Kultur im Spannungsfeld von öffentlichem und digitalem Raum

Foto: Goethe-Institut/Loredana La Rocca
Foto: Goethe-Institut/Loredana La Rocca
Herr Lehmann, unterscheiden sich die öffentlichen Räume in den Ländern, in denen das Goethe-Institut präsent ist?

Ja, eindeutig. Es gibt Länder, in denen man es überhaupt nicht gewohnt ist, den öffentlichen Raum für Begegnungen oder Aktivitäten zu nutzen. In diesen Fällen nimmt man ihn beispielsweise nur für eine Verbindung von A nach B wahr oder um dort Handel zu betreiben. Kulturelle oder gesellschaftspolitische Ereignisse werden in den einzelnen Kulturen ganz unterschiedlich ausgedrückt und finden an verschiedenen Orten statt. In Neu-Delhi haben wir auf öffentlichen Plätzen die Frage der Erderwärmung und der Klimabezüge mit Theaterstücken und Sketchen diskutiert. Das war für die Menschen dort ganz neu. Weil vor uns noch niemand den öffentlichen Raum auf diese Weise besetzt hatte, war die Wirkung besonders groß. Letztlich entstand aus dieser Erfahrung ein komplettes Deutschlandjahr in Indien: Wir sind mit großen Zelten in die öffentlichen Räume von Kalkutta, Neu Delhi und anderen Städten gezogen.

Können Sie diese Wirkung genauer beschreiben?

Wer öffentliche Plätze bespielt oder dort demonstriert, erreicht andere Menschen und Aufmerksamkeit. Man löst etwas aus und regt zum Nachdenken an, zum Innehalten, zu Engagement. Wer Leute animiert, sich miteinander auszutauschen oder sich mit Dingen zu befassen, die sie vorher nur vereinzelt wahrgenommen haben, hat schon viel erreicht. So ist es möglich, ein Gruppenerlebnis zu schaffen. Mitten in der individualisierten Gesellschaft entsteht eine Gemeinschaft. Geschlossene Räume sind dagegen immer mit einem Zweck versehen. Den öffentlichen kann man definieren mit Aktionen – das ist der große Vorteil.

Interview mit Klaus-Dieter Lehmann, Präsident des Goethe-Instituts im Sonderheft „Rückeroberung des Öffentlichen“. Dieses Gespräch wurde hier mit zwei aktuellen Fragen fortgesetzt.
Das Interview führten Günter Keil und Andrea Tholl

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