William Butler Yeats

Gedichte

1)

Auf die Bitte, ein Kriegsgedicht zu schreiben

Ich glaube, es ist besser, wenn in solchen Zeiten
Der Mund des Dichters stumm bleibt; denn fürwahr,
Unser Talent taugt nicht dazu, den Staatsmann zu belehren;
Uns ist’s genug, dem Mädchen Freude zu bereiten
In seiner jugendlichen Trägheit oder gar
Dem alten Mann, an dem die Winternächte zehren.

Übersetzung: Christa Schuenke

in William Butler Yeats. Die Gedichte, hg. von Norbert Hummel
(München: Luchterhand, 2005), 176.

2)

Ein irischer Flieger ahnt seinen Tod voraus

Ich weiß, mein Los vollendet sich
Hoch in den Wolken irgendwo.
Die ich bekriege, haß ich nicht,
Ich lieb nicht die, für die ich’s tu;
Kiltartan Cross ist mein Zuhaus,
Kiltartans Bauern meine Leute,
Wie’s endet, macht für die nichts aus,
Bleibt doch alles so wie heute.
Mich riefen nicht Gesetz und Pflicht
Zum Kampf, nicht Volkes Jubel,
Es war ein Drang nach Glück, der mich
Hier hoch trieb in den Trubel;
Ich hab’s bedacht und nicht bereut,
Die Zukunft schien mir so marod,
Marod wie die Vergangenheit
Gegen dies Leben, diesen Tod.

Übersetzung: Christa Schuenke

in William Butler Yeats. Die Gedichte, hg. von Norbert Hummel
(München: Luchterhand, 2005), 153-154.

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William Butler Yeats

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Der irische Dichter, Senator und Nobelpreisträger William Butler Yeats (* 13. Juni 1865 in Sandymount † 28. Januar 1939 in Menton) war kein Freund von Kriegspoesie. Entsprechend daher auch seine Antwort „Auf die Bitte, ein Kriegsgedicht zu schreiben“, nämlich für eine von Edith Wharton zugunsten ihrer Hilfsprojekte herausgegebene Anthologie. 1918 bewegte ihn der tragische Kriegstod von Robert Gregory zu dem Gedicht „Ein irischer Flieger ahnt seinen Tod voraus“.