Retrospektiven

JOHNNY ZIEHT IN DEN KRIEG



Dalton Trumbo, der während der Hexenjagd gegen Kommunisten im Amerika der 1950er Jahre auf die schwarze Liste kam und nur noch unter Pseudonym an Filmen mitwirken konnte, inszenierte seinen 1939 veröffentlichten Roman 1971 schließlich selber, nachdem eine Produktion unter der Regie von Luis Buñuel nicht zustande kam. Der Torso eines Soldaten wird im Lazarett eingeliefert und am Leben gehalten, Arme, Beine und Gesicht sind zerstört. Aus subjektiver Sicht dieses Leichnams erfahren wir in manchmal surrealen Rückblenden und Erinnerungen die Geschichte von Johnny, der in den Krieg zog und von einer Granate getroffen wurde. Während die Szenen in der Gegenwart in Schwarzweiß aufgenommen sind, ist sind die Rückblenden in Farbe. Der unabhängig produzierte Film wurde 1971 beim Filmfestival in Cannes mehrfach ausgezeichnet, gelangte aber nicht in die deutschen Kinos.

"I've always been interested in how Buñuel would have made it. I think he would have savagely attacked democracy. I imagine his approach would have been more shocking than my own. I've tended more to center on the young man, the soldier, and let you draw your own conclusions about the system that put him where he was. (...) Of course, I've gotten a little heat from the Left on that, because I didn't put in a revolutionary addendum. But that wouldn't have worked in a movie. In the novel, you have a time lapse. Joe, the soldier, has time to think through to an angry manifesto. But in the movie you see him, and his despair is visual. If he'd immediately hit on some sort of political conclusion, it would have been obscene."
(Roger Ebert: Interview With Dalton Trumbo; Chicago Sun-Times, 5.9.1971)

Autor: Stefan Drößler
Direktor des Filmmuseums München
www.muenchner-stadtmuseum.de

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Filmdaten

Erstaufführung:
14. Mai 1971

Regie: Dalton Trumbo
Drehbuch: Dalton Trumbo, nach seinem Roman (1939)
Kamera: Jules Brenner
Musik: Jerry Fielding

Darsteller:
Timothy Bottoms (Joe Bonham), Kathy Fields (Kareen), Marsha Hunt (Joes Mutter), Jason Robards (Joes Vater), Donald Sutherland (Christ), Charles McGraw (Mike Burkeman), Sandy Brown Wyeth (Lucky)

Produktion: World Entertainment
Format: 35mm, Breitwand 1:1,66, Schwarzweiß und Eastmancolor
Länge: 111 Minuten

DVD: Shout! Factory (ohne Untertitel), Studiocanal Deutschland (Synchronisation deutsch / Untertitel deutsch), Europa Corp (Synchronisation französisch / Untertitel französisch)