildsprache und Montagesequenzen. Der Tod der Soldaten wird nicht idealisiert oder pathetisch überhöht, vielmehr sind sie Zeugen des Schreckens und der Sinnlosigkeit des Krieges, die die Zuschauer aufrütteln sollen. Erzählt wird die Geschichte von François und Edith, die verheiratet sind und in einem Dorf in der Provence leben. François verdächtigt Jean, ein Verhältnis mit seiner Frau zu haben. Als der Krieg ausbricht, kämpfen beide Männer zusammen im selben Bataillon an der Front, während Edith in die Hände der Deutschen fällt und vergewaltigt wird.

“J’ACCUSE for me was not just a film. When I saw the horrors of war and that all my best friends were dead – I had ten good friends and all were killed except one – I had the feeling of frenzy to use this new medium, the cinema, to show the world the stupidity of war. We were n the middle of the war and it was very difficult to make an anti-war film. At this time a book came out called ‘Le Feu’ by Henri Barbusse. This book made a great impression on me as it, too, was very energetic in its opposition to the war. I was wondering what subject I could take to show the world the stupidity of the conflict. One day, when I was crossing the Boulevard du Château, still mobilized, I had this idea that if all the dead came back – and at that moment they were uncountable – the war would stop at once. The idea thus came to me from one pavement to another. All I had to do was make the film, getting the cooperation of the army, which was extraordinary.”
(Abel Gance, zitiert nach Kevin Brownlow: The Waste of War; in: J’accuse; Flicker Alley, Los Angeles 2008)

Autor: Stefan Drößler
Direktor des Filmmuseums München
www.muenchner-stadtmuseum.de

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Filmdaten

Erstaufführung:
25. April 1919

Regie: Abel Gance
Drehbuch: Abel Gance
Kamera: Marc Bujard, Léonce-Henri Burel, Maurice Forster
Musik: Robert Israel (2008)

Darsteller:
Romuald Joubé (Jean Diaz), Séverin-Mars (François Laurin), Maryse Dauvray (Edith Laurin), Maxime Desjardins (Maria Lazare), Angèle Guys (Angele), Mancini (Jeans Mutter), Elizabeth Nizan

Produktion: Pathé Frères
Format: 35mm, Normalformat 1:1,37, Schwarzweiß (gefärbt)
Länge: 166 Minuten

DVD: Flicker Alley (Untertitel englisch)

35mm: Eye Institut (ohne Untertitel)